Taschenbuch: 480 Seiten
Verlag: Piper Verlag

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Klappentext:

Können Bücher wirklich träumen? Bücher können alles ? sogar töten!

Der junge Dichter Hildegunst von Mythenmetz erbt ein makelloses Manuskript, dessen Geheimnis er ergründen möchte. Die Spur weist nach Buchhaim, der Stadt der Träumenden Bücher … Walter Moers entführt uns in das Zauberreich der Literatur, wo Bücher nicht nur spannend oder komisch sind, sondern auch in den Wahnsinn treiben oder sogar töten können. Nur wer bereit ist, derartige Risiken in Kauf zu nehmen, möge dem Autor folgen. Allen anderen wünschen wir ein gesundes, aber todlangweiliges Leben!

Kritik:

Den meisten dürfte Walter Moers in erster Linie durch seine Comics bekannt sein. Adolf und sein Bunker, kleine Arschlöcher, alte Säcke und so weiter. Er versuchte sein Glück jedoch auch als Autor, beziehungsweise in diesem Fall als Übersetzer eines Buches aus dem Zamonischen. Man merkt schon, man bekommt es mit Fantasy zu tun, die das Genre eher mit einem Augenzwinkern als einem bierernsten und blutigen Auge betrachtet.

Mit “Die Stadt der Träumenden Bücher” zeigt Walter Moers dann auch direkt vom Start weg, dass er Ahnung vom Schreiben hat. Erwartet man zu Beginn noch einen Roman in der Machart eines Terry Pratchett (und fühlt sich zu Beginn, besonders hinsichtlich der regelmäßigen Verwendung von Fußnoten auch tatsächlich noch an eben jenen erinnert), bringt Moers sein Buch schnell in eine etwas andere Spur. Sicherlich, humorvoll geht es hier und da schon zu, jedoch nicht in dem inflationären Maß Pratchetts. Vielmehr wandert der Autor auf einem Grat irgendwo zwischen ernsthafter und humoriger Schreibweise, die den Leser zwar oft zum Schmunzeln bringt, auf der anderen Seite aber auch einen gut gezeichneten Spannungsbogen mit sich bringt und dem Roman nicht direkt den Stempel “Comedy” oder gar “Plagiat” aufdrückt. Das sorgt natürlich dafür, dass der Leser vom Start weg in die Geschichte gezogen wird und mit Protagonist Hildegunst von Mythenmetz eine tempo- und wendungsreiche, sehr unterhaltsame Reise durch die Katakomben von Buchhaim erlebt.

Besonders die Figuren sind es dabei, die “Die Stadt der Träumenden Bücher” von einem Großteil der auf dem Markt anzutreffenden Mitbewerber abheben. Wer Elfen, Zwerge und Orks erwartet, wird zwangsläufig enttäuscht werden. Wer aber dafür mit anderen, nicht regelmäßig anzutreffenden Vertretern des Fantasyromans Freundschaft schließen möchte, wird hier einen Roman ganz nach seinem Geschmack erleben. Im Zentrum der Geschichte steht Dichter Hildegunst von Mythenmetz, seines Zeichens stolzer (ehemaliger) Bewohner der Lindwurmfeste. Also ein drachenähnlicher Kerl, der Gedichte schreibt. Wie alle Vertreter seiner Rasse. Jui, kannte ich noch nicht. Walter Moers verzichtet nicht darauf, seinen Figuren, seien es nun unser Held wider Willen oder der ach so fiese Schattenkönig, im Lauf der Handlung immer mehr Tiefe und Profil zu verleihen, was der Glaubwürdigkeit der Charaktere sehr zu gute kommt. Man schließt sie schnell ins Herz und am Ende des Buches ist es schon fast so etwas wie ein Abschied von einem alten Freund. Toll gemacht.

Zum Schreibstil habe ich mich eingangs ja schon etwas ausgelassen, weswegen ich an dieser Stelle nur noch einmal betonen möchte, dass “Die Stadt der Träumenden Bücher” Fantasy auf hohem Niveau ist. Moers schreibt sehr zugänglich, ohne dabei aufdringlich in einen veralteten Genreslang zu verfallen. Dennoch ist die Tonart gut getroffen und passt gut ins Gesamtbild. Und da es ja immer so schön heißt, dass das Auge mitessen würde, sollen auch die schicken Illustrationen der mir vorliegenden Taschenbuchausgabe nicht verschwiegen werden, die der Phantasie des Lesers noch mal einen kleinen, zusätzlichen Schub geben und das Buch im Ganzen natürlich direkt noch etwas aufwerten.

Fazit:

“Die Stadt der Träumenden Bücher” war für mich ein sehr überraschendes Buch. Nachdem ich zu Beginn noch einen Pratchett in etwas anderem Gewand erwartet habe, zeigte sich schnell, dass Autor Walter Moers nicht abgekupfert hat, sondern sich im Gegenteil um ein sehr hohes Maß an Eigenständigkeit bemüht. Erfolgreich. Das in Kombination mit den tollen und außergewöhnlichen Figuren sowie einem beachtlichen Spannungsbogen machen den Roman zu einer Empfehlung für jeden Freund der eher untypischen Fantasy – und natürlich auch für jeden, der das Genre gerne in allen seinen Spielarten kennenlernen möchte. Für mich eines meiner persönlichen Highlights des Jahres.

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.

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