Taschenbuch: 120 Seiten
Verlag: Amrûn Verlag

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Zombie Zone Germany

Klappentext:

Abgeschnitten von der Außenwelt, isoliert, sich selbst überlassen – Tag 78 ist eine rasante Novelle von Horrorautor Vincent Voss.

Es hatte ein TV-Spektakel sein sollen. Sieben Kandidaten, wie sie unterschiedlicher nicht sein können, jeder von ihnen mit einem Geheimnis, in einem Container. Dutzende Kameras, die jede ihrer Bewegungen verfolgen und selbst die intimsten Momente festhalten. Erotik, Leidenschaft, Hinterhältigkeit und Intrigen. Die Einschaltquoten waren hoch, das Publikum begeistert. 68 Tage ging es gut, Zuschauer und Kandidaten fieberten dem großen Finale entgegen …

Doch dann brach alles zusammen.

© Amrûn Verlag

Kritik:

Ich bin Zombie-Fan. Das dürfte nun für die wenigsten Stammleser überraschend sein. Ich mag außerdem kurze, knackige Geschichten. Auch das ist vermutlich nichts Neues. Passenderweise gibt es im Amrûn Verlag die Reihe „Zombie Zone Germany„. Herausgeber Torsten Exter sammelt unter diesem Label Zombie-Stories, die in Deutschland spielen. Vincent Voss konnte mich seinerzeit bereits mit seinem Untoten-Thriller „Faulfleisch“ überzeugen und hat mit „Tag 78“ auch einen Beitrag zu eben jener Serie abgeliefert.

Das waren natürlich schon mal gute Voraussetzungen, also habe ich mich frohen Mutes an die Novelle geschmissen. Im Nachhinein muss ich aber leider sagen, dass meine Erwartungen nicht erfüllt wurden. Zwar sucht sich Voss mit der Big Brother-Geschichte ein durchaus interessantes Setting aus, allerdings ist die dabei aufkommende Atmosphäre insgesamt eher mau. Trotz der Ereignisse mit Selbstmorden und diversen Leichen ensteht keine bedrohliche Stimmung und ich konnte nie so recht mit den Bewohnern mitfiebern. Was in letzter Instanz natürlich bedeutet, dass auch der Spannungsbogen allenfalls moderat verläuft. Das mag zum einen an der Vorhersehbarkeit der Ereignisse liegen, zum anderen aber auch an so mancher Logiklücke (ich überlege immer noch, wie sich jemand, der sich an der Heizung strangulieren will, die Hände selbst auf dem Rücken fesseln will). Auch die Umblenden in die Außenwelt können nicht sonderlich überzeugen. Sie wirken einfach zu klinisch und emotionslos. Der Schlusstwist, der Container und das Drumherum zusammenbringen soll, funktioniert ebenfalls nur sehr bedingt. Eigentlich war von Anfang an klar, wer der mysteriöse „Auftraggeber“ ist, von dem immer gesprochen wurde. Und auch der Ausgang selbst ist wenig überraschend.

Die Figuren des Buches waren ebenfalls vergleichsweise schwach. „Tag 78“ präsentiert uns durchweg die typischen und damit sehr klischeebeladenen Big Brother-Bewohner, auch wenn durch die vorgeblichen Geheimnisse der einzelnen Akteure wohl etwas Salz in die Suppe gestreut werden sollte. Leider reicht das aber nicht aus, um daraus ein würziges Gericht zu zaubern, über allem schwebt immer noch die dicke, rote Klischeeleuchte. Daraus resultiert auch, dass es mir nicht möglich gewesen ist, mich mit den Bewohnern zu identifizieren oder mich überhaupt nach ein paar Tagen noch an ihre Namen zu erinnern. Im direkten Vergleich mit Voss‘ anderen Veröffentlichungen ist das insgesamt ein ziemlich schwaches Bild. Natürlich erwarte ich bei einem Büchlein mit 120 Seiten Umfang keine ausgeprägten Charakterstudien mit dicken Hintergründen, insgesamt wäre mir aber ein bisschen Tiefgründigkeit abseits des RTL2-Niveaus sehr lieb gewesen. Oder zumindest etwas, was die Charaktere erinnerungswürdig macht.

Stilistisch gibt es hingegen nichts zu meckern. Wie auch in seinen Romane legt Vincent Voss bei „Tag 78“ einen angenehmen, schnellen Stil an den Tag. Es wird nicht lange herumbaldovert, sondern er kommt schnell und präzise auf den Punkt. Das hält das Tempo oben und sorgt dafür, dass ich der Novelle doch noch etwas Positives abgewinnen konnte.

Fazit:

Tag 78“ von Vincent Voss als Teil der „Zombie Zone Germany“ konnte mich insgesamt nicht überzeugen. Leider gelingt es dem Autoren nicht, eine echte Bedrohungshaltung zu schaffen, die Atmosphäre leidet unter den sich ständig wiederholenden Ansichten der Figuren. Diese sind dazu auch noch sehr klischeebeladen und damit insgesamt eher schwach. Die Vorhersehbarkeit der Geschichte nimmt ihr einen Großteil der Spannung. Lediglich die angenehme Schreibe (und der geringe Umfang) sorgen am Ende dafür, dass ich „Tag 78“ nicht als kompletten Reinfall verbuchen würde.

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.

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