faulfleischVincent Voss – Faulfleisch

Taschenbuch: 352 Seiten
Verlag: Verlag Torsten Low

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Klappentext:

Wenn in der Hölle kein Platz mehr ist, kommen die Toten nach Wakendorf II

Wegen der Kinder waren sie aufs Land gezogen. Hatten die Großstadt Hamburg gegen die Gemeinde Wakendorf II eingetauscht.
Doch das Landleben ist nicht ganz so beschaulich, wie Liam es sich vorgestellt hat. Erst trifft er bei einem Spaziergang auf einen nackten, gefesselten Mann, dann vermeint er hinter einer Fensterscheibe eine blutige Hand zu sehen.
Als Liam in der Alsterniederung einen blutigen Fund macht, überschlagen sich die Ereignisse.
Und die Pforten der Hölle öffnen sich …

Ein deutscher Regional-Horrorroman von Vincent Voss

© Verlag Torsten Low

Spezielle Romane sind ein Fall für spezielle Verlage. Soll heißen: Verlage, die sich mehr trauen als die großen Häuser. Hiervon gibt es mittlerweile zwar einige, doch nur wenige werden so schnell mit einem Gesicht (oder besser gesagt einem T-Shirt) in Verbindung gebracht wie der Verlag Torsten Low. Und wer ein bissiger Verleger ist, lässt halt auch gerne bissige Zombies auf die Menschheit los.

Der sympathische Gruß an Romeros’ “Dawn of the Dead” auf dem Buchrücken gibt dann auch direkt die Marschrichtung vor. Zu Beginn entwickelt sich “Faulfleisch” zunächst noch gemächlich, denn anders als in vielen Werken mit dem gleichen Grundthema setzt man hier nicht voraus, dass sich die große Katastrophe bereits abgespielt hat, sondern beschäftigt sich mit dem Motto “Wehret den Anfängen”. Dadurch dauert es natürlich etwas länger, bis tatsächlich die ersten Untoten auftauchen, aber auch die Strecke dorthin ist in bester Thriller-Manier nicht langweilig. Auf die Atmosphäre bezogen war es zweifelsfrei ein geschickter Schachzug, als Haupthandlungsort die eigene Heimat zu wählen, denn so gelingt es Voss, die Orte sehr plastisch zu beschreiben und im Kopf des Lesers ein eigenes Bild von Wakendorf II entstehen zu lassen. Dazu wird in den Gesprächen gerne auch der typisch Norddeutsche Slang & Dialekt benutzt, was natürlich zu einem Regionalroman sehr gut passt. Löblicherweise wird das aber nicht so überstrapaziert wie es zum Beispiel bei “Bighead” der Fall war. Sehr gefallen hat mir das Ende des Romans, auch wenn ich gestehen muss, dass ich es irgendwie habe kommen sehen.

Die Charakterzeichnung in “Faulfleisch” ist gelungen, man hat das Gefühl es mit “Menschen wie du und ich” zu tun zu haben. Zwar beschränkt sich Voss in seinem Werk darauf, die Handlungsträger mit einem umfangreichen Hintergrund auszustatten, lässt es sich dabei aber nicht nehmen, auch zu den Nebenakteuren zumindest rudimentäres Hintergrundwissen zu vermitteln. Mehr ist offen gestanden auch nicht nötig, denn der Begriff “Nebencharaktere” ist durchaus sehr wörtlich zu nehmen. Sie bringen die Handlung voran, haben damit ihre Funktion erfüllt und werden dann mehr oder weniger im sehr schnellen Finale des Buches verheizt. Der Hauptcharakter Liam wird aber durch den großzügigen Hintergrund zu einem Sympathieträger, mit dessen Problemen (welche sich nicht nur auf die Untoten beschränken) und Wünschen man sich durchaus identifizieren kann. Auch sein Freund Tim, der eine nicht unwesentliche Rolle spielt, ist gut ausstaffiert, auch wenn ihm nicht unbedingt eine sympathische Rolle zugestanden werden kann. Aber gerade das macht ihn für die Geschichte wichtig.

Stilistisch kann man sich über Voss nicht beschweren. Zwar merkt man an einigen Stellen noch, dass es sich bei ihm zum Veröffentlichungszeitpunkt nicht um jemanden mit einem umfangreichen literarischen Hintergrund handelte (“Faulfleisch” war nach “172,3″ sein zweiter Roman), aber das stört den Lesefluss nur bedingt. Sicherlich, es gibt noch etwas Spielraum nach oben (den er schließlich mit “Töte John Bender!” auch nutzte), aber auf der anderen Seite habe ich schon wesentlich schlechteres auch von deutlich bekannteren Autoren gesehen. Wie ich weiter oben bereits sagte, fand ich dafür den nett umgesetzten Regional-Aspekt sehr ansprechend und gut zum Buch passend, besonders weil ich ebenfalls einige Jahre im Norden gelebt habe und dadurch vielleicht noch einmal etwas deutlicher die Landschaft und den für die Gegend typischen Baustil vor Augen hatte.

Fazit:

7Faulfleisch” ist ein Zombieroman, der sich mit den Anfängen einer Apokalypse beschäftigt und zum Ende hin sehr deutlich macht, wie schnell sich ein solches Virus verbreiten könnte. Sehr plastisch im Hohen Norden angesiedelt, sollten aber nicht nur Nordlichter sondern Zombie-Fans im Allgemeinen dem Buch eine Chance geben. Wenn man einige wenige Stilblüten überlesen kann, wird man dann sicherlich seinen Spaß mit “Faulfleisch” haben.

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.

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