Taschenbuch: 672 Seiten
Verlag: Heyne Verlag

Mehr zum Buch auf der Verlagshomepage

Klappentext:

Paris im September 1805. Der intrigante Polizeiminister Joseph Fouché regiert die Stadt mit eiserner Hand. Doch die Bewohner der Weltmetropole sind ergriffen von Angst. In finsteren Gassen werden die Leichen blutjunger Mädchen gefunden, die Brutalität der Morde ist beispiellos. Der für seinen Jagdinstinkt berühmte Polizist Louis Marais arbeitet wie besessen an dem Fall. Marais weiß, dass es ein Monster braucht, um ein Monster zu jagen. Er greift auf die Hilfe eines alten Bekannten zurück, der hinter den Mauern des Irrenhauses von Charenton sein Leben fristet. Doch damit führt Marais den Alptraum erst zu seiner wahren Größe …

© Heyne Verlag

Kritik:

»Historischer Thriller« steht dick und breit unter dem Titel von »Fest der Finsternis«. Ulf Torreck, der unter dem Pseudonym David Gray erfolgreich als Hardboiled-Krimiautor unterwegs ist, liefert unter seinem bürgerlichen Namen gänzlich andere Kost ab. Und das auch noch im großen Publikumsverlag Heyne. Man durfte gespannt sein.

Vom Start weg wird eines klar: Torreck versteht sich gut darauf, historisch verbriefte Figuren wie den Polizeikommissar Louis Marais oder seinen Partner wider Willen, den Marquis de Sade persönlich, darzustellen. Ebenso hat er ein gutes Händchen dafür, die Charaktere in eine fiktive, hochspannende Story einzubauen. Denn das ist »Fest der Finsternis« von der ersten Seite an: extrem spannend. Auch atmosphärisch hat der Autor alles richtig gemach. Seine Schilderungen des Paris im frühen 19. Jahrhundert wirken glaubwürdig und authentisch. Ich fühlte mich schnell in eine andere Zeit versetzt und wurde vom Strudel der Ereignisse mitgerissen. Diesen positiven Eindruck kann Torreck über weite Strecken aufrechterhalten. Er zieht seine Leser an der Nase von einer in die andere Richtung, streut Zweifel über die Motivation des Mörders und die Hintergründe der Untaten. Durchschaubar ist der Roman nicht. Es ist aber auch nicht alles Gold, was glänzt. Zwar weist der Plot einige interessante Wendungen auf, die Auflösung selbst hat mir aber nur bedingt gefallen. Halt, nicht die Auflösung als solches, denn die ist gut und unvorhersehbar. Vielmehr die Art, in der sie präsentiert wird. Der ellenlange Monolog trifft das Klischee »Villain glaubt, gewonnen zu haben und plaudert seinen Plan in epischer Länge und Breite aus« zu 100 %. Das ist schade, letztlich aber nur ein Detailmangel, über den man wegen der Qualität des gesamten Buches gerne hinwegsehen kann. Außerdem entschädigt die bitterböse Schlusspointe auch dafür.

Was die Figuren angeht, kann »Fest der Finsternis« eine Menge Punkte einfahren. Ulf Torreck verbindet, wie eingangs erwähnt, geschickt historische Figuren mit einer fiktiven Geschichte. Er hangelt sich dabei nicht an den belegten Lebensläufen seiner Protagonisten entlang. Natürlich werden sie zu gewissen Teilen in den Plot eingebunden, was man vor allem am Verhältnis von Marais zu de Sade sieht. Allerdings nimmt der Autor sich auch genügend künstlerische Freiheit heraus, um sie an seine Geschichte anzupassen. Daraus entsteht ein wunderbar explosives Gemisch, welches man am Besten mit einer Art Buddy-Movie vergleichen kann. Nur, dass die Buddies sich nicht übermäßig grün sind. Es prallen eckige und kantige Charaktere aufeinander, die entstehende Reibungswärme ist auf jeden Fall ebenfalls dazu angetan, den Leser zum umblättern zu motivieren. Während man über den Marquis noch recht viel in den gängigen Quellen lesen kann, ist Louis Marais eine ziemliche Schattenfigur. Torreck zollt dem Tribut, indem er Monsieur Le Commisaire einen sehr mysteriösen und undurchsichtigen Hintergrund verpasst. Das ist spannend und brachte mich immer wieder dazu, darauf rumzurätseln, wer der Kommissar nun tatsächlich ist.

Insgesamt hat mir Torrecks Stil gut gefallen. »Fest der Finsternis« präsentiert sich auf eine moderne und frisch geschriebene Art. Vor allem, wenn man bedenkt, dass es sich um eine Geschichte mit historischem Setting handelt. Dadurch liest der Roman sich flüssig und gut. Aus den Dialogen hingegen spricht genau der richtige Zeitgeist, sodass man nicht den Eindruck hat, dass hier jemand eine historische Deckschicht auf einen modernen Thriller aufgetragen hat. Das weiß zu gefallen. Allerdings gibt es auch kleinere Schwachpunkte. Nach der gefühlten hundertsten Anrede dieser Art weiß man als Leser, dass der Marquis ein »altes Ungeheuer/ Scheusal« ist. Was anfangs noch witzig schien, wurde im Laufe der knapp 700 Seiten über- und ausgereizt. Da wäre weniger mehr gewesen. Auch wechseln zwischenzeitig die Anreden von »du« zu »Sie« und auch mal zu »Euch«. Im Lektorat wurden diverse Rechtschreib- und Formatierungsfehler durchgewunken. Reite ich normalerweise nicht drauf rum, sollte aber zumindest erwähnt werden.

Fazit:

»Fest der Finsternis« ist eine spannend erzählte Geschichte in einem überzeugenden historischen Setting. Die Figuren wussten zu gefallen, auch wenn der Marquis de Sade im Buch mehr Schnupftabak vernichtet, als John McClane Zigaretten raucht – in allen Stirb-Langsam-Filmen zusammen. Ein paar kleinere Detailmängel störten den Lesespaß nicht merklich, die übersehenen Rechtschreibfehler sorgten nicht für großes Stolpern. Insgesamt ein Roman, der mir vom Start weg gut gefallen hat und ein Autor, von dem ich gerne mehr lesen würde.

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.

Letzte Artikel von Sebastian (Alle anzeigen)