Taschenbuch: 464 Seiten
Verlag: Droemer-Knaur

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Klappentext:

Ein gnadenloser Kampf ums Überleben

Die Schauplätze: Norwegens undurchdringliche Wälder. Ein unheimliches Höhlensystem. Ein geheimes Militärlager aus dem Zweiten Weltkrieg mit Forschungslabor. Ein uraltes Wikingergrab.

Die Charaktere: sechs Angestellte einer Hamburger Werbeagentur, vier Männer, zwei Frauen, die sich nicht besonders mögen. Das TV-Team einer neuen Reality-Show. Ein Verräter. ETWAS, das in den Wäldern lauert: uralt, grausam – und ansteckend!

Kritik:

Der Name Thomas Finn war mir bislang noch kein Begriff, wie ich gestehen muss. Der Klappentext des Buches (wie übrigens auch das Cover) haben mich jedoch direkt angesprochen. Somit war ein Blick ins Buch mehr oder weniger Pflicht.

Die Grundidee mit der Reality Show ist in der heutigen Zeit dabei auch gar nicht so weit hergeholt, wie es noch zu Zeiten des „Running Man“ gewesen ist. Wenn man sich das sogenannte Hartz IV-TV mal anschaut, ist es eigentlich gar nicht so fiktiv. Finn hat dabei mit „Dark Wood“ ein gutes Gespür für sein Setting bewiesen. Der Schauplatz im norwegischen Wald ist detailreich beschrieben und es wird vom Start weg für eine düstere, beängstigende Atmosphäre gesorgt, was sich im weiteren Verlauf des Buches noch steigert. Die Hetzjagd auf unsere Protagonisten ist zudem sehr tempo- und actionreich, was den Adrenalinpegel nach oben treibt. Dadurch ist auch für Spannung gesorgt, wenn die Geschichte selbst sich mal einen der wenigen Durchhänger erlaubt. Denn machen wir uns nichts vor: Vom Grundsatz her ist dieses Survival-Horror-Ding doch ziemlich ausgelutscht und alles andere als innovativ. Finn zieht es trotzdem konsequent durch und liefert dabei ein von Action geprägtes Finale, ein paar nicht uninteressante Plot-Twists und eine bitterböse Schlusspointe. Leider aber auch die eine oder andere Logiklücke. Besonders habe ich dabei die Geschichte um eine gestohlene Firmenkreditkarte im Hinterkopf.

Die Figuren sind Genrestandard, so möchte man fast sagen. Es ist dem Autoren zwar gelungen, seinen Protagonisten einen angenehm umfangreichen Hintergrund zu verpassen (was dann ja doch schon etwas über dem Standard ist), allerdings sind sie in vielen Punkten doch sehr klischeebeladen. So kennt man den fetten Computer-Nerd, die Sexbombe, die graue Maus, den Sportler und den zunächst undurchsichtigen Typen als klassisches Ensemble aus gefühlt jedem zweiten Genrefilm. Man muss „Dark Wood“ jedoch zugestehen, dass es auch in diesem Punkt die eine oder andere kleine Überraschung für den Leser parat hält, die nicht einmal zwangsläufig vorhersehbar sind. Thomas Finn mag also in Hinsicht auf die Figurenausgestaltung nur bedingt kreativ gewesen sein, dafür hat er ein wunderbares Spiel mit der Gruppendynamik in sein Buch eingebaut. Immer wieder werden Loyalitäten, Bündnisse und Freundschaften in Frage gestellt und die Karten neu gemischt. Immer wieder wurde auch dabei ich erneut an der Nase herumgeführt. Das wusste zu gefallen.

Der Stil des Buches ist leider ein ziemlich großer Kritikpunkt. Thomas Finn schreibt zwar auf der einen Seite, wie eingangs erwähnt, sehr bildlich und ist in der Lage, eine dichte Atmosphäre aufzubauen. Auf der anderen Seite hat man es jedoch stellenweise sehr oft mit Wortwiederholungen zu tun, auch wird so manche Phrase in viel zu kurzen Abständen immer mal wieder verwendet. Das ist ziemlich ärgerlich, weil es sich nicht übermäßig toll liest und mich eben an diesen Punkten im Lesefluss stolpern ließ. Nicht falsch verstehen: Dazwischen ist „Dark Wood“ gut und flott zu lesen. Aber dieses Stolpern hätte sich mit etwas mehr Überarbeitung, sei es nun durch den Autoren oder den Lektoren, sicherlich vermeiden lassen.

Fazit:

Dark Wood“ von Thomas Finn mag in vielen Punkten Klischees bedienen und nicht übermäßig innovativ erscheinen. Hier und da wird auch der Lesefluss etwas gestört. ABER: „Dark Wood“ bietet zugleich auch viel lesenswertes, sei es nun die bildliche Erzählweise des Autoren, das konstant hohe Tempo und die dichte Atmosphäre. Besonders ist es aber die toll funktionierende Gruppendynamik, die den Horrorthriller lesenswert macht.

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.

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