mummenschanzTerry Pratchett – Mummenschanz

OT: Maskerade
Taschenbuch: 384 Seiten
Verlag: Goldmann
Übersetzung: Regina Rawlinson

Scheibenwelt, Band 18

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Klappentext:

Im Opernhaus von Ankh-Morpork huschen maskierte Gestalten durch die Kulissen und führen Niederträchtiges im Schilde. Wer den sterbenden Schwan auf der Bühne mimt, der lebt gefährlich. Es spukt, und als auch noch ein Mord geschieht, ist es höchste Zeit für den Auftritt zweier erdnussfutternder Damen mit bemerkenswerten Hüten. Es sind Oma Wetterwachs und Nanny Ogg, die berühmtesten Hexen der Scheibenwelt. Anlässlich ihres Besuchs steht dem Musentempel ein Riesenwirbel ins Haus – und mörderisch gute Abendunterhaltung …

© Goldmann Verlag

Kritik:

dem Terry Pratchett lange Zeit keine Erwähnung im Blog gefunden hat, häuft es sich nun ein bisschen. Was soll man machen? Ich konnte ihn ja nicht ewig ignorieren – zumal man eigentlich auch nicht oft genug über seine Bücher sprechen kann.

»Mummenschanz« führt die Geschichte des Vorgängers »Lords und Ladies« recht nahtlos fort. Es sei also in jedem Fall dazu geraten, zumindest diesen Band vorher zu lesen. Es ist zwar nicht unbedingt nötig, um mit der Geschichte des 18. Scheibenweltromans Spaß zu haben, aber zumindest zu Beginn könnte es doch ein paar Fragen aufwerfen, wenn man »Lords und Ladies« nicht gelesen hat. Was »Mummenschanz« angeht, möchte man die Geschichte fast schon als eine Mediensatire betrachten. Pratchett bedient sich sehr klassischer Motive (»Das Spiel muss weitergehen«) und überspitzt diese in seiner gewohnt liebenswerten Art und Weise. Für Spannung sorgt die Jagd nach dem mysteriösen Opern-Geist allemal, hier und da sind leichte Krimi-Einflüsse nicht zu bestreiten. Diese nehmen aber nie überhand, Pratchett bleibt weitestgehend dem satirischen Ansatz treu. Die Atmosphäre in der Oper von Ankh-Morpork ist dabei wie immer reichlich abgefahren und bizarr, was nicht zuletzt an den vielen (zumeist leicht bis ziemlich durchgeknallten) Figuren liegt.

Die Figuren, das sind dann auch direkt wieder alte Bekannte. Gytha Ogg und Esmeralda Wetterwachs sind zwei der ehemals drei Lancre-Hexen, die man auch zuletzt durch »Lords und Ladies« begleiten durfte. Und wie gehabt darf man sich bei den beiden Damen auf Wortgefechte mit Schmunzelgarantie einstellen. Pratchett nutzt seine Akteure wieder geschickt, um indirekt durch sie zu sprechen und viel von seiner Lebenseinstellung und seiner persönlichen Sicht der Dinge zu offenbaren. Gerade Oma Wetterwachs gibt, immer stilecht verpackt unter bissigen Kommentaren und viel Humor, so manche Lebensweisheit von sich, die durchaus auch auf die Realität übertragbar ist. Und damit erfüllt »Mummenschanz« genau die Erwartungen, die der Stammleser an Pratchetts Veröffentlichungen hat.

Stilistisch bleibt ebenfalls alles beim Alten. Terry Pratchett war, was seine Art zu Schreiben und die damit einhergehenden Botschaften angeht, einfach unvergleichlich. Die Pointen sitzen, die Erwählweise ist sehr gut zugänglich. Regina Rawlinsons Übersetzung trägt dem Rechnung. Auch wenn ich dabei bleibe, dass Andreas Brandhorst der Scheibenwelt so sehr seinen Stempel aufgedrückt hat und für mich DIE deutsche Pratchett-Stimme bleiben wird, konnte ich mich wieder schnell an den geänderten Ton gewöhnen. »Mummenschanz« führt leider die Unsitte der generischen Cover fort, was ich persönlich sehr schade finde.

Fazit:

8»Mummenschanz« ist ein weiterer Roman aus dem Lancre-Hexen-Zyklus. Wer die bisherigen Romane um Nanny Ogg und Oma Wetterwachs kennt und schätzt, weiß schon genau was ihn erwartet und kann ohne Bedenken zugreifen. Der Humor ist treffend wie eh und je, die darin untergebrachten Botschaften dezent und doch nicht zu übersehen. Wenn man den Neuveröffentlichungen nun auch noch schicke Cover statt seelenloser und langweiliger Massenware spendieren würde, wäre vielleicht noch ein Pünktchen mehr drin gewesen.

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.

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