die staubsaugende schreckschraubeTerry Pratchett – Die staubsaugende Schreckschraube

OT: The Witch’s Vacuum Cleaner
Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
Verlag: ivi Verlag
Übersetzung: Andreas Brandhorst
Illustrationen: Mark Beech

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Klappentext:

Nach »Dralle Drachen« die neue Erzählungssammlung aus der Jugendzeit des Großmeisters. In vierzehn neuen Storys erleben wir, wie ein gewisser Terry Pratchett, junger Reporter bei einem Lokalblatt, die ersten seiner irrwitzigen Weltentwürfe zu Papier brachte. Ob haarsträubende Abenteuer mit einer schlecht gelaunten Hexe auf einem Staubsauger, einem zeitreisenden Fernseher oder die Begegnung mit einer unbeugsamen Ameise namens 4179003 – Pratchetts ganz besonderer Humor wird schon in diesen frühen Erzählungen deutlich und begeistert mit den witzigen Illustrationen des britischen Künstlers Mark Beech junge und junggebliebene Fans des Scheibenwelt-Schöpfers.

© Piper Verlag

Kritik:

Terry Pratchett ist den meisten Lesern vermutlich als Erfinder der Scheibenwelt ein Begriff. Dass der gute Mann noch viel mehr konnte, wissen viele nicht – beziehungsweise kennen höchstens die Titel. Der Piper Verlag lenkt dem entgegen. Mit »Die staubsaugende Schreckschraube« veröffentlicht er die zweite Kurzgeschichten-Sammlung aus Sir Terrys Anfangszeit als Schriftsteller.

Pratchett hat die 14 Kurzgeschichten der Sammlung verfasst, als er noch als Journalist tätig gewesen ist. Sie wurden passenderweise allesamt als Kolumne in der Zeitung veröffentlicht. Schon das Vorwort von Stammübersetzer Andreas Brandhorst (aus welchem deutlich ein großer Respekt vor Pratchett als Person und seinem Lebenswerk spricht) macht eines völlig klar: Man sollte an »Die staubsaugende Schreckschraube« mit einer anderen Erwartung herangehen als an seine späteren Werke. Es handelt sich nicht um Geschichten, die sich an erwachsene Leser richten. Fast möchte man sagen, dass es sich vielmehr um ein Kinderbuch handelt. Allerdings lässt sich schon die humanistische Denkweise des viel zu früh verstorbenen Briten entdecken, wenn auch in einer weniger hintergründigen und feinfühligen Art. Ein Humanismus, der für die jüngsten Leser in einer Art aufbereitet wurde, die kein erhobener Zeigefinger ist, sondern eher ein augenzwinkernder Kommentar des Lieblingsonkels.

Diese kindgerechte Aufbereitung bedeutet aber noch lange nicht, dass sich »Die staubsaugende Schreckschraube« nur für Kinder eigenen würde. Auch erwachsene Leser, speziell jene, die ohnehin schon von Pratchett überzeugt sind, erhalten einen wunderbaren Einblick in die Gedankenwelt des Autors. Einen Einblick, der noch viel greifbarer ist, als es bei seinen späteren Romanen der Fall ist. Er äußert sich (hier kommt wieder das Kindgerechte zum Tragen) vergleichsweise direkt und frei heraus. Zudem ist er leichter auf die reale Welt zu übertragen. Natürlich kommt dabei auch der Humor nicht zu kurz, der immer das Markenzeichen des großen Mannes gewesen ist. Auch dieser fällt natürlich wesentlich kindgerechter aus, sorgt aber auch bei Langzeit-Fans noch für das eine oder andere Schmunzeln.

Stilistisch ist »Die staubsaugende Schreckschraube« zwar keine Herausforderung, doch auch hier gilt der Grundsatz: Löst euch von der Scheibenwelt. Die Schreibweise ist vergleichsweise einfach und ungeschliffen, ohne dabei bemüht und verkrampft zu wirken. Es wird deutlich, dass es sich bei den Geschichten um Frühwerke handelt. Die Art zu erzählen erinnerte mich am ehesten an die Johnny-Maxwell-Trilogie, welche sich ebenfalls an junge Leser richtet und natürlich an »Die Teppichvölker«, welches ebenfalls ein Frühwerk Pratchetts ist. Mit Andreas Brandhorst hat der Piper Verlag auf die bekannte ›deutsche Stimme‹ Sir Terrys zurückgegriffen, was man natürlich merkt. Der Text liest sich rund und stimmig, auch wenn die von Brandhorst angesprochenen kleinen Lücken in der Logik auffallen – und das Buch gleich noch einmal sympathischer werden lassen.

Ein Highlight ist auch die optische Aufmachung des Buches. Auch hier erkennt man in den großen Zeilenabständen und den mäßig mit Text bestückten Seiten, welche Zielgruppe der Autor einst im Blick hatte. Aber »Die staubsaugende Schreckschraube« erfüllt auch genau die Erwartungen, die man an die Optik von Pratchetts Romanen hat. Opulent und ins Auge fallend, nicht dieser langweilige und hässliche generische Kram, in dem die Neuauflagen der Scheibenwelt daher kommen. Dazu die tollen Illustrationen des Briten Mark Beech, die zu den Geschichten ebenso gut passen wie Paul Kidbys Original-Entwürfe zur Scheibenwelt.

Fazit:

9»Die staubsaugende Schreckschraube« ist eine Empfehlung für jeden Pratchett-Leser, der gerne einen noch tieferen Einblick in Sir Terrys Weltbild erhalten möchte. Und für jeden, der seine schriftstellerische Entwicklung möglichst lückenlos nachvollziehen möchte. Außerdem ist es eine Empfehlung für Eltern, die ihren Kids eine gesunde literarische Früherziehung zukommen lassen möchten ;-). Ich für meinen Teil fand es klasse, diesen ›anderen‹ Pratchett kennenlernen zu können.

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.

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