Tad Williams – Die Hexenholzkrone

OT: The Witchwoodcrown 2
Hardcover: 550 Seiten
Verlag: Klett-Cotta
Übersetzung: Cornelia Holfelder-von der Tann und Wolfram Ströle

Der letzte König von Osten Ard, Band 1, 2. Teil

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Klappentext:

Die Nornenkönigin streckt ihre Hand nach der sagenumwobenen Hexenholzkrone aus und der Schatten eines aufziehenden Krieges legt sich über Osten Ard. Da wird eine Gesandte der Sithi, die mit einer Nachricht für König Simon und Königin Miriamele unterwegs war, schwer verwundet im Wald nahe dem Palast gefunden. Und ein Attentat auf einen alten Gefährten innerhalb der Palastmauern sorgt für noch größere Unruhe. Der Angreifer erwähnt immer wieder die Morriga, eine uralte Kriegsgöttin.

Um mehr über die Bedrohung durch die Nornen herauszufinden, schickt das Thronpaar schweren Herzens Prinz Morgan zu dem Volk der Sithi. Wird er wohlbehalten zurückkehren von seiner Mission? Ist ein Krieg gegen die Nornen noch abzuwenden? Und was hat es mit den Gerüchten um das Erwachen der Morriga auf sich? Und nicht zuletzt ist da noch das Versprechen, das Simon und Miriamele ihrem alten Freund Herzog Isgrimnur auf dem Sterbebett gegeben haben …

© Klett-Cotta

Tad Williams zählt zu den großen Namen der modernen Fantasy-Literatur, der sich mit seinem Osten-Ard-Zyklus in den Augen vieler Genrefreunde auf eine Stufe mit dem großen J.R.R. Tolkien stellen konnte. Dementsprechend war die Freude groß, als er eine Fortsetzungstrilogie ankündigte, dessen erster Band, »Die Hexenholzkrone«, so umfangreich ausgefallen ist, dass er als Zweiteiler erschienen ist. Den ersten Band habe ich vor einiger Zeit an dieser Stelle besprochen, nun geht es mit dem zweiten Teil weiter.

Es sei gleich gesagt, dass sich »Die Hexenholzkrone 2« nicht zum Einstieg in die neue Trilogie eignet. Der erste Roman endete unvermittelt und mitten in der Geschichte, dementsprechend steigt das zweite Buch ebenso direkt dort wieder ein. Wer sich also auf »Der letzte König von Osten Ard« einlassen möchte, sollte unbedingt mit dem ersten Band starten. Der ist Pflichtprogramm, die Vorgängerreihe hingegen muss man nicht zwangsläufig gelesen haben, um mit den Büchern Spaß haben zu können. Wer also brav nachgeholt hat, wird auch hier mit einer Geschichte verwöhnt, die von ihrer sehr dichten Atmosphäre lebt. Der Spannungsbogen wird langsam, aber stetig aufgebaut, und deutet ganz klar darauf hin, dass noch mehr kommen wird. Mancher Leser mag das als zu langsam und langatmig empfinden, jedoch nimmt »Die Hexenholzkrone 2« vor allem zum Ende hin deutlich an Fahrt auf und zeugt davon, dass man sich erst am Anfang von etwas ganz Großem befindet. Es ist also ein gewisses Durchhaltevermögen gefragt, wenn man wirklich Spaß mit dem Buch haben will.

Die Charaktere sind, wie schon im ersten Band, sehr gut ausgestaltet und leben von der in der ersten Osten-Ard-Trilogie aufgebauten Hintergrundgeschichte, auf welche auch dieses Buch immer wieder Bezug nimmt. Wie gesagt, zwingend gelesen haben muss man »Das Geheimnis der Großen Schwerter« nicht, aber nach meinem Eindruck geht dadurch viel vom »Willkommen zuhause«-Gefühl verloren, welches sich schon einstellt, wenn man lediglich den unmittelbaren Vorgänger »Das Herz der verlorenen Dinge« kennt. Interessant ist auch die Entwicklung der einzelnen Charaktere, insbesondere da der Leser so manch fiese Überraschung präsentiert bekommt, wenn er die eine oder andere Figur gerade ins Herz geschlossen hat. »Die Hexenholzkrone 2« setzt hier auf persönliche Motivationen und Charakterzüge, die sich erst mit der Zeit offensichtlich werden und sich zu entfalten beginnen – was nicht zwangsläufig etwas Positives bedeutet, zumindest in Hinsicht auf die zunächst recht schnell verteilten Sympathiepunkte.

Stilistisch ist klar, warum Williams oft in einem Satz mit Tolkien genannt wird. Ähnlich wie dem alten Herrn der Fantasy ist es ihm gelungen, mit seinem Osten-Ard-Zyklus eine Welt zu schaffen, die so weitläufig und allumgreifend ist, dass sich nur wenige Fantasy-Universen mit ihr messen können. Wunderbar ausgearbeitet und dabei in einer modernen und leicht verständlichen Sprache präsentiert, die dabei jedoch nie zu lapidar und umgangssprachlich wird. Für die Eindeutschung zeichnen erneut Cornelia Holfelder-von der Tann und Wolfram Ströle verantwortlich, wodurch beide Bände der »Hexenholzkrone« natürlich wie aus einem Guss wirken.

Fazit:

»Die Hexenholzkrone 2« macht im Wortsinn da weiter, wo der Vorgänger aufgehört hat. Für Neueinsteiger ist das Buch dadurch natürlich denkbar ungeeignet, Leser des ersten Bandes hingegen werden auf ganzer Linie zufrieden sein. Die Geschichte wird langsam, aber unaufhaltsam vorangetrieben, die Figuren entwickeln sich sichtbar weiter und zeigen gänzlich unerwartete Charakterzüge. Und über allem schwebt wie ein düsteres Fallbeil die Bedrohung durch die Nornen, die einen Konflikt ankündigt, der nur darauf wartet, ausbrechen zu können. Ganz große Erzählkunst, von der man allerdings nicht erwarten sollte, dass sie übermäßig actionreich daherkommt und die Story im Sprint herunterrattert.

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.