Tad Williams – Die Hexenholzkrone

OT: The Last King of Osten Ard 1, The Witchwood Crown
Hardcover: 800 Seiten
Verlag: Klett-Cotta
Übersetzung: Cornelia Holfelder-von der Tann und Wolfram Ströle

Der letzte König von Osten Ard, Band 1

Mehr zum Buch auf der Verlagshomepage

Klappentext:

Osten Ard ist in Aufruhr. Seit 30 Jahre regieren König Simon und Königin Miriamel mit Weisheit und Güte über ihr Land. Doch die dunklen Mächte sammeln sich um die Nornenkönigin und wollen sich Osten Ard untertan machen.

Vor allem Prinz Morgan ist in Gefahr, denn die Feinde wollen seine Thronbesteigung verhindern und selbst die Macht erlangen. Da ruft König Simon seine alten Freunde zu Hilfe, und Binabiq, Aditu, Jiriki und Jeremias treten gemeinsam mit ihm gegen die Nornen und andere Widersacher an. Wird es einen gerechten Kampf geben? Können die Freunde Osten Ard verteidigen? Und wird Prinz Morgan unversehrt aus der Schlacht zurückkehren?

© Klett-Cotta

Kritik:

Die Freude unter seinen Lesern war groß, als Tad Williams ankündigte, dass er doch noch einmal nach Osten Ard zurückkehren würde. Den ›Zwischenstop‹ zwischen den beiden Reihen, »Das Herz der verlorenen Dinge« habe ich inhaliert und dementsprechend hoch waren auch meine Erwartungen an den eigentlichen Auftakt, »Die Hexenholzkrone«.

Und tatsächlich gelingt es Williams schnell, den Leser in seine Welt hineinzuziehen. Man muss sich keine Sorgen machen, wenn man die bisherigen Romane nicht kennt, seine Welt erklärt das Buch quasi im Vorbeigehen, glücklicherweise ohne dabei die eigene Story aus dem Auge zu verlieren. Es muss allerdings ganz deutlich gesagt werden, dass sich der Autor eine Menge Zeit nimmt, um die Charaktere einzuführen und deren Hintergründe und persönliche Geschichten zu beleuchten. Daraus resultiert, dass »Die Hexenholzkrone« nicht zu jeder Zeit mit einem Höchstmaß an Spannung und Action daherkommt, sondern insgesamt eher ein gemächliches Tempo an den Tag legt. Das macht aber nichts, denn gerade durch diesen langsamen Aufbau der Bedrohung, auf welche die Welt zuzusteuern beginnt, entsteht eine sehr spezielle Atmosphäre, die nicht nur dicht ist, sondern den Geschehnissen in Osten Ard absolut gerecht wird. Der Leser wird also nicht in eine vom Krieg überzogene Welt geworfen, sondern geht zusammen mit den Protagonisten Schritt für Schritt auf den Abgrund zu.

Die Protagonisten sind dann auch das passende Stichwort. Man merkt deutlich, dass Williams hier eine Menge Arbeit hineingesteckt hat, denn er versucht sehr geschickt und erfolgreich, die Lücke von 30 Jahren, über die er auch bereits in unserem Interview sprach, zu füllen, ohne das Hier und Jetzt aus den Augen zu verlieren. Das Resultat sind Akteure, die man nicht nur oberflächlich betrachtet, sondern sie stattdessen wirklich kennenlernt. Auch das mag im Endeffekt zwar der Einsteigerfreundlichkeit geschuldet sein, ändert aber nichts an der Tatsache, dass es sehr gut funktioniert und den Blick für die Vielschichtigkeit jeder einzelnen Figur öffnet. Es gibt keine reine Schwarz-Weiß-Zeichnerei, stattdessen wird deutlich, dass hinter jedem Charakter komplexe Beweggründe und eigene Motivationen stehen, die verhindern, dass »Die Hexenholzkrone« in Figurenklischees versinkt.

Williams Stil zu beschreiben ist schwer, denn auf der einen Seite ist es doch ziemlich klassischer High-Fantasy-Sprech, der dem Leser präsentiert wird. Auf der anderen wird aber stellenweise eine recht moderne Ausdrucksweise verwendet, die jedoch nicht immer ganz stimmig zu den Ereignissen und der restlichen Mundart passen mag. Allerdings sind das nur kleine Ausreißer, die den Lesefluss nicht merklich stoppen und die Lokalisierung von Cornelia Holfelder-von der Tann und Wolfram Ströle nicht minder lesenswert machen.

Fazit:

Meine hohen Erwartungen wurden erfüllt, wenn auch etwas anders, als ich es mir erhofft hatte. Wo »Das Herz der verlorenen Dinge« ein flotter und spannungsgeladener Zwischenband war, ist »Die Hexenholzkrone« zumindest im ersten Band verhältnismäßig ruhig ausgefallen. Das stellenweise fehlende Tempo wird aber durch die wahnsinnig gelungene Charakterausarbeitung und die stetig bedrohlicher werdende Atmosphäre mehr als aufgehoben. Tad Williams schafft es in seinem neusten Werk, den Leser live in eine langsam, aber unaufhaltsame Katastrophe zu führen, die Großes für die folgenden Bände des »Letzten König von Osten Ard« verspricht.

Tad Williams ist im Zug der Veröffentlichung des neuen Osten-Ard-Zyklus ab dem 10.10.2017 auf Lesereise in der Schweiz und Deutschland. Die genauen Termine entnehmt ihr am besten der Homepage von Klett-Cotta.

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.

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