OT: End of Watch

Gebundene Ausgabe: 528 Seiten
Verlag: Heyne

Übersetzung: Bernhard Kleinschmidt

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Bill Hodges-Reihe, Band 3

Klappentext:

In Zimmer 217 ist etwas aufgewacht. Etwas Böses. Brady Hartsfield, verantwortlich für das Mercedes-Killer-Massaker mit vielen Toten liegt seit fünf Jahren in einer Klinik für Neurotraumatologie im Wachkoma. Seinen Ärzten zufolge wird er sich nie erholen. Doch hinter all dem Sabbern und In-die-Gegend-Starren ist Brady bei Bewusstsein – und er besitzt tödliche neue Kräfte, mit denen er unvorstellbares Unheil anrichten kann, ohne sein Krankenzimmer je zu verlassen. Ex-Detective Bill Hodges, den wir aus Mr. Mercedes und Finderlohn kennen, kann die Selbstmordepidemie in der Stadt schließlich mit Brady in Verbindung bringen, aber da ist es schon zu spät.

Kritik:

Mit „Mr. Mercedes“ hat Stephen King (wieder einmal) die Fangemeinde gespalten. Die einen verdammten ihn dafür, einen ganz normalen Thriller geschrieben zu haben. Fern ab von Horror und übersinnlichem. Die anderen, zu denen auch ich mich zähle, fanden diese gänzlich untypische Geschichte klasse, habe auch den Nachfolgeband „Finderlohn“ inhaliert und voller Spannung auf den Abschluss der Hodges-Trilogie gewartet. Hier ist „Mind Control“ nun.

Gleich vorab: Der Klappentext verrät meiner Meinung nach viel zu viel über den Inhalt der Geschichte. Zu viel des Überraschungsmoments wird genommen, den das Buch beim Leser hätte erzeugen können. Auf der anderen Seite war man allerdings so auch vorgewarnt, dass King den Abschluss der Reihe in eine etwas andere Richtung laufen lassen wird. Und hier liegt für mich dann auch das größte Problem. Ich mochte die Art, in der die ersten beiden Bücher verfasst waren. „Mind Control“ verfolgt diesen Weg zwar zum Teil auch, dreht aber etwa ab 110 Seiten in Richtung Übersinnlich ab. Eben diese Wendung konnte mich dann auch bis zum Schluss nicht so richtig überzeugen, sondern wirkte stellenweise, als ob sie nur dazu gedacht wäre, Hodges Nemesis am Leben zu erhalten. Das ist natürlich jetzt in erster Linie mein persönlicher Geschmack und ändert nichts daran, dass es King gelungen ist, seinem Roman ein konstant hohes Spannungslevel zu verpassen. Die Krimi-/ Thrillerwurzeln, die die Bill Hodges-Reihe hat, werden aber glücklicherweise nicht gänzlich verlassen. Weite Teile des Romans folgen immer noch dem Schema der Vorgänger. Das Finale setzt dann in Sachen Spannung noch einen oben drauf, ist sehr temporeich und hat es wieder mal geschafft, mich sprichwörtlich direkt an der Kehle zu packen.

Die Charaktere seiner Bücher gelten schon lange als Kings größte Stärke, was er auch in „Mind Control“ wieder unter Beweis stellt. Besonders im Hinblick auf die komplette Reihe kann man eine groß angelegte, glaubwürdige und sehr interessante Figurengestaltung beobachten. Im Laufe der Jahre altern die Akteure um 6 Jahre; die Sprünge merkt man ihnen in jedem Band aufs Neue an. Die Entwicklung ist glaubwürdig, egal wen man hierbei genauer betrachtet. Besonders Hodges macht dabei das Alter dieses Mal sehr zu schaffen, wenn auch nicht ausschließlich auf Grund normaler Alterserscheinungen. Das sorgt für zusätzliche Dramatik und schlägt sich im Finale ordentlich nieder. Genial finde ich auch den Einfall, eine Nebenfigur aus den ersten beiden Bänden mit einem Fingerschnipsen in eine tragende Rolle zu hieven – und das auch noch so glatt über die Bühne zu bringen, dass man sich eigentlich nichts anderes vorstellen kann, als ob das von der ersten Seite in „Mr. Mercedes“ an Kings Plan gewesen wäre.

Stilistisch muss man über Stephen King nicht viele Worte verlieren. Wo seine frühen Romane noch wild, ungeschliffen und mitunter sehr bissig ausgefallen sind, lässt sich seit einigen Jahren eine deutlich glattere Schreibweise feststellen. Dabei lässt sie aber die Stärken nicht vermissen. Die Fähigkeit, Bilder im Kopf des Lesers zu erschaffen und Charaktere aus dem Handgelenk zu schütteln, die echt und lebendig wirken. Sicherlich hat in der deutschen Fassung Bernhard Kleinschmidt seinen Teil dazu beigetragen, denn seine Übersetzung liest sich flüssig und rund.

Fazit:

Mind Control“ lässt mich etwas zwiegespalten zurück. Auf der einen Seite finden sich alle Stärken der Vorgängerromane wieder. Bodenständige, glaubhafte Figuren, ein konstant hohes Spannungslevel und eine lebendige Erzählweise. Leider kann ich mich mit dem übernatürlichen Part nicht anfreunden. Er wirkt streckenweise arg aufgesetzt und als notwendiges Übel eingebaut, um Brady Hartfield weiter in der Geschichte zu halten. Alles in allem überwiegen jedoch die starken Seiten, weswegen man das Buch immer noch als guten Abschluss für die Hodges-Reihe sehen kann.

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Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.

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