ist fat bob schon totStephen Dobyns – Ist Fat Bob schon tot?

OT: Is Fat Bob Dead Yet?
Hardcover: 464 Seiten
Verlag: C. Bertelsmann
Übersetzung: Rainer Schmidt

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Klappentext:

Connor Raposo wird zufällig Zeuge eines grässlichen Unfalls: Ein Motorradfahrer ist gegen einen Laster geprallt, die Identifizierung gestaltet sich schwierig. Ist der Tote tatsächlich Robert »Fat Bob« Rossi? Und war es tatsächlich ein tragischer Unfall? Kurz darauf überschlagen sich die Ereignisse, Morde geschehen, Leute verschwinden, die Polizei tritt auf den Plan – und mittendrin Connor, der von einer aberwitzigen Situation in die nächste stolpert, bis ihm dämmert, dass man auch hinter ihm her ist. Mit umwerfender Situationskomik und lakonischen Dialogen jagt Stephen Dobyns seine Helden durch eine höchst raffinierte Krimigeschichte, die in einem so furiosen wie unerwarteten Showdown mündet. Ein Lesevergnügen für alle Freunde des schrägen Humors.

© C. Bertelsmann

Kritik:

Schräger Humor? Na da  bin ich doch dabei. Vor allem, wenn dann auch noch das Cover des Buchs mich auf Anhieb so anspringt, wie es bei “Ist Fat Bob schon tot?” der Fall gewesen ist. Gut, manchmal fällt man bei solchen Schnellschüssen halt auch mal auf die Nase, denn bei Stephen Dobyns war nicht alles so, wie ich es erwartet habe.

Dabei ist die Geschichte als solches nicht einmal uninteressant. Vom Start weg verwickelt “Ist Fat Bob schon tot?” den Leser in eine schier endlose Aneinanderreihungen von Zufällen, Missgeschicken und Irrtümern. Daraus entsteht eine Story, die so unwahrscheinlich ist, dass man sie tatsächlich vor allem als schräg und abgefahren bezeichnen kann. Glücklicherweise verliert Dobyns dabei aber das Ziel nicht (gänzlich) aus den Augen. Der Roman vergisst nicht, einen interessanten Spannungsbogen aufzubauen. Leider verliert sich dieser aber stellenweise in den vielen Details, die letztlich nicht viel mit der Geschichte zu tun haben, sodass sich das Buch an manchen Stellen schon deutlich zieht. Das ist etwas schade, denn bietet die titelgebende Frage in Verbindung mit den verqueren Ereignissen eine Menge mehr Potenzial, welches so aber doch gerne mal ungenutzt verpufft. Die Atmosphäre des Romans läuft analog zur Erzählweise und lebt zu großen Teilen von ihr. So unwahrscheinlich die Geschehnisse rund um Fat Bob und seine Fat Bobs sind, so abgefahren ist auch die Stimmung des Buches. Einige Wendungen sorgen dafür, dass der Leser immer wieder von der richtigen Spur abgelenkt wird und verleihen dem Roman einen gewissen Reiz.

Abgefahren trifft auch, zumindest im weitesten Sinne, auf die Charaktere des Buches zu. “Ist Fat Bob schon tot?” weicht weitestgehend von den im Krimigenre üblichen Klischees ab und präsentiert sie in erster Linie dann, wenn man es gut und gern auch als Persiflage sehen könnte. Allerdings fehlt ihnen dazu dann in letzter Instanz doch der Humor und der Biss. Deutlich wird das besonders bei den Gesprächen zwischen den beiden ungleichen Cops Vikström und Streeter. Die beiden können sich wegen ihrer unterschiedlichen Ansichten zu Karaoke-Abenden so gar nicht auf den Pelz schauen und nutzen jede Gelegenheit, um dem jeweils anderen eine hübsche Spitze vor den Bug zu knallen. Nun ja, “hübsch” ist vielleicht etwas freundlich ausgedrückt, denn so reizvoll der Konflikt auch zu Beginn des Romans sein mag, so nervig wird er spätestens ab der Hälfte, weil er sich tatsächlich durch jede einzelne Szene zieht und oftmals auch zu sehr im Mittelpunkt steht. Ähnlich läuft es bei Connor und dem “Familiengeschäft”, in dem er tätig ist. Zwar ist der Kerl durchweg sympathisch, seine (Nicht-)Fixierung auf die Brüste seiner Mitbewohnerin oder die ewig gleiche Herunterleierei über die Grundsätze des Business werden aber irgendwann ermüdend.

Schriftstellerisch kann man sich über Stephen Dobyns nicht beklagen. Zumindest nicht, wenn man sich erstmal an die vergleichsweise ungewöhnliche Erzählweise gewöhnt hat. Sie ist sehr detailverliebt. Auf der einen Seite sorgt das natürlich dafür, dass man sich ein sehr gutes Bild der Akteure machen kann. Die andere Seite ist jedoch, dass der Erzähler sein Augenmerk oftmals auf Dinge richtet, die für den Verlauf der Geschichte absolut irrelevant sind und mehr wie (unnötiges) Füllmaterial wirken. Dazwischen, mit Fixierung auf die Story selbst ist Dobyns jedoch ein großartiger Erzähler. Allerdings sind die Werbeversprechen nicht wirklich gehalten worden. Lakonisch? Ja, das ist “Ist Fat Bob schon tot?” definitiv. Aber voll mit schrägem Humor? Hmm, ja. Dann und wann zumindest. Eher selten. Von voll würde ich also in diesem Punkt nicht unbedingt sprechen wollen.

Fazit:

6»Ist Fat Bob schon tot?” hätte das Zeug dazu gehabt, es in meiner Favoritenliste ganz weit nach vorn zu bringen. Die abgefahrenen Figuren und die wendungsreiche Geschichte wären jedenfalls dazu angetan gewesen. Auch die mitunter fast schon bizarre Atmosphäre hat mir eigentlich gut gefallen. Aber, und das fehlt mir nach dem Klappentext auf jeden Fall, den schrägen Humor habe ich doch sehr vermisst. Auch die ständig wiederkehrenden Erzählelemente hätte man sicherlich noch einmal etwas minimieren können. Aber man kann ja nicht alles haben. Würde man mich fragen, würde ich Stephen Dobyns sicherlich noch eine zweite Chance geben.

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.

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