Taschenbuch: 198 Seiten
Verlag: Amrûn

Mehr zum Buch auf der Verlagsseite

Klappentext:

Dem Journalisten Mark Dorn bietet sich die einmalige Gelegenheit, einen Serienkiller auf der Jagd zu begleiten. Doch die Sache eskaliert. Plötzlich klebt auch an Marks Händen Blut. Kann er den mordenden Unmenschen noch aufhalten? Will er es überhaupt?

Kritik:

Sönke Hansen war mir bislang nur durch seine durchaus gelungene Novelle “Roadkill” ein Begriff. Dementsprechend gespannt war ich natürlich auch ob der Ankündigung, dass sein erster Roman in Vorbereitung sei – und auch ein kleines bisschen verwundert, als eben jener sich nicht als eine blutige Horrormär vorstellte, sondern nominell auf Thriller-Pfaden wanderte. Aber gut, die Dinger liegen mir ja auch, also musste ich dem Buch natürlich einen Durchlauf gönnen.

Gleich von Beginn an muss ich sagen, dass mich “Unmensch” schnell in seinen Bann gezogen hat. Hansen gelingt es gekonnt, einen Spannungsbogen aufzubauen, der nicht viel Anlauf benötigt, sondern direkt in Fahrt aufnimmt und in einer steilen Kurve nach oben geht. Die Geschichte um den Journalisten Mark ist an vielen Stellen erschreckend realistisch und so mancher Leser mag sich sicherlich mit der Frage konfrontiert fühlen, ob das Handeln von Killer Gerrit nicht vielleicht doch aus einem verschrobenen Gerechtigkeitssinn her rührt. Moralisch alles andere als korrekt spielt der Autor mit der Frage “Hat der Typ das nicht vielleicht doch irgendwie verdient?” Das regt zum Nachdenken an und verleiht “Unmensch” damit noch einen Tick mehr Härte als es die (ohnehin schon reichlich vorhandene) grafische Gewalthaltigkeit des Romans vermag. Das wusste zu gefallen, weil es doch mal etwas anderes ist als der typische “Bulle jagt Killer”-Krimi. Zwar muss ich gestehen, dass der Twist in der Mitte des Romans nicht ganz so überraschend und unvorhersehbar gewesen ist, wie es vielleicht Hansens Intention gewesen sein mag, er funktioniert aber trotzdem gut, weil die Geschichte ab diesem Zeitpunkt aus einem anderen Blickwinkel erzählt wird und damit nichts von ihrer Spannung einbüßt, sondern sich einfach gesagt verändert. Leider kann ich an dieser Stelle nicht intensiver auf diesen Punkt eingehen, da es einem interessierten und potenziellen Leser doch viel Lesespaß nehmen würde. Es soll einfach gesagt sein, dass das Buch von der ersten bis zur letzten Seite gut aufgebaut ist, eine Menge spannende Unterhaltung und eine durchweg actiongeladene und tolle Atmosphäre bietet.

Die in “Unmensch” gebotenen Charaktere sind überzeugend. Mark Dorn wirkte auf mich in seiner Karriere zwar etwas überzeichnet, dieses kleine Manko verläuft sich aber im Lauf der Geschichte immer mehr, je weiter auf seinen persönlichen Background eingegangen wird. Eine zerrissene Person, die in jüngster Vergangenheit eine Menge persönliche Rückschläge hinnehmen musste wirkt halt alles in allem deutlich glaubwürdiger als ein Superheld – den man hier definitiv vergeblich sucht. Auch Antagonist Gerrit ist, bei aller Bösartigkeit, doch nachvollziehbar und gut geschrieben. Der Autor hat bis hin zu den Nebenfiguren ein gutes Händchen für Charaktere bewiesen, die Beziehungen untereinander – und die Zweifel an diesen – gut ausgearbeitet und schafft es dabei gleich im Vorbeigehen, auch hier wieder Fragen aufzuwerfen. Wie weit darf Loyalität gehen, wo sollte eine Freundschaft aufhören? Sehr gut.

Auch stilistisch kann man gegen Sönke Hansen nichts sagen. “Unmensch” ist zwar locker geschrieben, kann jedoch nicht als anspruchslos bezeichnet werden. Das Mischverhältnis aus Brutalität, Zugänglichkeit und nicht zuletzt einem gewissen Anspruch ist sehr ausgewogen und sorgt dafür, dass der Roman gut flutscht. Was will man sich also beschweren?

Fazit:

“Unmensch” ist ein Debütroman, der es in sich hat. Eine frische, spannende Idee die gut umgesetzt sehr ansprechend präsentiert wird. On the top gibt es ein schickes Cover als Eyecatcher. Knappe 200 Seiten spannende Unterhaltung, die wieder einmal beweist, dass es nicht immer King, Brown oder Patterson sein muss. Ein deutscher Jungautor in einem deutschen Kleinverlag – die Qualität stimmt trotz (oder vielleicht gerade wegen) dieser Voraussetzungen trotzdem. Reinlesen!

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.