Sebastian Fitzek – AchtNacht

Taschenbuch: 416 Seiten
Verlag: Drömer-Knaur

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Klappentext:

Es ist der 8. 8., acht Uhr acht.
Sie haben 80 Millionen Feinde.
Werden Sie die AchtNacht überleben?

Stellen Sie sich vor, es gibt eine Todeslotterie.
Sie können den Namen eines verhassten Menschen in einen Lostopf werfen.
In der „AchtNacht“, am 8. 8. jedes Jahres, wird aus allen Vorschlägen ein Name gezogen.
Der Auserwählte ist eine AchtNacht lang geächtet, vogelfrei.
Jeder in Deutschland darf ihn straffrei töten – und wird mit einem Kopfgeld von zehn Millionen Euro belohnt.

Das ist kein Gedankenspiel. Sondern bitterer Ernst.
Es ist ein massenpsychologisches Experiment, das aus dem Ruder lief.
Und Ihr Name wurde gezogen!

© Drömer-Knaur

Kritik:

Mit Sebastian Fitzek verbindet mich eine Art Hassliebe. Während mir manche seiner Bücher wahnsinnig gut gefallen haben, gab es auch einige Enttäuschungen. Zuletzt hat mir »Abgeschnitten«, eine seiner Zusammenarbeiten mit Michael Tsokos, den Autoren für lange Zeit versaut. »AchtNacht« habe ich schließlich nur gelesen, weil es ein Geburtstagsgeschenk gewesen ist. Die Nähe zu Filmen wie »Running Man« oder »The Purge« war mir für einen Spontankauf zu groß.

Glücklicherweise kann man aber an dieser Front eine Entwarnung geben. Ja, auf den ersten Blick scheint der Roman tatsächlich sehr eng mit den beiden Vorlagen verwandt zu sein. In der Praxis bleibt es zumeist bei diesem ersten Blick. »AchtNacht« spielt geschickt mit den Settings der Inspirationsgeber, wandelt sie aber deutlich ab und gewinnt dadurch ein gesundes Maß an Eigenständigkeit. Parallelen wird man als Kenner der Filme zwar noch an mancher Stelle entdecken, was aber insgesamt kaum stört. Fitzek erzählt seine Geschichte letztlich anders und macht aus der Menschenjagd (was übrigens der deutsche Titel der Romanvorlage zu »Running Man« aus der Feder von Stephen King ist) ein geschicktes Spiel um Wahrheiten, Vermutungen und Verdachtsmomente. Sie verleihen der Story einen sehr spannenden Verlauf mit viel Rätselraten um die Hintergründe von Bens Nominierung. Das sorgt zugleich dafür, dass die Atmosphäre wunderbar düster und verzweifelt erscheint. Zusammen mit der überraschenden Plotauflösung kann die Geschichte ruhigen Gewissens als gelungen betrachtet werden. Das Nachwort sollte man in diesem Fall unbedingt lesen. Es sorgt dafür, dass man sich näher mit Fitzeks Gedanken zur Geschichte beschäftigt und seine eigenen um zwei zentralen Fragen kreisen lässt: »Was wäre, wenn es mich treffen würde?« und, noch viel wichtiger, »Was wäre, wenn jeder einen anderen Menschen für diese Treibjagd nominieren könnte?« Dieser Effekt wirkt in diesem Fall noch viel stärker nach als in »The Purge«. Wo dort ziellose Gewalt und Chaos herrschen, ist der Roman deutlich zielgerichteter und konkreter.

Die Figuren tragen ebenfalls ihren Teil zum Gelingen der Geschichte bei. Man hat es auf den ersten Blick mit zwei völlig normalen Menschen zu tun, die in eine Situation geworfen werden, die unvorstellbar und unüberschaubar ist. Besonders bei Ben Rühmann wird diese Wirkung i sehr intensiv deutlich. »AchtNacht« vermittelt ein gutes Gefühl dafür, was in ihm vorgeht, was ihn antreibt und wie diese Hetzjagd einen Menschen an seine Grenzen führen kann. Das ist nachvollziehbar und bodenständig oder kurz gesagt: überzeugend. Ihm zur Seite stellt Fitzek die junge Studentin Arezu Herzsprung. Die Story webt einen Mantel des Unnahbaren und Undurchsichtigen um sie herum. Sie lässt den Leser lange darüber im Unklaren, mit was für einem Menschen er es zu tun hat. Ebenso lange dauert es, bis man einen Einblick bekommt, wieso sie zur »AchtNacht« nominiert wurde. Ihr sind auch diverse Aha-Momente zu verdanken, welche dem Buch nach und nach etwas Greifbareres und Nachvollziehbares verleihen. Das funktioniert wunderbar und lässt die Akteure angenehm rund wirken.

Wie ich bereits sagte, kann ich nicht mit jedem Fitzek etwas anfangen. Das liegt allerdings nicht an seiner Art zu schreiben. »AchtNacht« liest sich insgesamt absolut rund und ist gut zugänglich. Es setzt auf ein hohes Tempo, räumt dem Leser aber auch genügend Verschnaufpausen ein, um die Geschehnisse und Erkenntnisse, die er im Lauf der gut 400 Seiten gewinnt, zu verarbeiten. Handwerklich kann man Sebastian Fitzek keinen Vorwurf machen.

Fazit:

»AchtNacht« gehört für mich ganz eindeutig zu den stärkeren Romanen aus Sebastian Fitzeks Feder. Ja, die Nähe zu den bekannten Vorlagen schreckte mich zunächst ungemein ab. Insgesamt lässt sich aber sagen, dass das Buch einen (über weite Strecken) komplett anderen Weg einschlägt. Es beschäftigt sich mehr mit der Psyche der Gejagten als mit der Jagd selbst. Dieser wird aber in vielen tempo- und actionreichen Passagen ebenfalls genug Platz eingeräumt, um sich gut zu entfalten und ein gehöriges Maß an Thrill zu verbreiten. Zusammen mit der düsteren und oft verzweifelten, Atmosphäre sowie der gelungenen Figurenzeichnung ist die Story eine runde, lesenswerte Sache. Sie hat mich vorerst wieder mit Fitzek versöhnt.

Hat euch die Nähe zur „The-Purge“-Reihe auch davon abgehalten? Oder seid ihr ohnehin Blindkäufer, wenn es um Sebastian Fitzek geht? Lasst uns eure Meinung noch in den Kommentaren da.

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.

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