Sam Millar – Black’s Creek

engl. Originalausgabe
Taschenbuch: 320 Seiten
Verlag: Brandon Ireland

Mehr zum Buch auf der Verlagshomepage

Klappentext:

A young boy drowns in a tragic accident in a lake in upstate New York. Fourteen-year-old year old Tommy and his two friends are sure they know who drove him to take his own life and take things into their own hands.

© Brandon Ireland

Kritik:

Obwohl Sam Millar unter dem Ruf steht, Irlands kontroversester Autor zu sein, hat er sich im Interview und in der immer wieder mal stattfindenden Kommunikation als ein freundlicher und umgänglicher Gesprächspartner gezeigt. Leider sind die meisten seiner Veröffentlichungen auf dem deutschen Markt nicht erhältlich, weswegen ich mir seinen Jugendthriller »Black’s Creek« im englischen Original gegeben habe.

Die Stärken, die seine Karl-Kane-Romane durchweg an den Tag legen, finden sich auch hier wieder. Millar versteht sich gut darauf, von Beginn an eine düstere Atmosphäre aufzubauen, welche sich von der ersten Seite an durch das Buch zieht. Anders als bei den Kane-Büchern wird sie in »Black’s Creek« nicht durch ein finster gezeichnetes Belfast erzeugt, sondern durch eine harte Geschichte, die – insbesondere durch das Alter der Protagonisten – noch brutaler wirkt, als es bei den anderen Büchern des Herrn aus Irland der Fall ist. Trotz dem im Vordergrund stehenden Verbrechen kommen im Roman die Coming-of-Age-Elemente nicht zu kurz. Millar zeigt, dass er nicht nur Crime kann, sondern in der Lage ist, sich in das Denken und die Gefühlswelt von jungen Menschen hineinzuversetzen. Unter diesem Aspekt ist gut nachzuvollziehen, warum »Black’s Creek« in den USA so erfolgreich gewesen ist. Der Spannungsbogen bewegt sich auf einem konstant hohen Niveau, was sich auch darauf zurückführen lässt, dass der Leser bis zum Schluss konsequent an der Nase herumgeführt wird. Wer die Auflösung erfahren will, muss sich tatsächlich bis kurz vor den Epilog gedulden.

Die Figuren sind immer eine von Millars starken Seiten gewesen. »Black’s Creek« bildet da keine Ausnahme, insbesondere da die Figuren sich grundlegend von seinem Serienhelden Karl Kane unterscheiden. Im Verlauf der Geschichte bekommt man als Leser einen tiefen Einblick in die Gefühlswelt der jugendlichen Protagonisten. Der Roman zeichnet sie realistisch und bodenständig und verzichtet auf pures Gut und reines Böse. Alles, was dem Leser vorgesetzt wird, liegt irgendwo dazwischen, wird von eigenen Motivationen angetrieben. Mitunter stellt sich heraus, dass der Autor die Gedanken des Lesers ganz bewusst in eine falsche Richtung laufen lässt, um ihm am Ende eine lange Nase drehen zu können. Gekonnt!

Was den Stil angeht, konnte ich ebenfalls keine Schwachstellen ausmachen. Sam Millar nutzt in »Black’s Creek« seine Fähigkeit, sehr greifbare Bilder im Kopf seiner Leser entstehen zu lassen. Die Sprache ist dabei der eigentlichen Zielgruppe, also Jugendlichen und jungen Erwachsenen, angepasst. Besonders in vielen Gedankengängen Tommys seinen Eltern gegenüber wird vermutlich so ziemlich jeder Leser ein Stück von sich wiedererkennen. Zumindest mir ging es so. Und zwar nicht nur ein Mal.

Fazit:

»Black’s Creek« beweist, dass Sam Millar mehr kann als Hardboiled-Krimis aus Belfast. Sein Young-Adult-Roman weiß in allen Punkten zu überzeugen, auch abseits der US-Leserschaft. Eine stimmige, dichte Atmosphäre, die von einem steilen Spannungsbogen und gelungenen, »echten« Figuren getragen wird sorgen dafür, dass der Roman, obwohl nur auf Englisch verfügbar, binnen weniger Tage durchgeflutscht ist. Super! Nun brauchts nur noch einen Verlag, der die aktuellen Veröffentlichungen nach Deutschland bringt.

Greift ihr lieber zu übersetzten Fassungen, oder bevorzugt ihr Originalversionen?

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.

Letzte Artikel von Sebastian (Alle anzeigen)