Taschenbuch: 288 Seiten
Verlag: Rowohlt Verlag

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Klappentext:

Alt werden – nein danke! Das hat Ralph schon vor über vierzig Jahren mit seinen Freunden Roy und Gonzo beschlossen. Lieber wollen sie freiwillig gemeinsam abtreten. Mit 50, spätestens 60. Und jetzt ist Ralph schon 70, lebt mehr schlecht als recht mit seiner riesigen Plattensammlung und der Zimmerpflanze Evergreen zusammen und hängt den wilden alten Zeiten nach. Er beschließt, seine Jugendfreunde ausfindig zu machen, um mit ihnen den Plan von damals in die Tat umzusetzen. Vorher «befreit» er noch den alten Piet samt Rollstuhl aus dem Seniorenheim, denn der hat das nötige Kleingeld für die Reise. Und die geht erst mal nach Paris …

Kritik:

Es gibt immer wieder diese Bücher, die eigentlich so überhaupt nicht in das typische Beuteschema passen, die auf der anderen Seite aber auch viel zu interessant klingen, um sie links liegen zu lassen. So auch „Am Ende ist noch längst nichts Schluss“ von Safia Monney. Die Geschichte ist fernab jeden Thrills und Horrors, aber der Klappentext wie auch das Cover versprechen eine Menge Spaß. Also mal reingelesen.

Schnell wird dabei klar, dass der Roman tatsächlich seinen ganz eigenen Reiz hat. Der Leser wird zunächst mit Ralph und seiner nicht ausgelasteten Libido bekannt gemacht (im Alter von 70 Jahren ist es schon schlecht, wenn man dauerstoned und zugleich Spitz wie Nachbarins Lumpi auf besagte Nachbarin ist), wie auch mit den Problemen, die dieser Umstand (und die Tatsache, dass Frau Nachbarin der Meinung ist, Ralph gehöre ins Pflegeheim) so mit sich bringt. Daraus entwickelt sich schnell eine stets von einem unterschwelligen Humor getragene, gute Atmosphäre, die mir tatsächlich das Gefühl gegeben hat, an Ralphs Leben teilzuhaben. Sicherlich, man darf nun keine Spannung erwarten, wenn man mit einem Rentnerquartett auf die letzte große Reise geht, die in manchen Punkten sehr stark an den Schweiger-Film „Knockin‘ on Heavens Door“ erinnert, dennoch geht die Motivation zum weiterlesen nie verloren. Während man im Lauf der Geschichte auf Wendungen fast gänzlich zu verzichten hat, kommt zumindest das Ende dann auch überraschend und ließ mich mit einem weinenden und einem lachenden Auge zurück. Nicht so sehr wie „Ein Mann namens Ove“ es geschafft hat, aber immerhin.

Das wichtigste an Safia Monneys Erstling sind definitiv die Figuren. Mit ihren suizidal veranlagten Rentnern hat sie interessante und liebenswerte Charaktere geschaffen, die sich schnell einen Platz im Herzen des Lesers erobern können. „Am Ende ist noch längst nicht Schluss“ präsentiert vier gänzlich unterschiedliche Akteure, die alle ihre Leiden und Zipperlein haben, dabei jedoch nicht wie Jammerlappen wirken. Man ist halt dem Alter angepasst. Die Ausnahme mag hier vielleicht tatsächlich Hauptfigur Ralph sein, der die ganze Geschichte überhaupt erst ins Rollen bringt. Allerdings wird das in seinem Fall durch eine Menge Zynismus und einen latenten Hang zur Misantrophie wieder wett gemacht.

Was erwartet den Leser stilistisch? In erster Linie eine in angenehmem Tempo erzählte Geschichte, die mit viel Humor vorgetragen wird. Dieser Humor äußert sich zwar nicht in einem Gag-Schnellfeuer, passt aber durch die oftmals unterschwellige Art sehr gut zu den Figuren und der Handlung selbst und ist oftmals zumindest leicht philosophisch angehaucht.

Fazit:

Am Ende ist noch längst nicht Schluss“ ist ein Roman, wie es ihn nur selten gibt. Safia Monney erzählt eine Geschichte, die in ihrer Form tatsächlich ein gewisses Innovationspotenzial offenbart, die anfangs noch recht deutliche Nähe zu „Knockin‘ on Heavens Door“ entwickelt sich mit steigender Seitenzahl immer mehr Richtung Eigenständigkeit. Mit einem humorvollen Augenzwinkern vorgetragen ist das Buch eine Empfehlung für alle, die mal einen bodenständigen, zeitgenössischen Roman mit interessanten und ungewöhnlichen Figuren lesen möchten. Ich hatte meinen Spaß mit den vier Herren im Herbst ihres Lebens.

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.

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