ed ist totRussel D. McLean – Ed ist tot
OT: Ed’s dead

Taschenbuch: 280 Seiten
Verlag: Golkonda
Übersetzung: Claudia Feldmann

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Klappentext:

Jen Carter ist eine Prosecco liebende Buchhändlerin, die gerade ihren Traum von der Schriftstellerei an den Nagel gehängt hat, genauso wie ihren chaotischen Freund (oder eher Ex) Ed.

Als Jen eines Abends einen unerwünschten Eindringling in ihrer Wohnung bemerkt, bewaffnet sie sich mit einem Messer – und sticht zu. Was sie nicht ahnt, ist, dass sie gerade aus Versehen ihren Ex umgebracht hat, der offenbar etwas Kostbares in ihrer Wohnung versteckt hatte. Doch was tun mit einer noch warmen Leiche, einem Sack voller Drogen und einem ominösen Geldberg? Und noch viel wichtiger: Wie kann man den zwielichtigen Typen entgehen, die anscheinend noch eine Rechnung mit Ed offen hatte?

Ein humorvoller Noir-Krimi, der ein für alle Mal beweist, dass Frauen mehr mörderische Gene in sich tragen als Männer.

© Golkonda Verlag

Ich war sehr überrascht, als ich das Herbstprogramm des Golkonda Verlags erhalten habe, denn anders als sonst – mich sprechen eigentlich nur vereinzelte Titel an – war dieses Mal so einiges dabei, von dem ich sagte »Wow, will ich lesen«. Den Anfang machte dabei »Ed ist tot« von Russel D. McLean. Irische und schottische Autoren haben es mir ohnehin angetan und stehen meistens für einen sehr speziellen Lesegenuss.

Erwartet habe ich mir von »Ed ist tot« eigentlich nicht übermäßig viel, wenn ich ehrlich sein soll. Der Klappentext klang nach einer Art Persiflage oder Satire auf den klassischen Kriminalroman und einer außergewöhnlichen Hauptprotagonistin. Und zumindest teilweise stimmt das auch. Aber von Anfang an.

Die Geschichte als solches klingt so abseits des Wahrscheinlichen, dass sie schon wieder fast vorstellbar ist. Die Buchhändlerin Jen legt im Affekt ihren Lover um. Kann ja mal passieren… was sich daraus allerdings entwickelt trotzt jeder Beschreibung und ist schon ziemlich abgedreht und. Auf der Flucht vor… nun ja, allem und jedem wird die junge Frau immer mehr in einen Strudel der Gewalt getrieben, der sich in einer tempo- und actionreichen Story niederschlägt, die sich durchweg auch auf einem hohen Spannungsniveau bewegt. Was dabei aber zunehmend auf der Strecke bleibt, ist der Humor, der zu Beginn des Romans noch recht häufig und deutlich durchblitzte. Das finde ich persönlich sehr schade, denn genau darauf hatte ich besonders gehofft. Also nichts Persiflage oder Satire und das Ganze dann zu allem Überfluss auch noch mit einem ziemlich vorhersehbaren Ende garniert.

So unwahrscheinlich die Grundsituation ist, so unglaubwürdig wirkt leider auch die Entwicklung unserer Buchhändlerin von Nebenan. So sehr wie sie immer wieder darauf herumreitet, wie sehr sie doch ihre Situation und den Umstand, dass sie ihn nicht beeinflussen kann verabscheut, so sehr geht sie aber auch in ihrem neuen, ungewohnten Umfeld auf. Klar, nun könnte man sich die Frage stellen, was man nicht alles tun würde, um zu überleben, aber ich denke, dass die Antwort nicht lautet »wild mordend durch die Gegend ziehen und am Ende sogar den Vorsatz fassen, zu töten«. Ja, irgendwie passt die Wandlung der Hauptfigur zu den Unwahrscheinlichkeiten, die »Ed ist tot« ausmachen, aber die gnadenlose Überzeichung hätte sich für meinen Geschmack auch im Humorgehalt des Romans niederschlagen dürfen.

Stilistisch muss sich Russel D. McLean jedoch nichts vorwerfen lassen. »Ed ist tot« liest sich in der von Claudia Feldmann übersetzten deutschen Fassung wirklich gut und flüssig. Beworben als Noir-Krimi ist der Roman auch tatsächlich weitestgehend ziemlich düster ausgefallen, was mir ohnehin sehr gut gefällt und somit die Story noch ein bisschen besser auf mich wirken lies.

Fazit:

Tja, was soll ich sagen? Vielleicht lag es an den falschen Erwartungen, die der Klappentext bei mir geweckt hat, vielleicht lag es auch daran, dass mein Sinn für Humor etwas anders ist, aber insgesamt hatte ich mir – trotz geringer Erwartungen – etwas anderes von »Ed ist tot« erhofft. Statt einer humorgeladenen, düsteren Geschichte bekommt man einen düsteren Krimi, der geschickt mit den Unwahrscheinlichkeiten des täglichen Lebens spielt, sie potenziert und gesammelt über die Buchhändlerin Jen hereinbrechen lässt. Das ist zwar unterhaltsam, aber der Spagat zwischen Ernsthaftigkeit und Überzeichnung gelingt leider nur stellenweise und hinterlässt dabei insgesamt einen zwiegespaltenen Gesamteindruck.

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.

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