Stiller Tod von Roger Smith

OT: Capture
Taschenbuch: 380 Seiten
Verlag: Heyne Hardcore
Übersetzer: Ulrike Wasel, Klaus Timmermann

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Inhaltszusammenfassung/ Klappentext:

Als die kleine Sunny vor dem Haus ihrer Eltern ertrinkt, raucht ihr Vater gerade einen Joint, während ihre Mutter sich mit ihrem Liebhaber vergnügt. Nur Vernon Saul, ein Ex-Cop aus den Elendsvierteln von Kapstadt, bekommt mit, was am Strand geschieht. Doch er greift nicht ein. Denn er weiß, wie er den Tod des Mädchens für seine Zwecke nutzen kann. Für Sunnys Eltern hat der Albtraum gerade erst begonnen.

Kritik:

Ich muss zugeben, dass mir der Name Roger Smith zwar geläufig war, ich bislang jedoch nur seinen Roman “Schwarzes Blut“, den er unter dem Pseudonym Max Wilde geschrieben hat, kannte. Und der ist bei mir nun nicht gerade auf übermäßige Begeisterung gestoßen. Nachdem jedoch von diversen Seiten zu hören war, dass sich seine Südafrika-Thriller deutlich von diesem splatterlastigen Horror-Roman unterscheiden und tatsächlich sehr gut sein sollen, war es doch einmal an der Zeit, einen Blick ins Buch zu werfen.

Es fällt dabei schnell auf, dass Smith zumindest in “Stiller Tod” tatsächlich eine gänzlich andere Gangart an den Tag legt. Wo man bei “Schwarzes Blut” derben Splatterhorror präsentiert bekommt, hat man es hier mit einem Werk zu tun, welches die Atmosphäre des “echten” Südafrikas, wie es gerne betitelt wird, sehr gut einfängt. Der Leser bekommt zwar zwangsläufig die Sonnenseiten von Kapstadt vorgesetzt, jedoch wird ihm auch sehr schnell wieder die Illusion genommen, dass alles Gold ist was glänzt. Roger Smith gelingt es sehr gut, ein sehr tristes und brutales Bild der Stadt zu zeichnen, welches so gar nichts mehr mit den Hochglanzprospekten der Reiseanbieter zu tun hat. Natürlich hat das Buch auch einen gewissen Spannungsbogen, welcher allerdings nicht im Vordergrund steht. “Stiller Tod” lebt viel mehr davon, die Beziehung seiner Figuren untereinander zu beschreiben und auszubauen und lässt hierbei eine Tiefe entstehen, die mitreißend ist. Enttäuschend fand ich jedoch das Ende, welches sich nicht so recht in den Rest der Geschichte einzufügen wusste und den faden Beigeschmack eines erzwungenen Happy Ends hinterlässt, welches hinsichtlich der gesamten Storyline etwas deplatziert wirkt.

Nachdem ich die Figuren ja nun schon erwähnt habe, muss auf diese natürlich auch eingegangen werden. Dem Autoren gelingt es sehr gut, glaubwürdige Charaktere zu zeichnen, deren Motivationen und Handlungsweisen zumeist gut nachvollziehbar sind. Man sollte jedoch nicht die Hoffnung haben, hier auf Sympathieträger zu treffen. Alle Protagonisten haben auf ihre eigene Art und Weise einen düsteren, morbiden oder bösartigen Hintergrund. Alles andere wäre aber auch nicht stimmig gewesen, weswegen solche Charakterzüge auch letztendlich unpassend gewesen wären. Smith präsentiert in “Stiller Tod” Abgründiges in allen Spielarten und bettet das wunderbar in seine Geschichte ein.

Stilistisch gibt es natürlich schon Parallelen zu seinem Pseudonym Max Wilde, man erkennt gewisse Parallelen, vor allem im allgemeinen Sprachgebrauch. Der Autor hat eine sehr eingängige, teilweise fast schon umgangssprachliche Art zu schreiben. Auf manchen mag das vielleicht etwas abschreckend wirken, mir persönlich gefällt es jedoch sehr gut, weil es nicht ins lapidare abdriftet, sondern wie vieles anderes in “Stiller Tod” einfach gut ins Gesamtkonzept passt.

Fazit:

“Stiller Tod” ist ein Roman, der viele Stärken in sich vereint. Tolle, tiefgründige Figuren treffen auf eine so unwahrscheinliche und trotzdem nachvollziehbare Art aufeinander und werden großartig miteinander verwoben, fast schon aneinander gekettet. Dazu lässt Smith tief in die Ghettos Südafrikas blicken und präsentiert das Touristenland auf eine gänzlich andere, sehr viel brutalere und vermutlich auch realistischere Art und Weise. Etwas schade ist, dass die klassische Spannung dabei etwas zu kurz kommt – und ein echter Wermutstropfen ist der aufgesetzt wirkende und unpassende Abschluss des Romans. Alles in allem aber ein lesenswertes Buch. Und wohl auch nicht mein letzter Roger Smith.

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Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.

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