Originaltitel: Something Wicked this Way Comes
Taschenbuch: 272 Seiten
Verlag: Diogenes Verlag

Übersetzung: Norbert Wölfl

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Klappentext:

Eines Nachts kommt heimlich und verstohlen ein Jahrmarkt in eine kleine Stadt in Illinois und schlägt seine Zelte auf. William »Bill« Halloway und James »Jim« Nightshade, zwei Jungs aus der Stadt, spüren als Erste, dass mit dem Jahrmarkt etwas nicht geheuer ist. Sie entdecken das dunkle Geheimnis eines Karussells, das auf zerstörerische Weise in das Leben der Fahrgäste eingreift. Ihre Entdeckung bleibt nicht unbemerkt: Auf leisen Sohlen, aber unerbittlich werden die Jungen vom Bösen verfolgt und in die Enge getrieben.

Kritik:

Es gibt diese Autoren, von denen man dauernd hört, sie hätten diesen oder jenen anderen Schriftsteller beeinflusst. Speziell im Bereich der Phantastik wird man an diesem Punkt immer wieder auf einen Namen stoßen: Ray Bradbury. In unseren Interviews outeten sich bereits große Namen wie Joe R. Lansdale oder Michael Robotham als Fans. Und auch der Großmeister des Horrors, Stephen King, hat immer wieder darauf hingewiesen, dass Bradbury ein großer Einfluss für ihn ist. Ich selbst hatte noch nie etwas von ihm gelesen, dieser Umstand änderte sich erst mit einer Leserunde auf whatchareadin.de. Und ich viel so viel vorweg nehmen: Es war nicht immer ganz einfach. 

Zu Beginn war ich mir nicht ganz sicher, was ich von dem Buch halten sollte. Zwar gelingt es Ray Bradbury sehr gut, eine ganz spezielle und sehr unheimliche Atmosphäre aufzubauen, jedoch fiel es mir zunächst schwer, Zugang zum Buch zu finden. „Das Böse kommt auf leisen Sohlen“ ist kein typischer Horror- oder Fantasy-Roman. Vielmehr kann man es als eine Mischung aus einem Coming of Age-Buch und den oben genannten Genres sehen. Praktisch eine (sehr viel) klassischere Version von dem, was King mit „ES“ (welches in vielen Passagen Bradburys Einfluss gar nicht leugnen könnte) oder Brian Keene mit „Leichenfresser“ im modernen Gewand geschrieben haben. Bradbury setzt dabei aber oftmals nicht unbedingt nur auf den Spannungsaufbau, sondern verleiht seinem Roman eine sehr viel philosophischere Note. Darauf muss man sich einlassen wollen, das Buch ist kein schnell weggelesener Stoff für Zwischendurch (zumindest solange nicht, bis man einmal wirklich drin ist). Trotzdem kommt, besonders zum Finale hin, die Spannung insgesamt auch nicht zu kurz. Vor allem die immer wieder eingewobenen Spannungsspitzen des Buches wissen absolut zu überzeugen und haben mich teilweise so sehr in die Geschichte hineingezogen, dass ich zum Beispiel dachte, direkt neben den Protagonisten im Keller eines Tabakwarenladens zu sitzen.

Die Figuren wissen zu gefallen. „Das Böse kommt auf leisen Sohlen“ hat mit Will und Jim zwei Jungs im Alter von 14 Jahren als Hauptcharaktere. Die beiden mögen zwar beste Freunde sein, sind aber dennoch in ihren Ansichten sehr unterschiedlich und individuell ausgefallen. Gerade diese Unterschiedlichkeit gibt der Geschichte aber einen besonderen Reiz, denn während Jim Gefahr läuft, den Versuchungen des Karussells zu erliegen, ist es immer Wills Ansinnen, ihn genau davor zu bewahren. Die Antagonisten wissen ebenfalls zu gefallen, als Teil der Jahrmarktsmannschaft sind sie zudem auch ziemlich einzigartig und oftmals schon skurril. Näheres kann ich dazu aber nicht sagen, da die Gefahr zu groß ist, der Story einen nicht unwesentlichen Teil ihres Reizes zu nehmen. Besonders gefallen hat mir zudem die immer umfangreichere Rolle von Wills Vater, der zunächst als recht blasse Nebenfigur eingeführt wurde, im weiteren Verlauf dann aber eine sehr tragende und wichtige Rolle eingenommen hat.

Wie ich bereits erwähnte, ist der Stil Bradburys für mich sehr gewöhnungsbedürftig gewesen. Daran änderte sich auch erst ab der Hälfte des Buches etwas. „Das Böse kommt auf leisen Sohlen“ ist extrem bildhaft geschrieben und Ray Bradbury scheint es geliebt zu haben, in Metaphern zu sprechen, zumindest aber in ihnen zu schreiben. Dem sowie dem Umstand, dass der Autor stellenweise noch einen Schritt weiter geht und fast schon ins Lyrische abdriftet, kann man mitunter nur schwer folgen, wenn man nicht ohnehin ein Faible für diese Art zu erzählen hat. Auch für die philosophische Denkweise und den Umstand, dass man lange Zeit nicht erkennen kann, ob sich die Geschehnisse nur in der Fantasie der beiden Jungs abspielen muss man sich erst einmal öffnen. Meinen Respekt an Norbert Wölfl, der sicherlich mit der Übersetzung keinen sonderlich einfachen Job zu erledigen hatte.

Fazit:

Das Böse kommt auf leisen Sohlen“ ist kein Buch, welches man nebenbei lesen sollte. Man sollte sich die Zeit nehmen, Bradburys Worte auf sich wirken zu lassen. Außerdem sollte man von vornherein darauf eingestellt sein, eine sehr klassische Erzählweise präsentiert zu bekommen, der die Zugänglichkeit moderner Romane zumindest zu Beginn fehlt. Denn ganz ehrlich: Es wird einfacher, je weiter man vorankommt. Man wird dafür mit einer außergewöhnlichen Atmosphäre belohnt, die den aktuellen Genrekollegen oftmals abgeht. Dazu kommen zwei interessante Hauptfiguren und viel, was zum Nachdenken anregt. Über allem schwebt außerdem der Grundtenor, dass man das Lachen nicht verlernen sollte.

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.

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