planetenjägerGeorge R.R. Martin, Gardner Dozois & Daniel Abraham – Planetenjäger

OT: Hunter’s Run
Taschenbuch: 352 Seiten
Verlag: Penhaligon
Übersetzung: Andreas Helweg

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Klappentext:

Ramon Espejos Leben verläuft bei Weitem nicht so wie geplant. Nicht nur, dass er auf einem kaum erschlossenen Kolonieplaneten gestrandet ist. Er muss auch noch vor der Justiz in die Wildnis flüchten, weil er im Streit um eine Frau seinen Gegner getötet hat. Dort wird er von einem bislang unbekannten Alien-Volk gefangen genommen. Da entkommt ein anderer menschlicher Gefangener der Kontrolle der Aliens. Diese zwingen Ramon, den Flüchtigen für sie zu verfolgen. Er soll ihn aufhalten, bevor die Kolonie von der Existenz der Aliens erfährt. Aber vielleicht ist das auch die Gelegenheit für seine eigene Flucht?

© Penhaligon Verlag

Kritik:

Wer das Blog regelmäßig liest, wird sicherlich schon darüber gestolpert sein, dass ich mit George R. R. Martins Bestseller »Das Lied von Eis und Feuer« überhaupt nichts anfangen kann. Im Gegenzug fand ich aber seine anderen Veröffentlichungen mehr als gelungen. »Planetenjäger« ist nun wieder ein SciFi-Roman, der in Zusammenarbeit mit Gardner Dozois und Daniel Abraham entstanden ist.

Nun ist es oftmals so, dass eine Kooperation von mehreren Autoren den Lesefluss eines Buches stört. Hier kann glücklicherweise direkt Entwarnung gegeben werden. »Planetenjäger« wirkt wie aus einem Guss – und zwar auf hohem Niveau. Es lässt sich nicht sagen, welcher der Beteiligten welche Passage geschrieben hat, der Spannungsbogen ist auf einem konstant hohen Niveau und die Geschichte entwickelt sich konstant weiter. Wo anfangs noch viele Fragezeichen auf der Stirn erscheinen, lichtet sich das Dickicht nach und nach immer mehr. Wer nun aber hinsichtlich des Covers und des Titels auf einen actionreichen Science-Fiction-Roman hofft, wird enttäuscht sein. Das Buch bietet zwar die eine oder andere temporeiche Passage, ist insgesamt aber eher getragen und ruhig gehalten. Während die Story voranschreitet, driftet sie im späteren Verlauf fast schon ins philosophische ab. Darauf muss man sich einlassen können. Wer dazu bereit ist, wird aber von so manch interessanter Wendung überrascht werden. Das gilt zwar nicht unbedingt für das Ende, auch wenn es in letzter Instanz absolut konsequent ausfällt.

Der philosophische Aspekt wird vor allem durch die Figuren getragen. Über weite Strecken ist »Planetenjäger« zwar räumlich kaum begrenzt, muss aber mit zwei Charakteren auskommen. Und die beiden könnten kaum unterschiedlicher sein. Maneck, das Alien und zunächst auch die Nemesis von Hauptcharakter Ramon, ist dabei besonders interessant ausgefallen. Zunächst einmal ist es kein auf fremdartig getrimmter Mensch, wie man ihn in vielen modernen Genreveröffentlichungen oft findet, sondern tatsächlich ein sehr absonderliches Wesen. Das betrifft sein Aussehen genauso wie gesellschaftliche Strukturen und insbesondere die Denkweisen. Demgegenüber hat man mit Ramon ein Arschloch, wie es im Buche steht. Opportunist, Teilzeitalkoholiker und -krimineller. Ein ausgemachter Misanthrop, der auch keine Probleme damit hat, seine Lebensgefährtin ordentlich zu vermöbeln. Man sieht also, kaum jemand, den man als Sympathieträger betiteln kann. Daran ändert sich auch im Lauf der Geschichte wenig. Und genau so muss es in diesem speziellen Fall auch sein. Die Autoren versuchen gar nicht erst, ihn zu einem Antihelden hochzustilisieren, sondern lassen ihn so sein, wie er nun einmal ist. Und sie lassen ihn sich mit sich selbst auseinandersetzen. Und genau diese Punkte zeichnen den Roman aus. Natürlich weiß auch die Dynamik zwischen Ramon und Maneck zu gefallen, insgesamt ist es aber der innere Dialog, auf dem der Fokus liegt.

Stilistisch wusste »Planetenjäger« zu überzeugen. Wie bereits eingangs erwähnt, gibt es keine merklichen Brüche zwischen den drei Autoren. Der Roman liest sich konstant gut und in einem angemessenen Tempo. Dem Trio gelingt es gut, beim Leser ein Bild des fremden Planeten und der außerirdischen Kreaturen entstehen zu lassen. Andreas Helweg überträgt die Story stimmig und ohne Ausfälle ins Deutsche.

Fazit:

7»Planetenjäger« ist nicht das, was ich beim Anblick des Covers erwarten würde. Es ist vielmehr ein Survival-Selbstfindungs-Trip auf fremdem Planeten und mit Alien an der Kette. Wer bereit ist, sich auf einen eher gemessenen Roman mit philosophischen Ansätzen einzulassen, wird hier sicherlich seinen Spaß haben. Wer nach Adrenalin sucht, sollte lieber einen Blick auf den »Planetenwanderer« werfen.

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.

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