OT: Stalkers

Taschenbuch: 464 Seiten
Verlag: Piper Verlag

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Klappentext:

Achtunddreißig verschwundene Frauen innerhalb weniger Jahre. Ohne jede Spur. Kein Motiv, kein Muster, keine Leichen. Detective Sergeant Mark »Heck« Heckenburg ist überzeugt, dass das kein Zufall sein kann, doch außer ihm glaubt niemand an einen Zusammenhang. Als Heck auf eigene Faust ermittelt, kommt ihm eine Frau zuhilfe: Lauren Wraxford, die verzweifelt auf der Suche nach ihrer verschwundenen Schwester ist. Gemeinsam riskieren sie alles – in einem Kampf auf Leben und Tod gegen eine unsichtbare Macht …

Kritik:

Nein, ich werde jetzt keine Witze oder Anmerkungen über den Namen Paul Finch von mir geben, das wäre mir zu billig – und zudem auch ziemlich unpassend. Das Buch war für mich einer dieser Blindkäufe, an die man ohne größere Erwartungen heran geht, zumal ich auch auf anderen Seiten bis dato noch kein wirklich vertrauenswürdiges Feedback entdeckt hatte. Also, ohne Erwartungen, aber auch ohne Voreingenommenheit ran an die Seiten.

Zunächst einmal muss man wohl sagen, dass der Autor als ehemaliger Polizist nicht die schlechtesten Voraussetzungen dafür mitbringt, einen Krimi zu veröffentlichen. Allerdings muss man zeitgleich auch sagen, dass solche Voraussetzungen nicht zwangsläufig dafür sorgen, dass aus einer Idee tatsächlich auch ein gutes Buch wird, was leider hier zutrifft. Zwar gelingt es Finch durchaus, hier und da für einen zünftigen und ansprechenden Spannungsbogen zu sorgen, allerdings wird dieser auch immer wieder durch sich über das Buch verteilende Längen ausgebremst und hindert den Leser daran, vollends mitgerissen zu werden. Diese kleinen Einknicker sorgen ab einem gewissen Punkt dafür, dass der Roman sich doch etwas zu ziehen beginnt und man sich zum Ende hin ab und an schon einmal dabei erwischt, dass man die Passagen nur noch quer liest. Sehr gut eingefangen ist hingegen die Atmosphäre rund um den abseits aller Unterstützung ermittelnden Heck, die sowohl das Treiben in der Großstadt als auch die abseits davon spielenden Passagen sehr gut einfängt. Besonders eine Passage in einem ehemaligen Flak-Turm ist jedenfalls eindeutig hängen geblieben. Leider muss man aber zeitgleich auch sagen, dass “Mädchenjäger” schon ein paar ziemlich seltsame Logiklücken aufweist und an manchen Stellen auch etwas zusammengeschustert wirkt. Das Finale des Buches vermochte nicht, mich noch einmal vom Hocker zu reißen.

Auf der Haben-Seite hingegen kann Finchs Roman die Figuren verzeichnen. Besonders Hauptprotagonist Heckenburg ist ein absolut sympathischer Charakter, der neben seiner aktuellen Notsituation auch mit einem sehr gut ausgearbeiteten und glaubwürdigen Hintergrund daher kommt. Leider wurde die “weibliche Hauptrolle” nicht annäherend so gut besetzt, Lauren wirkte auf mich über weite Strecken mehr wie ein notwendiges Übel, mit dem ich so gar nicht warm geworden bin. Beiden gemein ist jedoch, dass die Handlungsweisen nicht immer glaubwürdig sind. So ist “Mädchenjäger” bislang der erste Roman, in dem ein mit einer Uzi bewaffneter Gangster mit Diestel(!)-Schlägen besiegt wurde. Klingt komisch? Ist aber so.

Stilistisch bin ich etwas hin- und hergerissen. Paul Finch hat über weite Strecken einen sehr angenehmen und eingängigen Erzählstil, bringt die Story auch zumeist in einem ansprechenden Tempo voran. Dann kommen jedoch diese Passagen, in denen “Mädchenjäger” so salopp und umgangssprachlich erzählt wird, dass man das Buch am liebsten zur Seite legen würde. Natürlich kann ich jetzt nicht nachvollziehen, ob man diesen Umstand vielleicht auch dem Übersetzer anlasten muss, Fakt ist jedoch, dass das Lesevergnügen dadurch schon mitunter sehr getrübt wird.

Fazit:

“Mädchenjäger” ist einer dieser Romane, denen man nachsagen kann, dass er eine Menge Potential verschenkt hat. Die Story an sich ist griffig, mit Heckenburg hat Finch einen tollen und sympathischen Hauptcharakter erschaffen, der zudem auch noch sehr tiefgründig daher kommt. Das alles wird jedoch durch die mitunter viel zu lockere Erzählweise, unpassende Handlungsweisen und nicht zuletzt auch einige deutliche Spannungseinbrüche negiert, die aus einem eigentlich guten Buch unter dem Strich bestensfalls noch einen über weite Strecken unterhaltsamen, aber dennoch nur durchschnittlichen Krimi machen.

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.

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