Vor ein paar Tagen flatterte mir ein neues Buch ins Haus. „Feuerstimmen“ von Christoph Hardebusch. Nun bin ich eher der Typ Leser, der Aufkleber auf den Buchcovers ziemlich doof findet, trotzdem zog der gelbe Flatschen hier meine Aufmerksamkeit – und vor allem meine Neugier – auf sich. „Papego, kostenlos mobil weiterlesen“ steht da. Und ich erstmal so „Aaahaa?“. Also schnell die angegebene Website angesurft und mal geschaut, was genau es jetzt damit eigentlich auf sich hat.

Die Website verspricht, dass man über die Papego-App 25 % des aktuell gelesenen, Papego-fähigen, Buches herunterladen und lesen kann. Das ist für Vielleser, die nicht ständig ihre Bücher mit sich herumschleppen wollen, natürlich eine feine Sache, das Smartphone hat man im Normalfall ohnehin dabei, ein Tablet ist auch wesentlich transportabler als ein 500 Seiten starker Roman. „Also gut“, dachte ich mir, „probier’s mal aus.“

Die App ist schnell runtergeladen und sowohl für Android als auch für iOS-Geräte verfügbar. Windows Phone-User schauen wieder einmal in die Röhre. Das Handling ist dann auch selbsterklärend. Auf dem Startbildschirm der App findet sich zunächst nur ein großer Kamera-Button (im Screenshot war das Buch allerdings schon gescannt, also nicht wundern).

Diesen drückt man und die App erklärt genau, was man zu tun hat: einfach das obere Drittel der Seite im Querformat fotografieren und das soll es dann auch schon gewesen sein. Klingt simpel? Ist es auch. Man folgte der Aufforderung und nach ein bisschen rumprobieren (kamerabedingt, das Biest wollte auf die kurze Entfernung einfach nicht richtig fokussieren) hatte ich das gewünschte Bild. Der Rest läuft automatisch, die App zieht sich ein Viertel des Buches ab der eingescannten Stelle aus dem Netz und das war es auch schon. Sehr simpel und unkompliziert also. Wie im Screenshot zu sehen wird die Seite, ab der man mobil lesen kann, in der Übersicht angezeigt. Online muss man nur für den Scan und anschließenden Download der Textabschnittes sein, lesen lässt sich in der Papego-App auch ohne Internetverbindung.

Simpel, das gilt auch für die Einstellungsmöglichkeiten, die es im Endeffekt gar nicht gibt. Wer also vom Reader und von entsprechenden Apps verwöhnt ist, wird zunächst wohl etwas sparsam aus der Wäsche schauen. Das einzige, was sich tatsächlich ändern lässt, ist die Schriftgröße (stufenlos), wozu man einfach im unteren Bereich des Lesefensters tippt. Auf dem Smartphone ist das auch dringend angebracht, denn die Standardeinstellung ist viel zu groß. Hier wird dann auch die Seitenzahl der Papierversion angezeigt, auf der man sich gerade befindet, sodass ein Wechsel zwischen Papego und „Echtroman“ jederzeit ohne Schwierigkeiten möglich ist. Ein sehr schöner Ansatz, denn viele Leser bevorzugen zumindest zu Hause doch das klassische Buch. Zusätzliche Kosten entstehen dem Leser übrigens keine, die App selbst ist kostenfrei, die Nutzungsgebühr ist im Buchpreis inklusive und wird vom Verlag an die Briends GmbH entrichtet.

Die Bedienung ist also einfach, das Prinzip gefällt. Aber Nachteile gibt es sicherlich doch auch? Ja, die gibt es. Der einzig echte Nachteil ist allerdings die (bislang?) noch geringe Auswahl an Papego-fähigen Büchern (erkennbar durch besagten Aufkleber oder ggf. ein dem Buch beigelegtes Lesezeichen). Manch einer mag nun die Beschränkung auf 25 % des Buchinhalts monieren, ich persönlich finde diese Länge aber angemessen. Bei einem größeren Umfang würde es Buchpiraten einfach zu leicht gemacht werden, schnell in der Buchhandlung eine Seite zu scannen. So hat man das Viertel des gesamten Textes, welches beim erneuten Scan zudem überschrieben wird, es ist also mit mehrfachen Fotografien nicht möglich, sich das komplette Buch auf das Endgerät zu laden.

Mein bisheriges Fazit zur Papego-App fällt alles in allem sehr positiv aus. Die Handhabung ist trotz (oder gerade wegen) der nur sehr rudimentär ausgefallenen Einstellungsmöglichkeiten mehr als simpel, die Idee dahinter sehr gut. Die Länge des Textauszuges ist angemessen, um auch einmal ein paar Stunden in einem Wartezimmer oder Zug lesen zu können, ohne die Papierausgabe dabei haben zu müssen. Die Problematik der bekannten eBook-Bundles entfällt, da die App von einem externen Dienstleister angeboten wird und somit nicht verlagsgebunden ist. Mich persönlich stört es nicht, dass es nicht möglich ist, die App, beziehungsweise die Textpassagen, auf einen eReader zu übertragen. So ist der einzige aktuelle Kritikpunkt die noch recht überschaubare Anzahl an Papego-fähigen Büchern. Hier ist der Piper Verlag Vorreiter, eine Liste der verfügbaren Bücher findet ihr hier. Im Berlin Verlag sind zudem aktuell vier Titel angekündigt, die Papego unterstützen sollen. Fairerweise muss man hierbei aber erwähnen, dass die App erst im Rahmen der Leipziger Buchmesse der breiten Öffentlichkeit präsentiert wurde und dort das „Neuland 2.0“ Publikumsvoting gewann. Für mich als Leser bleibt somit erstmal nur abzuwarten und zu hoffen, dass sich weitere Verlage der Möglichkeit öffnen, die die Briends GmbH mit ihrem Produkt bietet.

Mehr zu Papego findet ihr auf der Homepage der Briends GmbH und im Produktvideo:

Und nur um mich abzusichern: hierbei handelt es sich nicht um einen kommerziellen Beitrag. Mir gefallen schlicht und einfach die Möglichkeiten, welche die App bietet und ich habe mich aus diesem Grund dazu entschlossen, darüber zu schreiben.

Was denkt ihr? Ist Papego eine Option zum bekannten eBook-Bundle, trotz oder gerade wegen der wenigen Optionen, die sich bieten?

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.

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