Die Erlöser von Nick Cutter

OT: The Acolyte
Taschenbuch: 368 Seiten
Verlag: Heyne
Übersetzung: Frank Dabrock

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Klappentext:

Unsere Welt in naher Zukunft: Die westliche Hemisphäre wird von religiösem Fundamentalismus regiert. Das Mantra der Neuen Republik lautet: Die Kirche ist der Staat. Jonah Murtag ist ein treuer Staatsdiener. Er arbeitet für die Religionspolizei, die brutal gegen Andersgläubige vorgeht. Alle sogenannten Sünder werden »umerzogen « oder hingerichtet. Als die Republik von einer Serie grausamer Attentate heimgesucht wird, gerät Jonahs Weltbild ins Wanken. Er stellt sich gegen die Republik – und wird zum Gehetzten …

Kritik:

Bücher mit einem frischen Setting gibt es leider viel zu selten. Darüber braucht man wohl nicht diskutieren, wenn man sich umschaut werden hier Serienmörder gejagt, dort Elfen von Orks vermöbelt und mit etwas Glück kann man Han Solos kleinem Bruder mit seinem Schleichenden Geier durch die Galaxie folgen.“Die Erlöser“ von Nick Cutter hingegen setzt auf ein Thema, welches zwar am ehesten als Dystopie durchgeht, bei näherer Betrachtung und unter Berücksichtung der letzten Monate aber erschreckend realitätsnah zu sein scheint.

Wir werden nämlich in eine Welt versetzt, in der es keine Gewaltenteilung mehr gibt, sondern in der die Kirche die Macht übernommen hat. Der klassische Gottesstaat mit allem was dazu gehört. Brennende „Ketzer“ und Andersgläubige, eine Religionspolizei, die die Einhaltung der Gebote überwacht und einen Verstoß aufs Schärfste bestraft. Schöne neue Welt, nicht wahr? Dem Autoren gelingt es dabei ausgesprochen gut, eine extrem düstere Zukunft zu prophezeien und bedingt durch das aktuelle Weltgeschehen kam es mitunter schon vor, dass mir ein ziemlich großer Stein im Magen gelegen hat. Das spricht wohl dafür, dass Cutter mit seinem Roman einen Nerv penetriert, der im Moment ziemlich schmerzempfindlich ist. Vermutlich ist das auch die Intention, denn gerade dieses realitätsnahe Setting sorgt dafür, dass die Atmosphäre ebenfalls sehr greifbar ist und eine gute Wirkung entfalten kann. Allerdings vergisst der Autor dabei nicht, dass ein Roman immer noch der Unterhaltung dienen sollte und so verpasst er seinem Buch dennoch einen zunächst sehr steilen Spannungsbogen, der von sehr actionreichen Sequenzen immer wieder noch ein Stück höher getrieben wird. Erst ab der Hälfte wird das Tempo dann gedrosselt und „Die Erlöser“ wird ruhiger, philosophischer – aber definitiv nicht langweiliger.

Gerade der philosophische Ansatz ist in erster Linie der Hauptfigur Jonah Murtag zu verdanken. Da der Klappentext ohnehin schon (zu) viel vorweg nimmt, sei mir der Exkurs gestattet. Murtag ist zu Beginn noch absolut von seinem Tun überzeugt, erst im Lauf der Geschichte kommen die Zweifel, mit denen er sich intensiv beschäftigt, ohne sich vollends auf eine Seite zu schlagen. Das ist glaubwürdig, denn so bleibt der Charakter bodenständig, wirkt nicht sprunghaft und hat dennoch die Möglichkeit, recht frei zu handeln, ohne dass er dadurch unglaubwürdig wirken würde. Erst durch einen Trigger wählt er dann letztlich doch seine Seite. Generell ist „Die Erlöser“ zu Beginn in der Figurenausgestaltung noch sehr übersichtlich, allerdings entwickelt sich mit steigender Seitenzahl ein ein kompliziertes Geflecht zwischen den Akteuren, dem zu folgen nicht immer unbedingt einfach ist. Aber gerade dadurch gewinnt das Buch auch noch einmal dazu, denn die Auflösung des Plots und die Motivation hinter den Anschlägen ist dann ein fast schon lächerlich nichtiger Grund.

Mir hat der Stil Cutters sehr gut gefallen. Die Sprache ist eingängig, das Erzähltempo besonders zu Beginn sehr hoch. Dass es ab der Hälfte verlangsamt wird ist nicht störend, denn ab diesem Punkt lässt der Roman auch sehr viel Spielraum für Interpretationen des Lesers. Diese Interpretationen führen dann zwangsläufig dazu, dass man sich mit der aktuellen und realen Welt beschäftigt und sich immer wieder die Frage stellt: „Wer zum Teufel kann so etwas wirklich wollen?“. Allein das sollte schon klar machen, dass die Idee hinter „Die Erlöser“ nicht dazu angetan ist, Kuschelstimmung aufkommen zu lassen. Das schlägt sich auch in der grafischen Gewaltdarstellung nieder, es geht immer wieder blutig zur Sache, gerne auch mal etwas expliziter.

Fazit:

Die Erlöser“ hat sich für mich als absoluter Glücksgriff erwiesen. Ich kannte bislang nichts von Nick Cutter, hatte also keine großen Erwartungen, außer vielleicht die, für ein paar Stunden gut unterhalten zu werden. Das hat der Roman geschafft. Er hat aber noch viel mehr geschafft. Es ist ein Buch, welches nachhallt. Ein Buch, das ein Fingerzeig auf das ist, wohin die Welt sich entwickeln könnte. Ich will nicht so weit gehen, zu sagen, dass es ein wichtiges Buch ist – aber es ist ein Buch, welches auf jeden Fall zur richtigen Zeit kommt. Setting, Atmosphäre und Spannung stimmen, die Figuren wissen zu überzeugen und somit ist es eine absolut gelungene Sache gewesen.

An dieser Stelle sei mir der Verweis auf die Aktion #lesenstattgewalt gestattet, die von der Agentur Mainwunder initiert wurde und zu der der Roman wie die Faust aufs Auge passt.

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Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.

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