Paperback: 464 Seiten
Verlag: Heyne

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Klappentext:

Die 16-jährige Cora erwacht mitten in einer Wüste. Sie wurde offensichtlich entführt! Aber von wem? Und wo um Himmels willen ist sie gelandet? Denn an die Wüste grenzen eine arktische Tundra und das Meer, dahinter liegt eine filmkulissenartige Stadt. Fünf weitere Jugendliche irren durch die merkwürdige und, wie sich bald zeigt, sehr gefährliche Szenerie. Und dann tritt Cassian auf: ein unglaublich schöner junger Mann, der sich als ihr Wächter vorstellt. Ihr Wächter in einem Zoo, Millionen Kilometer von zu Hause entfernt. Eine Flucht scheint unmöglich zu sein. Bis sich zwischen Cora und Cassian eine verbotene Anziehung entwickelt. Doch kann Cora ihm genug vertrauen, um zu fliehen?

Kritik:

Ich wollte gern mal wieder eine Dystopie lesen nach meinen letzten Romanen. Zufällig bin ich in der Buchhandlung meines Vertrauens über The Cage – Entführt gestolpert. Das Cover hat mich angesprungen, der Klappentext war vielversprechend, kein Wunder also, dass das Buch in meinen Bestand gewandert ist. Recht schnell hatte ich es durchgelesen, wusste aber am Ende nicht so recht, was ich davon halten soll. Warum es mir so ging? Lest selbst.

Schon der Klappentext machte mich extrem neugierig, weil ich mir zwangsläufig die Frage gestellt habe, an welchen Ort der Erde man Cora denn wohl hin verschleppt hat, der Millionen Kilometer von ihrem Zuhause weg sein soll? Denn genau das ist ihr passiert. Sie erwacht mitten in einer Wüste, ganz allein. Eben gerade saß sie noch mit ihrem Bruder im Auto und hat an einem Songtext gefeilt, und jetzt ist sie hier in der Einöde. Nach einem Fußmarsch entdeckt sie jedoch ungeheuerliches: sie ist in einer Art künstlich geschaffener Welt, die aus verschiedenen Biotopen besteht, wie einer Wüste, einer Schneelandschaft, einem Urwald und einer Meeresküste. Die Biotope grenzen aneinander, während das Zentrum eine kleine Stadt mit altertümlichen Gebäuden aus verschiedenen Epochen bildet. Und sie ist nicht allein. Fünf weitere Jugendliche, jeweils drei Jungen und drei Mädchen wurden ebenfalls hierher verschleppt. Recht schnell klärt sich dann auf, dass sie von Außerirdischen entführt wurden und hier erforscht werden sollen. Und während Cora zu dem Schluss kommt, dass sie kein Versuchskaninchen sein will und Verbündete sucht, um eine Flucht zu planen, gewöhnen sich andere recht gut ein und empfinden das Leben hier als gar nicht so schlecht. Die Gruppendynamik eskaliert schließlich immer mehr, denn nicht jeder mag Coras Aufbegehren, schließlich drohen dafür Konsequenzen, bis am Ende niemand mehr auf ihrer Seite steht. Und dann ist da ja noch Cassian, der gut aussehende Wächter ihrer Welt, der Cora magisch anzuziehen scheint.

Als allererstes Mal zur Geschichte an sich: ich mochte die Idee. Recht schnell kristallisierte sich heraus, dass die Jugendlichen von Außerirdischen entführt wurden, und da ich mit Obsidian recht gute Erfahrungen gemacht hatte, war ich dahingehend sogar freudig überrascht. Und an und für sich ist die Geschichte auch nicht schlecht. So ist es nicht. Das Problem in diesem Roman setzt sich gleich aus mehreren Dingen zusammen. Zum einen will kein richtiger Spannungsmoment entstehen. Der Moment, in dem der Leser den Atem anhält und mitfiebert, blieb schlicht und ergreifend aus. Natürlich wollte ich wissen, wie es weiter geht, aber so richtig mitgerissen hat es mich dann am Ende doch nicht. Positiv aufzuzeigen ist jedoch die Gruppendynamik, die sich immer wieder änderte, irgendwann aber eine straighte Richtung einschlug und sich immer weiter steigerte. Durch den fehlenden Spannungsbogen konnte das Buch aber nicht richtig fesseln. Und leider ging es mit dem Stil der Autorin gleich weiter. Wir kennen das alle, diese Magie, mit der der Autor uns mit Worten Bilder vor das geistige Auge schafft. Personen nehmen Gestalt an, Welten bekommen Farben und Formen. Nun, das hat Megan Shepherd leider überhaupt nicht geschafft. Ich erwischte mich ein paar Mal dabei, wie ich da saß und grübelte, wie die einzelnen Personen, wie diese ganze Welt wohl aussieht. Das fand ich sehr schade, denn diese vom Autoren erschaffenen Bilder sind doch einer der vielen Gründe, warum ein Leser Bücher liebt.

Und zu guter Letzt konnten auch die Charaktere das Steuer nicht herum reißen. Die Protagonistin bleibt über eine lange Durststrecke seltsam uninteressant und undurchsichtig, ja, wird an manchen Stellen gar nervig. Einzig zum Ende, wenn ihre Geschichte aufgeklärt wird, gewinnt sie ein bisschen Sympathie hinzu. Das Knistern zwischen ihr und einem ihrer „Mitinsassen“ springt einfach nicht auf den Leser über und bleibt deswegen auch farblos. Auch die Nebencharaktere hätten wesentlich besser ausgearbeitet sein können, aber leider bleiben sie allesamt auf der Strecke. Die Autorin gibt zwar einem jedem eine kleine persönliche Hintergrundgeschichte mit, aber leider gewährt sie keine tiefen Einblicke, was sie am Ende eben einfach zu oberflächlichen Nebendarstellern verkommen lässt, die in ihrer Handlungs- und Denkweise leider nur im Ansatz – und manchmal nicht mal das – logisch wirken. Einzig und allein Cassian konnte voll überzeugen in seiner Rolle, vom Anfang bis zum Schluss. Doch eines muss man Megan Shepherd wirklich lassen. Ein Ende wie ein Feuerwerk, überraschend und positiv verwirrend, mit einem Oh-Effekt, das kriegt so mancher Autor nicht hin, aber in The Cage – Entführt ist dieser Autorin der Cliffhanger ganz fantastisch gelungen. Dafür Hut ab!

Fazit:

Wer Dystopien mag, wird vielleicht früher oder später über diesen Roman stolpern. Allerdings kann ich ihn nicht vorbehaltlos empfehlen: zu schwache Charaktere, ein zu geringer Spannungsbogen, eine zu wenig farbige Erzählung. Megan Shepherd schafft es leider nicht, Bilder in den Kopf des Lesers zu transportieren, ihre Geschichte bleibt ein wenig eintönig und die Charaktere wecken kaum Sympathien, zu oberflächlich bleiben sie, zu wenig nachvollziehbar sind manchmal ihre Denkweisen. Das hat den Roman leider viele Punkte gekostet. Was man der Autorin positiv anmerken kann, ist jedoch die Tatsache, dass ich Außerirdische nach wie vor als ein innovatives Thema empfinde und dass sie den Roman mit einem fulminanten Cliffhanger abschließen konnte, was am Ende aber auch leider der einzige Grund ist, aus dem ich die Fortsetzung eventuell lesen werde.

Ela

Ich bin quasi das Gegengewicht zu Sebastian. Ich schreibe über all das, was an ihm vorbei geht. Jugendromane, Frauenromane, auch mal der ein oder andere Thriller, Komödien, Filme, in denen es um Freundschaft und Liebe geht, Comic- und Buchverfilmungen....sowas eben. In meiner Freizeit befasse ich mich vorwiegend mit dem Lesen und Schreiben, mit Filmen und Büchern, mit meiner Familie und Freunden und natürlich mit meinen Tieren. Ich koche und backe gern und bin vermutlich das schlimmste Assassin's Creed Fangirl, dem du je begegnet bist. Und ich liebe Musik! Immer und überall.