Markus Heitz – Wédōra. Staub und Blut

Klappenbroschur: 608 Seiten
Verlag: Droemer-Knaur

Wédōra , Band 1

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Klappentext:

Lebensspendend oder todbringend, geheimnisvoll oder verkommen – Juwel der Wüste oder Ende aller Hoffnung? Willkommen in Wédōra, dem Schauplatz von Markus Heitz‘ neuem Dark-Fantasy-Roman „Wédōra – Staub und Blut“.

Im Mittelpunkt einer gigantischen Wüste liegt die schwer befestigte Stadt Wédōra. Sämtliche Handelswege der 15 Länder rings um das Sandmeer kreuzen sich hier, Karawanen, Kaufleute und Reisende finden Wasser und Schutz. In diese Stadt verschlägt es den Halunken Liothan und die Gesetzeshüterin Tomeija.
Doch Wédōra steht kurz vor einem gewaltigen Krieg, denn die Grotte mit der unerschöpflichen Quelle, die die Stadt zum mächtigen Handelszentrum hat aufsteigen lassen, war einst das größte Heiligtum der Wüstenvölker. Nun rufen die geheimnisvollen Stämme der Sandsee zum Sturm auf die mächtige Stadt.
Liothan und Tomeija geraten schnell in ein tödliches Netz aus Lügen und Verschwörungen, besitzen sie doch Fähigkeiten, die für viele Seiten interessant sind.

© Droemer-Knaur

Kritik:

Mit »Wédōra – Schatten und Tod« wird Ende August der zweite Dark-Fantasy-Roman um die Ereignisse in der mysteriösen Wüstenstadt veröffentlicht werden. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass der erste Band der Reihe, »Staub und Blut«, bislang an mir vorbeigegangen ist. Bislang wohlgemerkt, denn mit der anstehenden Veröffentlichung wurde es langsam Zeit, diese Bildungslücke zu schließen.

Auf den ersten Seiten wird schnell klar, dass Autor Markus Heitz nicht umsonst als einer der ganz großen deutschen Fantasyautoren gilt. »Wédōra – Staub und Blut« wirft den Leser zunächst in eine sehr klassisch anmutende Sword & Sorcery-Welt, die auf den ersten Blick nicht viel mit der Wüstenstadt gemein hat, welche sich beim Lesen des Klappentextes vor dem geistigen Auge entfaltet. Das kommt erst später. Ein Großteil der Handlung spielt dann in der titelgebenden Wüstenmetropole, allerdings gibt es immer wieder Umblenden auf die Ereignisse, die zur gleichen Zeit in Walfor, der eigentliche Heimat der Helden Liothan und Tomeija, passieren. Was das eine mit dem anderen zu tun hat, bleibt lange unklar. Das wirkt sich positiv auf die ohnehin schon angenehm verlaufende Spannungskurve aus. Zwar gibt es eine Grundlage, die beide Erzählstränge miteinander verbindet, wohin genau die Story sich entwickelt, wird jedoch erst spät aufgeklärt. Gut so, denn so bleibt dem Leser das Rätselraten und Mutmaßen um die Hintergründe eines Antagonisten (auf den ich aus naheliegenden Gründen nicht näher eingehen werde). Ganz gleich an welchem der beiden Handlungsorte man sich befindet, eines haben sie beide gemein: Markus Heitz versteht sich gut darauf, eine stimmige und überzeugende Atmosphäre zu schaffen, die den Leser schnell in die Seiten hineinzuziehen vermag. Leider schwächelt das Finale etwas. Nicht, weil die dahin führenden Wendungen unglaubwürdig wären. Auch nicht, weil es zu absehbar wäre. Mich hat gestört, dass es viel zu schnell abgehandelt wurde. Der Autor hat sich vorher gut 560 (nie langweilige!) Seiten Zeit genommen, um eine überzeugende und spannende Fantasywelt voll mit Intrigen und interessanten Figuren zu schaffen, um dann in den letzten 60 Seiten mit Überschallgeschwindigkeit eine Auflösung zu präsentieren. Das ging mir zu schnell und hätte ruhig noch etwas ausführlicher abgehandelt werden können. Aber, das muss ich ganz ehrlich sagen: Das ist meckern auf hohem Niveau.

Die Figuren wissen zu gefallen. »Wédōra – Staub und Blut« fokussiert sich insgesamt sehr auf die beiden Hauptcharaktere Liothan und Tomeija. Am Ende des Buches angekommen hat man den Eindruck, es mit zwei alten Bekannten zu tun zu haben, an deren Leben man lange Zeit teilgehabt hat. Und zwar nicht nur während ihres Aufenthalts in der Wüstenstadt, sondern schon lange davor. Sie sind nachvollziehbar und überzeugend ausgefallen, sodass es sehr leicht fällt, sie als Protagonisten zu akzeptieren. Über die Motivation vieler Nebenfiguren lässt Heitz seine Leser lange im Unklaren. Im Netz der Intrigen, welches Wédōra durchzieht, ist das natürlich ein ganz großer Vorteil, denn so mancher Charakter hält am Ende die eine oder andere Überraschung parat. Das sorgt für zusätzliche Spannung und passt gut in die schön durchdachte Welt.

Stilistisch muss man über Heitz nicht viele Worte verlieren. »Wédōra – Staub und Blut« bestätigt den ohnehin schon sehr guten Gesamteindruck einmal mehr. Das Buch präsentiert sich als herrlich klassischer Dark-Fantasy-Roman, der nicht irgendwo in der Vergangenheit versumpft ist. Soll heißen: Eine moderne, gut zugängliche Sprache sorgt dafür, dass die Atmosphäre stimmt, ohne den Leser mit verschwurbselten Formulierungen zu nerven. Das macht Spaß. Markus Heitz schreibt auf den Punkt und geizt dabei in den vielen actionreichen Passagen auch nicht mit der einen oder anderen Gewaltspitze. Passend zum Genre und zum Thema also.

Fazit:

Ich bin froh, diese Bildungslücke geschlossen zu haben. »Wédōra – Staub und Blut« ist ein hochklassiger Roman, der von einem hohen Erzähltempo, einer dichten Atmosphäre und starken Figuren lebt. Die gut 600 Seiten sind schnell durchgelaufen und haben (trotz dem Umstand, dass es sich um einen abgeschlossenen Roman handelt) Lust auf mehr gemacht. Da kann man das etwas plötzlich kommende Ende schon mal verschmerzen.

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.

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