Taschenbuch: 368 Seiten
Verlag: Lübbe Verlag
Übersetzung: Angela Koonen

Eve Clay-Reihe, Band 1

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Klappentext:

Vielen ist er bekannt als der Totenprediger. Er selbst hält sich für einen Propheten; Ärzte und Polizisten hingegen nennen Adrian White einen Psychopathen, der mindestens zwölf Menschen auf dem Gewissen hat. So viele Morde konnte DCI Eve Clay ihm zumindest nachweisen, als sie ihn vor Jahren hinter Gitter brachte. Clay ermittelt gerade in einem harten Fall, in dem eine ganze Familie brutal ermordet wurde, da nimmt White plötzlich Kontakt zu ihr auf. Er sagt, diese Familie sei erst der Anfang gewesen. Und wenn Eve weitere Morde verhindern will, müsse sie ihrer eigenen Bestimmung auf den Grund gehen …

Kritik:

Mit „Totenprediger“ präsentiert uns Mark Roberts den Auftakt zu einer neuen Krimi-/ Thriller-Reihe um die englische Polizistin Eve Clay. Der Klappentext las sich ungemein gut, also musste das Buch (welches mich schon auf den ersten Blick wegen des schicken Covers angesprochen hat) im Regal einziehen.

Nun sind ein tolles Cover und ein spannender Klappentext leider nicht immer auch ein Garant dafür, dass der Inhalt des Buches ebenfalls stimmt. Genau das trifft, zumindest in Teilen, leider auch beim „Totenprediger“ zu. Der Roman wird minutiös erzählt, was dafür sorgt, dass die  Kapitel kurz und knackig sind. Man hat ein bisschen das Gefühl, dass sich Roberts hier bei der TV-Serie „24“ ein bisschen (vielleicht auch ein bisschen mehr) Inspiration geholt hat. Das ist grundsätzlich aber nichts verkehrt, denn dadurch entstand bei mir schon das Gefühl, mitten in den Ermittlungen von DCI Clay zu stecken. Das sorgt natürlich schon für einen gesunden Spannungsbogen. Problematisch ist dabei aber, dass sich Roberts immer wieder in Unlogik ergeht, vor allem was die Gedanken und Handlungen seiner Figuren betrifft. Auch ist bei den Ermittlungen deutlich zu viel Zufall im Spiel. Das stört die Spannung wie auch die Atmosphäre und, zumindest in meinem Fall, auch den Lesefluss. Da sich diese Punkte sehr auf meine Bewertung des Buches auswirken, sind im Spoiler-Tag über dem Fazit ein paar Punkte angeführt, um diese Meinung noch einmal zu verdeutlichen. Klicken auf eigenes Risiko. Die eingestreuten Plot-Twists sind zumeist vorhersehbar und naheliegend, sodass sie der thrillererfahrene Leser wohl schnell durchschauen dürfte. Besonders gilt das für die als (absolut nicht) überraschend daherkommende Auflösung in Hinsicht auf Antagonisten Adrian White.

Was nun die Figuren angeht, hat der Autor eigentlich ein gutes Händchen. Es gelingt ihm sehr gut, bei mir ein Bild seiner Charaktere entstehen zu lassen, vor allem was den namensgebenden „Totenprediger“ Adrian White angeht. Besonders diese Figur wirkt auf ihre ganz eigene, kranke Art auch glaubwürdig und überzeugend. Ein Bilderbuchpsychopath quasi. Ermittlerin Eve Clay ist zwar vom Grundsatz her auch gut geschrieben, allerdings ist sie mir in ihren Gedanken und Handlungen deutlich zu sprunghaft (siehe oben) ausgefallen. Da hilft auch der sehr interessante und ausführliche Hintergrund nicht mehr, sie absolut bodenständig und realistisch wirken zu lassen. Ein großes Problem hatte ich mit den Nebenfiguren. Sie waren dermaßen zahlreich und dabei auch noch oberflächlich und blass, dass ich zu ihnen keinerlei Zugang gefunden habe und, was noch viel gravierender war, irgendwann auch absolut den Überblick verloren habe.

Alle diese Kritikpunkte sorgen dafür, dass der Lesefluss beim „Totenprediger“ ziemlich gelitten hat. Zwar mag der Stil von Mark Roberts sehr bildlich und auch flüssig sein, allerdings hilft das nicht viel, wenn die angeführten Kritikpunkte immer wieder dafür sorgen, dass man das Buch stirnrunzelnd zur Seite legen möchte. Zum Teil ist das sicherlich auch auf die Übersetzung von Angela Koonen zurückzuführen. Zwar kann ich nicht nachvollziehen, ob die Dialoge auch im englischen Original teilweise so furchtbar gestelzt und aufgesetzt wirken, da aber auch an anderen Stellen mitunter sehr hakelig und mitunter einfach unpassend übersetzt wurde (ich habe noch nie von einer defekten Lampe gelesen, die blinkt statt zu flackern, außerdem läuft es mir auch eher kalt den Rücken herunter statt einfach nur „den Rücken rauf und runter“) gehe ich fast davon aus, dass man hier nicht nur dem Autoren einen Vorwurf machen kann, sondern auch in Richtung der Übersetzung blicken muss.

Fazit:

Totenprediger“ hätte vom Grundsatz her eine sehr interessante Geschichte werden können. Dafür sprechen zumindest die gut ausgearbeiteten Figuren und die Konstellation, in der sie zueinander stehen. Allerdings stören die nicht nachvollziehbaren Handlungsweisen und Gedankengänge, die allzu offensichtlichen Plot-Twists und die gestelzten Dialoge den Lesefluss ungemein. Einige der Nebenplots wirken bis zum Ende hin konstruiert und hätten zu Straffung des Buches eigentlich gestrichen werden können. Das hätte auch zu weniger Nebenfiguren geführt und den Roman übersichtlicher erscheinen lassen. So bleibt leider unter dem Strich nicht mehr viel übrig, für was man „Totenprediger“ weiterempfehlen könnte.

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.