Mark Allen Smith – Der Spezialist

OT: Information Retrieval
Taschenbuch: 394 Seiten
Verlag: Bastei Lübbe
Übersetzung: Dietmar Schmidt

Geiger-Reihe, Band 1

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Klappentext:

Sie brauchen eine Information? Sie kennen die Person, die diese Information hat, aber sie hüllt sich in Schweigen? Lassen Sie das meine Sorge sein. Ich hole immer die Wahrheit aus meiner Zielperson heraus. Denn ich bin ein Spezialist. Dabei befolge ich stets meinen Kodex.
Eines Tages bekam ich den Auftrag, gegen meinen Kodex zu verstoßen. Die Folgen waren schrecklich. Für meinen Auftraggeber.
Mein Name ist Geiger. Ich liebe Violinenkonzerte. Und foltere Menschen.

© Bastei Lübbe

Kritik:

Der Spezialist“ ist ein Titel, der mir vermutlich gar nicht aufgefallen wäre, wenn da nicht (zur Abwechslung mal wieder) meine Frau mit dem Buch in der Hand vor mir gestanden hätte. Und wer hier öfters mitliest, hat wahrscheinlich schon bemerkt, dass Ela in dieser Hinsicht zumeist ein sehr glückliches Händchen an den Tag legt. Dementsprechend gespannt war ich natürlich auch auf den Roman, zumal der Klappentext schon sehr interessant war.

Die Geschichte selbst ist dabei natürlich nicht gerade der Gipfel der Innovation. Smith versteht sich jedoch ungemein gut darauf, daraus eine Menge zu machen. Der Spezialist trumpft mit Spannung von der ersten Seite an auf, die sich im Lauf der Story immer weiter steigert und schließlich in ein sehr gelungenes, actionreiches Finale mündet. Zwischendurch bekommt man als Leser auch immer wieder die eine oder andere unvorhersehbare wie auch interessante Wendung geboten, was natürlich die Lesefreude noch weiter steigert. Atmosphärisch bewegt sich Mark Allen Smith sehr eng an der Hard Boiled-Linie, verzichtet somit auf eine klare Gut-/Böse-Zeichnung in der Geschichte.

Hard Boiled ist auch das Stichwort für die Zeichnung der Figuren. Mit Geiger hat man einen äußerst ungewöhnlichen (Anti-)Helden, dessen Profession und Handlungsweisen zunächst sehr abstoßend auf den Leser wirken. Der Spezialist schafft es aber im Laufe der Zeit dennoch, gewisse Sympathien einzuheimsen, denn Smith lässt immer wieder Rückblenden auf die Vergangenheit des Folter-Experten einfließen, die viel seines Wesens erklären und in ein anderes Licht rücken. Durch die Verflechtung in dieses Geschäft wirkt natürlich auch sein Partner Harry nicht wie ein Unschuldslamm, wird aber mit der ebenfalls erfolgenden tiefergehenden Zeichnung der Figur immer sympathischer. Die Antagonisten sind ebenfalls gelungen, wobei hier jedoch auf einen detailierten Hintergrund verzichtet wird, was aber nicht weiter störend ist, denn das, was man erfährt, ist immer noch mehr als ausreichend.

Smiths Stil konnte ebenfalls überzeugen. „Der Spezialist“ ist auf eine angenehm zugängliche Art und Weise geschrieben, ohne dabei jedoch anspruchslos zu sein. Man bekommt es mit erfreulich wenig Fülltext zu tun, stattdessen hat der Autor sich sehr darauf fokussiert, die Geschichte voran zu treiben. Dabei setzt er weniger auf Actioneinlagen, sondern bedient sich vorwiegend bei den Spannungselementen und das auf eine, wie schon erwähnt, sehr runde und gelungene Art und Weise. Man sollte sich übrigens nicht vom Hintergrund der Hauptfigur abschrecken lassen. Der Roman ist nicht über die gesamte Strecke hin auf brutal getrimmt. Es gibt zwar ein paar etwas deftigere Einlagen, diese wirken aber bei Smith nicht selbstzweckhaft oder aufgesetzt, passen gut in den Kontext der Geschichte und sind auch noch weit von dem entfernt, was andere Autoren unter hart verstehen.

Fazit:

Der Spezialist“ ist wieder einmal ein Beweis dafür, dass meine Frau ein echt glückliches Händchen bei Büchern hat. Die Geschichte, so bekannt sie auch sein mag, wird von der ersten Seite an äußerst spannend erzählt und besonders die beiden Hauptcharaktere sind äußerst gelungen gezeichnet und fernab von gewöhnlich. Eine runde Sache, auf deren im November erscheinenden Nachfolger „Der Experte“ ich mich schon sehr freue. Eine echte Empfehlung für jeden Thriller-Freund!

Es handelt sich um die Wiederveröffentlichung eines Review-Corner-Beitrags.

Was denkt ihr über Hardboiled-Thriller? Yay oder nay? Lasst uns doch einfach einen Kommentar da!

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.

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