Mark Allen Smith – Der Experte

OT: Expertise
Taschenbuch: 448 Seiten
Verlag: Bastei-Lübbe
Übersetzung: Dietmar Schmidt

Geiger-Reihe, Band 2

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Klappentext:

Geiger weiß genau, wie man einen Menschen bricht. Er zählt zu den besten Verhörexperten weltweit. Aber Geiger hat Moral. Schwache Menschen verhört er nicht – und das ist der Grund, warum er abgetaucht ist: Bei seinem letzten Auftrag hat er sich mit der Zielperson verbündet und einen gegnerischen Agenten verkrüppelt. Vielleicht hätte er den Mann besser getötet. Denn der ist ebenfalls ein Folterprofi, allerdings ohne Moral. Und ihm schießt nur ein Gedanke durch den Kopf. Geigers Tod.

© Bastei-Lübbe

Kritik:

Mark Allen Smith konnte mich seinerzeit mit »Der Spezialist« absolut überzeugen. Ein Hardboiled-Roman, wie er im Buche steht und der eigentlich gänzlich ohne Antihelden auskommt. Das hatte was. »Der Experte« ist der zweite Band der Geiger-Reihe – was man übrigens wörtlich nehmen sollte. Ohne den ersten Band steht man weitestgehend allein auf weiter Flur.

Schon die Einleitung konfrontiert den Leser mit den Figuren des ersten Bands. Zwar versucht Smith, den Einstieg mit einer sehr oberflächlichen Erklärung auf für ›Zufallskäufer‹ zu ermöglichen, allerdings funktioniert das nur bedingt. Für unkundige Leser gehen viele Querverbindungen verloren, die »Der Experte« einen zusätzlichen Reiz verleihen, selbst wenn man sich erstmal wieder ein bisschen in die Welt des Folterexperten Geiger einfinden muss. Anders als noch im ersten Band verwendet Smith hier sehr viel Zeit darauf, seine Geschichte aufzubauen, immer wieder verbunden mit der einen oder anderen Erklärung zur Vergangenheit. Das führt dazu, dass die Spannungskurve nicht annähernd so steil verläuft wie in »Der Spezialist«. Die ersten 130 Seiten des Romans verlaufen somit eher ruhig und streckenweise langatmig. Glücklicherweise gibt sich das aber, nachdem die Story erstmal ins Rollen gekommen ist. Ab diesem Zeitpunkt geht es Schlag auf Schlag (und auch das kann man mitunter ruhig wörtlich nehmen) und das Buch flutscht gut. Smith spart dabei nicht mit immer mal wieder eingestreuten Storytwists, von denen einige zwar vorhersehbar sind, andere aber tatsächlich überraschend um die Ecke kommen (wenn auch nicht immer zwangsläufig nachvollziehbar sind). Das Finale ist dementsprechend erst spät absehbar und auch hier wird noch ein schöner Anti-Happy-Ending-Akzent gesetzt. Oder auch nicht? Immer diese Twists!

Die Figuren sind Lesern des ersten Bands teilweise bekannt. Allen voran steht natürlich der mysteriöse Geiger, der sich eigentlich aus der Informationsbeschaffung zurückgezogen hat und frei von allen sozialen Kontakten Schreiner geworden ist. Jawoll, Schreiner, einfach weil er es kann. »Der Experte« beleuchtet den Charakter deutlich stärker als der Vorgänger, wodurch der Leser einen tieferen Einblick in seinen Werdegang erhält. Das macht seine Handlungen und seinen Charakter etwas nachvollziehbarer, nimmt ihm auf der anderen Seite aber auch etwas von der Ungreifbarkeit, die ihn im Vorgänger ständig umweht hat. Allerdings gelingt es dem Autor, die Wandlung und die Entscheidungen Geigers so verständlicher zu gestalten. Eine Gratwanderung, die weitestgehend gelungen ist. Die Präsenz, die Geiger ausstrahlt, bewirkt aber auch, dass alle anderen Figuren zu Nebencharakteren degradiert werden, obwohl sie hier deutlich mehr Raum haben als noch im ersten Teil.

Stilistisch gibt es nichts zu meckern. Smith schreibt zwar zugänglich, lässt dabei aber den Anspruch nicht vermissen. »Der Experte« ist nicht zu verschwurbselt, aber auch nicht zu fluffig geschrieben und geht deswegen gut von der Hand. Und auch wenn die Thematik es nahelegt: Foltersequenzen gibt es nicht, beziehungsweise sind sie auf ein Mindestmaß reduziert und auch nicht sonderlich explizit ausgefallen. Wer sich deswegen vor dem Buch scheuen sollte, darf diese Bedenken also beruhigt über Bord werfen. Da mit Dietmar Schmidt der Übersetzer des ersten Romans auch hier wieder für die Eindeutschung verantwortlich gewesen ist, wirkt auch die deutsche Ausgabe wie aus einem Guss. Hat man ja auch schon anders erlebt.

Fazit:

Wer »Der Spezialist« mochte, kann auch beim »Experten« beruhigt zugreifen. Mark Allen Smith liefert erneut einen (nach der mauen Anlaufphasen) sehr spannenden Roman mit interessanten Figuren und einer gelungenen Atmosphäre. Die Story bringt einige Twists mit sich, von denen zwar nicht alle überraschend, die meisten aber effektiv sind. Und darauf kommt es am Ende ja an. Ohne Vorwissen wird der Roman aber nur bedingt spaßig sein, da passt es ja, dass Bastei ein Sammel-eBook mit beiden Geiger-Storys für vergleichsweise kleines Geld anbietet. Wer Spaß an Hardboiled hat, sollte es sich auf jeden Fall mal näher ansehen.

Seid ihr auch Fans von Hardboiled-Literatur oder könnt ihr mit sowas überhaupt nichts anfangen? Lasst uns doch einen Kommentar da!

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.

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