OT: The Necessary Death of Lewis Winter

Taschenbuch: 384 Seiten
Verlag: S. Fischer Verlage

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Klappentext:

»Es ist schwer, einen Mann gut zu töten. Leute, die es machen, wissen das. Leute, die es schlecht machen, finden es heraus. Auf die harte Tour. Und die harte Tour hat Folgen.«
Malcolm Mackay: der neue Kult-Bestsellerautor aus Schottland mit absolut unverwechselbarem Sound.

Calum MacLean lebt allein in seiner Wohnung in Glasgow. Das Telefon klingelt. Eine belanglose Unterhaltung. Aber dahinter steckt ein Jobangebot. Wenn man die Zeichen zu deuten weiß.
Er ist Experte. Einzelgänger. Hat einen guten Ruf bei denen, die zählen in Glasgow.
Ein Treffen in einem Club. Ein Auftrag. Ein Ziel: Lewis Winter.
Fesselnd, atmosphärisch, cool: Mackay zieht uns in eine dunkle Welt, in der es Regeln gibt. Sie nicht zu kennen, ist tödlich.

Kritik:

Ich mag Schottland. Bin zwar noch nie da gewesen, aber ich mag Schottland. Und da ist ein Thriller, der den Leser auf die schmutzigen Straßen von Glasgow führt natürlich ungemein passend. Wenn das Buch dann auch noch von meiner Frau ausgesucht wurde, kann ja eigentlich nicht mehr viel schief gehen, oder?

Und tatsächlich startet “Der unvermeidliche Tod des Lewis Winter” trotz des langen und sperrigen Titels auch ziemlich gut. Der Leser wird schnell in die Geschichte gesogen und bekommt vom Autoren ein sehr gutes Gefühl für “das Geschäft”, wie die Unterwelt im Buch durchweg betitelt wird. Zwar entfaltet der Spannungsbogen sich zunächst doch eher gemächlich, aber er weiß bei Laune zu halten. Noch mehr lebt der Roman jedoch von seiner Atmosphäre, die räudig und dreckig daher kommt. Ideal für einen Genreroman also. Leider muss man jedoch sagen, dass der Spannungsbogen ab der Hälfte einen ziemlichen Einbruch erleiden muss und dass der Roman sich ab diesem Moment schon sehr häufig wie die Beschreibung eines Selbstfindungstrips liest. Das ist sehr schade, da das ursprüngliche Gesicht ihm deutlich besser gestanden hat. Dazu kommt, dass besonders das Finale sich ebenfalls ziemlich spannungsarm präsentiert, man keine großen Überraschungen erlebt und somit dank der Leseprobe des Nachfolgebands der “Glasgow-Trilogie” doch etwas konsterniert in die Zukunft der Reihe schaut.

“Der unvermeidliche Tod des Lewis Winter” bringt eine ganze Reihe interessanter Figuren mit sich, wobei sich Autor Mackay jedoch bei den meisten darauf beschränkt, sie als reine Handlungsträger zu präsentieren. Kein großer Hintergrund und keine große Ausarbeitung also. Hier wäre bestimmt noch etwas Luft nach oben gewesen. Zumindest die Hauptfiguren, wobei man hier nicht von Pro- oder Antagonisten im klassischen Sinn sprechen kann, werden etwas kräftiger gezeichnet, bleiben aber im Vergleich zur umfangreichen Thrillerkonkurrenz immer noch etwas blass. Schade, denn Potential wäre auch an dieser Stelle auf jeden Fall noch gewesen, besonders was den Auftragskiller Callum Maclean betrifft, welcher – sein Profession zum Trotz – noch als sympathischste Figur bezeichnet werden kann. Gewollt oder nicht, das hat etwas für sich und sorgt letztlich dafür, dass er für den Leser schnell zum wichtigsten Bezugspunkt des Buches wird.

Stilistisch ist Mackay etwas gewöhnungsbedürftig. Die sprachliche Gestaltung kommt dem Klappentext sehr nahe, soll heißen dass “Der unvermeidliche Tod des Lewis Winter” mit kurzen und knackigen Sätzen auskommt. Die anfängliche Gewöhnungsbedürftigkeit entwickelt aber mit steigender Seitenzahl eine ganz eigene Dynamik und verleiht dem Buch ein prägnantes Gesicht. Der Wiedererkennungswert ist also in jedem Fall gegeben. Es gelingt dem Autoren zudem auch, dem Leser ein sehr plastisches Bild seiner Schauplätze im Kopf entstehen zu lassen, was natürlich auch der Atmosphäre wieder zuträglich ist.

Fazit:

Ich würde nicht so weit gehen, Malcolm Mackay als neuen Stern am Thrillerhimmel zu sehen. Was man aber in jedem Fall sagen muss, ist dass “Der unvermeidliche Tod des Lewis Winter” recht eigenständig daher kommt und durch die knappe Erzählweise nach einer kurzen Eingewöhnungsphase sehr interessant zu lesen ist. Schade nur, dass in Hinsicht auf die Figurenzeichnung einiges Potential verschenkt wurde und auch der Spannungsbogen ab der Mitte immer wieder mit Einknickern zu kämpfen hat. Trotzdem, alles in allem war das Buch gut zu lesen, unterhaltsam und  macht auch Lust auf die noch kommenden Bände – nicht zuletzt dank seiner Hauptfigur.

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.

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