OT: The Murdstone Trilogy
Taschenbuch: 317 Seiten
Verlag: Piper Verlag
Übersetzer: Andreas Brandhorst

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Klappentext:

Die verrückteste Trilogie, die niemals eine war!

Eine schwarze Komödie voller abstruser Situationen und verrückter Charaktere: Als Autor anspruchsvoller Literatur liegt Philip Murdstone nichts ferner als Fantasy. Daher ist seine Verwunderung groß, als seine Agentin ihm nahelegt, eine Fantasy-Trilogie zu schreiben, um seine Geldsorgen zu beheben. Doch wenn man wie Philip bereits von Tolkien Ausschlag bekommt, ist das leichter gesagt als getan. Seine dunkelste Stunde scheint gekommen, als er im Suff einen Kobold namens Pocket halluziniert, der ihm einen Fantasyroman diktiert. Überraschenderweise landet Philip damit einen Millionenbestseller und wird zur Fantasy-Ikone. Nur war der Kobold mehr als eine Halluzination. Und er ist gar nicht begeistert, dass sich Philip nicht an ihren Deal erinnert.

© Piper Verlag

Kritik:

Es gibt Namen, mit denen man einfach keine Vergleiche aufstellen sollte. Isaac Asminov in der Science Fiction. Stephen King im Horror. Terry Pratchett in der humorvollen Fantasy. Gerne mit letzterem wird sich aber gerne geschmückt. Dabei ist es, wenn wir einmal ehrlich sind, beinahe unmöglich, Pratchetts Klasse in diesem Genre zu erreichen. „Die Murdstone Trilogie“ von Mal Peet wirbt nun aber auf dem Cover unübersehrbar damit, „Fantasy und Comedy auf Augenhöhe mit Terry Pratchett“ zu sein. Ob das nicht ein Fehler ist (denn wer sich auf Augenhöhe sieht, muss sich auch zwangsläufig vergleichen lassen)?

Fangen wir also mit dem Wesentlichen an, der Atmosphäre. Terry Pratchett hat mit seiner Scheibenwelt etwas besonderes geschaffen. Das steht außer Frage, selbst wenn man seine Ideen und seine Art zu schreiben nicht mag. Genau das tut Mal Peet mit „Die Murdstone Trilogie“ nicht. Das Buch spielt nicht in einer fiktiven Welt, sondern dreht sich um einen Autoren in der unseren, welcher eine gehörige Portion Fantasy beigemischt wird. Das hat wenig mit TP zu tun, sondern erinnerte mich vielmehr an die Bücher von A. Lee Martinez, der mit diesem Rezept mittlerweile 10 erfolgreiche wie auch unterhaltsame Romane veröffentlicht hat. Prinzipiell ist das also nichts Schlechtes, zumal Peet bei seinem Roman genügend Eigenständigkeit aufweist, um sich seine eigene kleine Nische im Genre zu sichern. Das Trilogie-Konzept ist ein wesentlicher Bestandteil der Geschichte. Es wird auf eine stimmige Art auch auf das Buch selbst übertragen, das Konzept funktioniert also in beiderlei Hinsicht. Die Spannung bleibt dabei nicht auf der Strecke, denn je weiter Murdstone in seine eigene Geschichte verstrickt wird, umso mehr Wendungen gibt es auch. Zwar sind ein paar davon immer noch recht vorhersehbar, aber das wirkt sich nur wenig auf den Lesespaß aus. Das bezieht auch das Ende mit ein. Es ist unkonventionell und überraschend und lässt zudem eine Menge Platz für eigene Interpretationen.

In Hinsicht auf die Figuren ist „Die Murdstone Trilogie“ ebenfalls nicht mit Pratchett vergleichbar. Dessen Figuren hatten über viele Romane Zeit zu reifen, was bei Peet nicht der Fall ist. Dementsprechend sind Philip Murdstone & Co. nicht so detailliert ausgearbeitet wie im Vorbild. Was aber im Umkehrschluss glücklicherweise nicht bedeutet, dass sie uninteressant wären. Zwar reitet der Autor in vielen Punkten Klischees, was man aber durchaus als zum Konzept gehörend betrachten kann. Mir kam also so manches bekannt vor, allerdings werden die meisten Protagonisten nicht ohne ein gewisses Augenzwinkern präsentiert. Zudem gibt es besonders unter den Nebenfiguren die eine oder andere sehr abgefahrene. Zumindest in diesem Punkt ist der Vergleich zu TP durchaus sinnig und passend. Das tut der Geschichte gut und fügt sich sinnvoll in das Gesamtbild ein. Wenn man also keinen epischen Tiefgang erwartet, wird man durchaus zufrieden mit den Charakteren sein.

Stilistisch möchte man Mal Peet ebenfalls nur wenig Ähnlichkeit mit dem angeblichen Vorbild bescheinigen. Wie ich bereits sagte, sehe ich das Setting eher an Martinez angelehnt, das gilt ebenso für den Humor. Man sollte keine großen Lachsalven erwarten, sondern sich vielmehr auf häufiges Grinsen und Schmunzeln einstellen. Das Ganze ist an vielen Stellen eher oberflächlich und lässt die philosophischen und humanistischen Ansätze Pratchetts vermissen. Ist es deswegen schlecht? Nein, sicherlich nicht. Auch „Die Murdstone Trilogie“ konnte durch ihren eigenen Humor überzeugen. Mit Andreas Brandhorst hat sich der Piper Verlag zudem einen Übersetzer gesichert, der das Genre wie kaum ein zweiter seines Fachs kennt. Hier gibt es dann nämlich doch eine Parallele: Brandhorst war lange Zeit der Stammübersetzer für Pratchett und weiß einfach, wie man es macht. Damit schließt sich der Kreis dann wohl doch ein bisschen.

Fazit:

Die Murdstone Trilogie“ kann dem großspurig ausgesprochenen Vergleich bei genauer Betrachtung nicht standhalten, denn ein neuer Pratchett ist Mal Peet nicht. Wohl aber ein guter Autor, dessen Roman ein interessantes Konzept und eine Menge Schmunzelhumor aufweist. Gelangweilt habe ich mich beim Lesen zu keiner Zeit und fühlte mich am Ende doch gut unterhalten. Wenn auch mehr auf dem Niveau von A. Lee Martinez. Was aber sicherlich auch nicht schlecht ist.

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.

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