Taschenbuch: 378 Seiten
Verlag: Selbstverlag

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Klappentext:

Der erfolgreiche Thriller-Autor Andreas Herzog erwacht nach einem schweren Autounfall im Krankenhaus zu schrecklichen Neuigkeiten: Er soll seine Ex-Frau grausam verstümmelt und ermordet haben – vor den Augen ihres gemeinsamen Sohnes. Doch Herzog ist überzeugt von seiner Unschuld und stürzt sich in eine waghalsige Flucht mit der jungen Krankenschwester Lina. Während Herzog sich den Dämonen seiner Vergangenheit stellt, verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und Fiktion: Weitere brutal zugerichtete Leichen tauchen auf – ermordet nach dem Muster in Herzogs letztem Thriller …

Dieser schonungslose Thriller ist L.C. Freys bisher gewagtester Roman – und vielleicht auch sein persönlichster?

Kritik:

L.C. Frey hat sich im Laufe seiner eigentlich recht kurzen, veröffentlichungstechnisch gesehen aber dennoch schon sehr umfangreichen, Karriere bereits als echter Tausendsassa erwiesen. Humorvoller Mysteryhorror, eine Hommage an Poe, Liebesgeschichten und harte Horrorthriller, alles dabei. Letztes Jahr veröffentlichte er mit „Die Schuld der Engel“ seinen ersten klassischen Thriller, der auch direkt zum Amazon-Bestseller avancierte. „Totgespielt“ wandelt auf ähnlichen Pfaden.

Dass er dabei auf eigentlich recht klassische Genremotive zurückgreift, ist nicht verwerflich, letztlich kommt es ja in erster Linie auf die Umsetzung an – und die ist in diesem Fall mehr als gelungen. Frey gelingt es von der ersten Seite an, den Leser tief in die Geschichte zu ziehen und ihn in ein Verwirrspiel sondergleichen zu verwickeln. Immer wieder ließ er mich an der Schuld Herzogs an den bestialischen Morden zweifeln, nur um mich ein paar Seiten später wieder in meinem Glauben daran zu bestärken. Kurz darauf war ich dann überzeugt davon, dass es doch jemand anderes war (ich will ehrlich sein, zwischenzeitlich habe ich tatsächlich jede der Figuren mindestens einmal verdächtigt). So geht wendungsreich, sehr geehrte Damen und Herren! „Totgespielt“ weiß also mit einem Spannungsbogen zu überzeugen, der sich nicht aus der klassischen Jagd nach dem Täter aufbaut (auch wenn dieser Aspekt natürlich ebenfalls gegeben ist), sondern vielmehr aus der Tatsache, dass man sich bis zum letzten Satz (und das ist absolut wörtlich zu nehmen) nicht sicher sein kann, wer denn nun zur Verantwortung zu ziehen ist. Das Finale selbst ist extrem temporeich, setzt dem ganzen Roman und den vorangegangenen Ereignissen noch einmal die Krone auf und… lässt den Leser dann mit einem der wohl größten „What the fuck“-Momente der Thrillergeschichte sitzen. Bis man das Nachwort liest und dann noch lauter „WHAT THE FUCK???“ schreien möchte… Atmosphärisch ist Freys jüngstes Werk sehr dicht geraten. Auch hier zieht es seine Wirkung in erster Linie aus dem Verwirrspiel um den Mörder und, noch wichtiger, aus der gelungenen Dynamik zwischen den Figuren. Alles richtig gemacht.

Die Figuren sind dann auch direkt der nächste Punkt, den es anzusprechen gilt. Der Autor baut in „Totgespielt“ nicht auf den klassischen, verzweifelten Helden. Eher im Gegenteil, zu Beginn des Romans ist Herzog ein ausgemachtes, wenn auch ziemlich verzweifeltes, (man möge mir die Wortwahl verzeihen) Arschloch. Erst mit voranschreitender Geschichte gelingt es dem Leser, doch eine gewisse Sympathie zu ihm aufzubauen, die sich am Ende dann tatsächlich so weit ausbaut, dass man vollends mit ihm leidet und sich nur noch eine Aufklärung wünscht. In seinem Sinne wohlgemerkt. Auch der weibliche Gegenpart Lina ist sehr gut ausgearbeitet und auch sie ist vieles, aber nicht die typische Thrillerheldin. Näher darauf einzugehen fällt ohne zu spoilern etwas schwer, weswegen ich an dieser Stelle nur sagen möchte, dass der geneigte Leser sich am besten selbst davon überzeugen sollte. Wie oben bereits erwähnt funktioniert die zunächst etwas seltsam anmutende Beziehung der beiden so gut, dass sie einen nicht unwesentlichen Teil der Buchatmosphäre ausmacht. Leider findet sich hier aber auch der einzige echte Makel des Romans. Auch wenn das jetzt um es ganz genau zu nehmen etwas harsch ausgedrückt ist. Zwischenzeitlich gibt es Passagen, in denen die Anrede Herzogs an Lina vom vertraulichen „Du“ zum förmlichen „Sie“ wechselt, um kurz darauf wieder beim „Du“ zu landen. Nichts, was weh tut also. Aber man kann ja nicht nur loben.

Was den Stil angeht ist auch „Totgespielt“ wieder ein typischer Frey. Sprachlich straight auf den Punkt, ohne große Schnörkel und sehr gut verständlich. Wie immer in seinen Werken („Das Geheimnis von Barton Hall“ einmal ausgenommen) wird auch hier immer wieder ein feiner zynischer/ ironischer Unterton eingewoben, den man fast schon als Trademark des Autoren bezeichnen möchte. Dazu kommen immer wieder kleine Gewaltspitzen, die zwar im Vergleich zu anderen Thrillerautoren wie zum Beispiel Chris Carter noch recht harmlos ausfallen, aber dennoch dafür sorgen, dass dem Roman eine angemessene Portion Härte verliehen wird.

Fazit:

Mit „Totgespielt“ beweist Lutz C. Frey erneut, dass er sein Handwerk beherrscht. Das Buch hat alles, was einen guten Thriller ausmacht, die Geschichte ist sehr wendungsreich und lässt den Leser bis zum Schluss im Unklaren darüber, wer nun tatsächlich der gesuchte Mörder ist und beschert ein Ende, welches ich einfach nur als genial bezeichnen möchte. Eine tolle Dynamik zwischen den Hauptfiguren und der typisch zugängliche, verständliche und temporeiche Stil Freys sorgen dafür, dass ich ihn mittlerweile gemeinsam mit Siegfried Langer ganz vorne in den Reihen der unbekannteren deutschen Thrillerautoren sehe, seinem „Totgespielt“ mit ruhigem Gewissen die Höchstpunktzahl aufdrücke und in der Überzeugung bestärkt werde, mir den Vorgänger „Die Schuld der Engel“ unbedingt noch zulegen zu müssen.

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.