Taschenbuch: 212 Seiten
Verlag: Selbstverlag

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Klappentext:

Port, New Hampshire, in den letzten Jahren des neunzehnten Jahrhunderts. Der Tod seines vermögenden Vaters zieht den jungen Robert Barton zurück nach Barton Hall, dem Stammsitz seiner Familie. Aus Langeweile beginnt er sich mit den merkwürdigen Umständen zu beschäftigen, die zum Tod seines Vaters führten und gerät bald selbst in einen Strudel aus üblen Ahnungen und uralten Geheimnissen.

Wer oder was hat John Barton tatsächlich umgebracht und wie hängt das alles mit dem finsteren, halbverfallenen Haus auf dem Hügel über der Stadt Port zusammen?
Eine klassische Schauernovelle aus dem Sloburn-Universum und eine Verneigung vor H.P. Lovecraft und E.A. Poe.

Kritik:

Bislang ist ja jede Veröffentlichung von Lutz C. Frey hier auf dem Blog besprochen worden und ich sehe keine Veranlassung dafür, daran etwas zu ändern. Okay, man mag nun vielleicht anführen, dass seine neuste Veröffentlichung “Das Geheimnis von Barton Hall” in eine gänzlich andere Richtung steuert als alle seine anderen Werke. Man könnte aber auch sagen „Mal wieder“, denn auch Draakk war ja schon deutlich anders als die Sloburn-Reihe. Lassen wir uns also überraschen und vom Autoren zurück ins späte 19. Jahrhundert tragen.

Es sollte gleich vom Start weg erwähnt werden, dass diese Novelle tatsächlich überhaupt nicht zu den bisher veröffentlichten Büchern Freys passt. Man hat es hier nicht mit einem klassischen Horrorroman, sondern vielmehr mit einer noch viel klassischeren Schauergeschichte zu tun. Man bleibt also dem Genre auf die eine oder andere Art schon treu, probiert aber wieder einmal etwa neues aus. „Das Geheimnis von Barton Hall“ kommt im Gewand eines vom Erzähler verfassten Briefes daher, der eine Zusammenfassung des bisherigen Lebens der Hauptfigur, mit einem Fokus auf das letzte Jahr, darstellt. Hierdurch entsteht ein interessanter Spannungsbogen, der sich zwar nicht unbedingt auf dem höchsten Niveau bewegt, jedoch dauerhaft zum Weiterlesen animiert. Weitaus mehr als von der Spannung wird die Geschichte von ihrer Atmosphäre getragen, welche, der gewählten Erzählform sei es gedankt, sehr glaubwürdig und authentisch auf den Leser wirkt und ihn tatsächlich ein Stück weit zurück in die Zeit der alten Herrenhäuser und aristokratisch angehauchter Lebensweise führt. Das ist Frey sehr gut gelungen und weiß vollends zu überzeugen. Leider muss man aber sagen, dass das Ende schon etwas vorhersehbar gewesen ist und der Storytwist – so es denn ein solcher sein sollte – nicht richtig funktioniert.

Was dafür jedoch sehr gut funktioniert, sind die Figuren. Der Autor hat es geschafft, eine gelungene Mischung aus grundverschiedenen Charakteren in seine Novelle zu packen, die sich sehr gut in den Zeitraum der Handlung einzupassen vermögen. Sie agieren glaubwürdig, wenn auch im Falle des Antagonisten etwas durchschaubar und sind mit einem ansprechenden Background versehen. Man kann hier keinerlei Schwachstellen ausmachen, jene die Frey im Nachwort von „Das Geheimnis von Barton Hall“ bereits selbst kommentiert, vielleicht mal ausgenommen. Diese fallen aber nicht spürbar ins Gewicht und sollten somit den Lesespaß auch nicht trüben.

Stilistisch fällt es mir etwas schwer, ein objektives Urteil zu verfassen. Ich habe mich vor einiger Zeit an Lovecraft versucht und dieses Experiment dann abgebrochen, da mir das Lesen auf Dauer deutlich zu anstrengend geworden ist. Ähnlich verhält es sich in dieser Novelle. Lutz C. Frey adaptiert den klassischen Stil jenes Genrehelden sehr gelungen und somit ist auch hier kein locker-flockiges Durchschnittsbuch zu erwarten. Was für mich jedoch anstrengend ist, dürfte für Freunde der klassischen Gruselliteratur (und das klassisch bitte ich an dieser Stelle tatsächlich wortwörtlich zu nehmen) jedoch durchaus ein Grund sein, sich noch ein bisschen mehr über „Das Geheimnis von Barton Hall“ zu freuen. Gelungen finde ich auch die Querverbindungen zu seinen anderen Werken, schließlich ist die selbsterdachte Stadt Port der Hauptschauplatz seiner Sloburn-Reihe und somit ist es nicht weiter verwunderlich, dass es hier und da die eine oder andere offensichtliche Schubser in die Neuzeit zu entdecken ist. Nicht zuletzt natürlich die Beauftragung eines gewissen Detektivs im Epilog.

Fazit:

„Das Geheimnis von Barton Hall“ ist sicherlich kein typischer Lutz C. Frey, wobei es ja ohnehin schwer fällt, einen typischen Stil zu diagnostizieren. Fakt ist, dass man es hier mit einer Gruselnovelle im Stil der alten Meister zu tun bekommt, die für den durchschnittlichen Leser moderner Horrorliteratur sicherlich etwas anstrengend ist, aber dennoch seinen Unterhaltungswert hat. Wer ohnehin ein Faible für Lovecraft, Poe und Co. hat, dem sei diese Novelle aber auf jeden Fall wärmstens ans Herz gelegt.

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Drakk – Etwas ist erwacht
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Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.

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