OT: After The Storm

Taschenbuch: 400 Seiten
Verlag: Fischer Taschenbuchverlage

Übersetzung: Helga Augustin

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Kate Burkholder-Reihe, Band 7

Klappentext:

Über die alte Scheune kursieren viele Geschichten. Die neunjährige Sally Ferman kennt sie alle. Sie weiß nicht, ob sie stimmen. Sie weiß nur, dass sie keinen unheimlicheren Ort kennt als dieses verfallene Gebäude mit seinem steinernen Fundament und den dunklen Fenstern.

Als der Tornado über Painters Mill in Ohio hinwegfegt, legt er nicht nur die halbe Stadt in Schutt und Asche. Er bringt auch etwas zum Vorschein, was besser in der Erde geblieben wäre. Unter einer eingefallenen Scheune werden die Überreste eines menschlichen Skeletts gefunden. Wer ist der Tote? Und warum lag er jahrelang hier vergraben? Als Doc Coblenz die Leiche obduziert, wird klar, dass diese Leiche keines natürlichen Todes gestorben ist. Und plötzlich muss Kate noch einmal in einem 30 Jahre zurückliegenden Fall ermitteln, der damals die kleine Amisch-Gemeinde von Painters Mill beschäftigte, zu der sie auch gehörte. Ein altes Familiengeheimnis und ein ungesühntes Verbrechen – Kate Burkholders siebter Fall führt sie an einen unheimlichen Ort.

Kritik:

Grausame Nacht“ ist bereits der siebte Band von Linda Castillos Thriller-Reihe um die Ermittlerin Kate Burkholder. Mir war bislang nur der zweite Band der Serie, „Blutige Stille„, bekannt. Dieser konnte mich seinerzeit durchaus überzeugen und somit waren die Vorzeichen recht gut, als nun bei Fischer Taschenbuch die aktuellste Fortsetzung ihr deutsches Release erfahren hat.

Leider muss ich jedoch sagen, dass mich der Roman, anders als der Vorgänger, nicht vom Start weg packen konnte. Sicherlich, die Tornadopassage ist ziemlich actionreich und auch nicht unspannend ausgefallen, unglücklicherweise passiert dann aber erstmal für etwa 100 Seiten kaum etwas. Bis hierhin kann man fast schon von einer Einführung der Figuren sprechen, von denen viele auf den ersten Blick nicht unbedingt relevant für die Geschichte erscheinen. „Grausame Nacht“ folgt keinem stetig steigenden Spannungsbogen, sondern plätschert zunächst also nur mehr oder weniger vor sich hin, widmet sich über weite Strecken mehr dem Gefühlsleben der Ermittlerin, als sich auf den eigentlichen Fall zu konzentrieren. Dadurch kam es für mich zu einigen Längen, in denen ich kurz davor war, das Buch zur Seite zu legen. Das wäre an sich schon ärgerlich genug, allerdings kommt es später noch dicker. Nach nicht einmal der Hälfte der Geschichte habe ich in meinen Notizen zum Buch einen Gedankengang verfasst, wie es mit der Story weitergehen könnte. Die dann dummerweise auch bis ins letzte Detail genau so verlief. Das ist extrem ärgerlich, denn so wird aus dem Buch nicht viel mehr als ein Krimi von der Stange. Keine Überraschungen, keine Wendungen, die man nicht hat kommen sehen. Da reißen dann auch die zwei, drei Spannungsspitzen, durch die das Label „Thriller“ mit allen zugedrückten Hühneraugen vielleicht noch akzeptiert werden kann, nicht mehr viel raus. Was insbesondere auf Grund der wieder sehr gelungenen Atmosphäre des Buches ärgerlich ist, denn das kann Linda Castillo wirklich gut: ein Bild von Painters Mill im Kopf des Lesers entstehen lassen, welches nahezu greifbar ist und sich besonders durch die sehr engen Bezüge zu den Amisch von einem Großteil der mir bekannten Krimiwelt unterscheidet.

Eine weitere Stärke ist die Figurenzeichnung. Mit Kate Burkholder wird eine sehr menschliche Ermittlerin präsentiert, die in „Grausame Nacht“ jedoch fast schon an ihren Problemen zu ersticken scheint. Die Autorin hat hier ziemlich dick aufgetragen, sodass sich der Roman streckenweise mehr wie ein Drama liest als wie ein Krimi/ Thriller. Ich persönlich hätte mir hier etwas weniger persönliches Unglück gewünscht, dafür mehr Spannung in der eigentlichen Geschichte. Die Figuren wären trotzdem noch glaubwürdig geblieben, denn was auf Castillos Hauptcharakter zutrifft, überträgt sich auch auf die Nebenfiguren. Sie alle sind mit einem Hintergrund ausgestattet, der sie sehr bodenständig und echt wirken lässt und durchaus dafür ausgereicht hätte, die Akteure in ihrer Gesamtheit glaubhaft wirken zu lassen.

Stilistisch kann man der Autorin nicht viel vorwerfen. Wie bereits eingangs erwähnt, gelingt es ihr sehr gut, ihre Kleinstadt so zu beschreiben, dass sie im Kopf des Lesers tatsächlich zu wachsen beginnt, die Schauplätze immer greifbarer werden. Man merkt ihr zudem auch an, dass sie sich viel mit der Kultur der Amische beschäftigt hat, denn hier kann man, Interesse vorausgesetzt, tatsächlich auch die eine oder andere wissenswerte Information mitnehmen, ohne dass das Buch dabei belehrend wirkt. Verbunden mit einer anspruchsvollen Wortwahl ergibt das ein gutes Bild. Schade nur, dass „Grausame Nacht“ dabei die wichtigste Zutat eines Thrillers vermissen lässt. Die Übersetzung von Helga Augustin liest sich angenehm flüssig und rund, ich denke, dass man sich für ihre gute Arbeit bedanken darf.

Fazit:

Für mich persönlich war „Grausame Nacht“ eine ziemliche Enttäuschung. Zwar versteht Autorin Linda Castillo es sehr gut, Bilder im Kopf des Lesers entstehen zu lassen und auch ihre Figuren sind sehr realistisch und bodenständig ausgearbeitet. Das hilft aber leider nichts, wenn das wichtigste Stilmittel eines Krimis (denn gegen das „Thriller“-Label wehre ich mich in diesem Fall doch etwas) viel zu kurz kommt: die Spannung. Nach einer ziemlich langen Einleitung folgt nur eine kurze Passage, die recht interessant scheint, danach ist das Buch so vorhersehbar, dass es schon nicht mehr feierlich ist. Die Ermittlungen selbst stehen dabei aber auch nicht weit genug im Fokus, als dass man hieraus den Lesespaß ziehen könnte. Sehr schade, denn eigentlich war ich nach „Blutige Stille“ wirklich guter Dinge, was den neuen Castillo angeht.

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Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.

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