LBM 2018Am 16.03. sollte es endlich soweit sein. Nachdem ich es mir in den letzten Jahren immer wieder vorgenommen hatte, aber aus unterschiedlichen Gründen nie den Weg gen Leipzig angetreten habe, sollte es 2018 endlich klappen. Soweit sah auch alles gut aus. Bis ich am Morgen die Rolläden geöffnet habe und einen ersten Blick auf das langsam einsetzende Schneetreiben werfen durfte. Den Impuls unterdrückend, die Schaluppen einfach wieder runterzulassen und mich wieder ins Bett zu verkrümeln, machte ich mich also leise vor mich hin knurrend und fluchend (zu mehr bin ich vor dem ersten Kaffee ohnehin nicht in der Lage) also auf den Weg in die Küche, schon damit rechnend, dass die Hinfahrt (immerhin rund 170 Kilometer) sich wohl deutlich länger ziehen würde, als veranschlagt.

Glück im Unglück, denn immerhin blieb der Schneefall zunächst verhalten und die Straßenmeistereien schienen doch nicht so sehr vom plötzlichen Wintereinbruch überrascht worden zu sein (was sie im Winter – und jetzt komme mir niemand damit, dass wir meteorologisch schon Frühling haben – seltsamerweise ja immer sind). Die knappen zwei Stunden Fahrt liefen bequem ab, einzig vor der Abfahrt zum Messegelände staute es sich etwas. War schon irgendwie ein witziges Gefühl, an den Warteschlangen vorbei direkt zum Presseparkplatz fahren zu dürfen. Na ja, egal. Halb 11, ich bin drinnen. Yay!

Der Pressebereich grenzte dann direkt auch an die Halle 1. Die Mangacon. Unvermittelt bin ich wenige Schritte in die Halle gestolpert, nur um direkt und ebenso unvermittelt wieder hinaus zu stolpern. Nein, ist wirklich nicht meins. Auf der anderen Seite muss man aber ganz deutlich sagen, dass die Cosplayer, die sich auch dieses Jahr wieder in rauen Mengen auf der Messe zeigten (und im letzten Jahr Anlass zu kontroversen und vor allem unsinnigen Diskussionen gewesen sind), schon eine enorme optische Aufwertung zum klassischen Messepublikum sind. Bunt und verrückt, passt doch irgendwie zur Internationalität der Buchmesse. Ich kann den Aufriss, der darum gemacht wurde, also nach wie vor nicht nachvollziehen und kann viele der jungen Damen und Herren nur zu ihrem Geschick bei der Kreation ihrer Kostüme beglückwünschen. Da wird man fast ein bisschen neidisch. Und ganz ehrlich: Störend waren die Cosplayer zu keinem Zeitpunkt.

Ich muss gestehen, dass ich relativ unbedarft und ohne große Vorbereitung nach Leipzig gefahren bin. Keine Termine, kein Zeitdruck – dachte ich mir zumindest. Ich wusste, wo ich auf jeden Fall vorbeischauen wollte und hatte dazu ein paar Leute auf dem Schirm, mit denen ich mich gern treffen würde – und dazu auch schon in Kommunikation gestanden habe. Witzigerweise hat aber mit genau diesen Menschen das Treffen nicht geklappt. Der eine nicht am Stand, die andere gerade irgendwo unterwegs … so kann es gehen. Mein Fazit in diesem Punkt für das nächste Jahr: Termine machen, Junge. Sonst wird das nix.

LBM 2018Glücklicherweise ist es ja aber so, dass manche Menschen schlicht nicht vor einem weglaufen können. Mein erstes Opfer ist in diesem Fall also Frank Festa gewesen. Wir hatten uns ab und an mal über Facebook unterhalten, aber insgesamt eher wenig Kontakt miteinander gehabt. Umso größer meine Überraschung, als ich ihm die Hand entgegenstreckte, mich brav und artig (ja, ein bisschen Erziehung habe ich dann doch genossen) mit “Sebastian von Stuffed Shelves” vorstellte und als Antwort ein breites Grinsen kam. “Ich weiß doch, wer du bist”, kam die spontane Antwort von Frank und so waren wir schnell in ein sehr freundliches Gespräch über den Verlag, gemeinsame persönliche Bekannte und die Bücher des Festa Verlags im Allgemeinen verstrickt. Damit war der offizielle Auftakt schon mal gelungen. Leider habe ich es am Nachmittag nicht mehr geschafft, auch mit Inge ein paar Worte zu wechseln, da sie vollauf mit der Autogrammstunde von Edward Lee beschäftigt schien. Na ja, aufgeschoben ist bekanntlich nicht aufgehoben und mit verpassten Gesprächen verhält es sich ja auch ein bisschen wie mit vergessenen Gegenständen: Sie sind ein Grund, wieder zu kommen.

LBM 2018Von dort aus zog es mich weiter in die Halle 3, wo der Verlag Torsten Low sein Straßenlager aufgeschlagen hatte. Torsten, der ebenso bissige wie auch reisende Verleger, war  bester Laune und man merkte ihm sofort an, dass er nicht nur auf Veranstaltungen geht, um zu verkaufen, sondern weil er einfach dafür lebt. Ich glaube, der Mann braucht den Kontakt zu seinen Lesern so sehr wie Luft zum Atmen – der Umgang mit den Standbesuchern ist schwer zu beschreiben, man muss ihn einfach einmal live und in seinem Element erlebt haben. Und auch hier, sehr zu meiner Überraschung: Wiedererkennen, ohne dauernden Kontakt miteinander gehabt zu haben. Ich glaube, dass ist einer der Gründe, warum ich die Kleinverlage so sehr mag. Es ist einfach alles viel persönlicher und ungezwungener, weniger anonym als der Umgang mit den “Großen”. Offenbar trifft das auch auf die Messe zu, denn wo ich meine Ansprechpartnerin bei Droemer-Knaur leider mehrfach verpasst habe, sind bei den “Kleinen” immer die richtigen Leute vor Ort gewesen. Manchmal sogar im Doppelpack, denn noch während ich mit Torsten gesprochen habe, tauchte ein anderes Gesicht auf. Eine ausgestreckte Hand, ein “Hi, ich bin Michael von Voodoo Press” und schon entstand ein Foto unter dem Motto “Kleinblogger und Kleinverlage vereinigt euch”.

Direkt um die Ecke dann auch schon der nächste Pflichtstand, denn Jürgen Eglseer und den Amrûn Verlag kenne ich mittlerweile schon recht lange und natürlich musste auch hier die Gelegenheit ergriffen werden. Und auch hier: das persönliche Treffen hat die Akteure nur noch sympathischer werden lassen. Auch wenn Jürgen ziemlich im Stress war, hat er sich Zeit für ein wenig Smalltalk genommen und dabei erstaunlich offen über Themen gesprochen, die normalerweise nicht so sehr an die Öffentlichkeit gebracht werden (und auch an dieser Stelle nur in einem kurzen Nebensatz erwähnt werden 😛 ). Ein weiterer lohnenswerter Besuch also.

André Milewski ist erst vor kurzem mit seiner “Geheimakte Inkarrí” hier vertreten gewesen und im Lauf des Gesprächs rund um das Buch stellte sich heraus, dass er ebenfalls auf der LBM sein würde. War vermerkt und musste dementsprechend ebenfalls besucht werden. Ich weiß, euch wird es sicher langsam langweilig, aber leider gibt es auch hier keine Skandale, überkochende Antipathien oder Gewaltausbrüche, über die ich berichten könnte. Ein weiteres tolles Gespräch, verbunden mit der Info, dass er derzeit an der nächsten Geheimakte schreibt und diese wohl im April oder Mai erscheinen wird. Also Abenteuerfreunde, das könnt ihr euch schon mal vormerken.

Und was gab es sonst noch so? Natürlich habe ich auch den Stand von Voodoo Press besucht, um mich dort noch einmal mit Michael zu unterhalten. Wir sind uns einig darin, dass Jeff Strand ein ziemlich durchgeknallter Typ ist, was ihn zugleich aber auch sehr sympathisch macht. Ein echtes Unikum eben. Außerdem darf ich mich auf die vier Bücher freuen, die VP von Nate Southard verlegen wird. Dessen Deutschland-Debüt “Red Sky” hat mich seinerzeit ja ziemlich geflasht und vor allem das Buch “Pale Horse” reizt mich schon eine ganze Weile – jetzt muss ich doch nicht das englische Original lesen, sondern darf mich auf eine Übersetzung freuen.

LBM 2018Natürlich war ich nicht nur auf diesen paar Ständen, sondern habe mich auch bei den großen umgesehen. Besonders bei Piper gab es eine Menge interessante Titel zu sehen, auch wenn ich es leider nicht geschafft habe, mich mal persönlich mit Andreas Brandhorst zu treffen – das hätte mich schon sehr gereizt. Aber nun ja, man kann es ja nicht ändern. Auch Fischer war interessant, insbesondere der Sonderstand zu “Ready Player One”, der (vorwiegend recht jungen) Besuchern die Möglichkeit gab, in die Virtual Reality abzutauchen. Und dann sind da natürlich noch diese kleinen Begegnungen, zum Beispiel wenn man bei Droemer-Knaur fast in Sebastian Fitzek hineinstolpert, der dort völlig zwangslos Bücher signierte (ohne dabei eine offizielle Autogrammstunde zu geben). Oder man, gerade auf dem Weg zurück zum Auto, von hinten angesprochen wird. “Du bist doch Sebastian?” Und dann steht man vor Helmut Pöll und Claudia Kowalski von Whatchareadin, mit die man, zumindest online, auch schon eine geraume Weile kennt, ohne dass man sich je persönlich begegnet wäre. Für mich der perfekte Abschluss zu einem spannenden, teilweise aber auch anstrengenden, Tag.

LBM 2018Die Rückfahrt war dann übrigens tatsächlich etwas haarig. Bis nach Sachsen-Anhalt noch alles im grünen Bereich, dann gings los. Schnee, gefrierende Scheibenwischer (echt uncool, wenn der Regensensor der Meinung ist, dass man dauerhaft im Starkregen unterwegs ist) und eine Durchschnittsgeschwindigkeit von knapp 60. Aber egal, das war es wert. Und auch wenn ich eigentlich zur Messe gefahren bin, um eben diese persönlichen Treffen endlich einmal wahrnehmen zu können, konnte ich dann doch nicht so ganz ohne Mitbringsel nach Hause fahren. Aber zumindest bin ich nicht so eskaliert, wie ich es hätte tun können – auch wenn es mich einiges an Selbstbeherrschung gekostet hat ;-).

In diesem Sinne: Danke allen Gesprächspartnern für ein tolles Messedebüt – ich hoffe, man sieht sich nächstes Jahr wieder.

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.