OT: Red Mars

Taschenbuch: 796 Seiten
Verlag: Heyne

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Mars-Trilogie, Band 1

Klappentext:

Es ist die größte Herausforderung, der sich die Menschheit je gegenübersah: die Besiedlung unseres Nachbarplaneten Mars. Die Verwandlung einer lebensfeindlichen Wüstenwelt in einen blauen Planeten wie die Erde. Von der ersten bemannten Landung auf dem Mars über die frühen Kolonien und ihre Auseinandersetzungen, welche Form von Gesellschaft sie erbauen sollen, bis zum riskanten Versuch, das Klima einer ganzen Welt zu verändern – Kim Stanley Robinson erzählt in seiner Mars-Trilogie die Geschichte der Zukunft wie ein großes historisches Epos.

Kritik:

Science-Fiction gehört nicht gerade zu den beliebtesten Genres in Deutschland, das ist leider nur zu offensichtlich. Das Thema wird in der Literatur vorwiegend dann wieder etwas in den Vordergrund gebracht, wenn das Medium Film ebenfalls ein neues Genre-Zugpferd am Start hat. So nun geschehen mit „Der Marsianer„, in dessen Fahrwasser (so zumindest meine Vermutung) der Heyne-Verlag die Mars-Trilogie von Kim Stanley Robinson in einer optisch sehr ansprechenden Neuauflage auf den Markt wirft.

Ich selbst sehe mich nun durchaus als SciFi-Freund, der auch mit den eher wissenschaftlich/ philosophischen Werken eines Isaac Asimov keine Probleme hat, sondern sie im Gegenteil als einen wichtigen Grundstein der modernen Zukunftsvisionen sieht. „Roter Mars“ geht vom Grundsatz her in die gleiche Richtung, jedoch fehlte mir hier einiges, was Asimov so ansprechend macht. Der Autor konfrontiert den Leser direkt auf den ersten Seiten bereits mit einer anlaufenden Revolution auf dem roten Planeten, nur um ihn dann die ganze Reise bis dorthin vom Start weg miterleben zu lassen. Ein eigentlich nicht ungeschickter Ansatz, denn man weiß zwar direkt, wohin die Geschichte sich entwickeln wird, ist aber gespannt darauf, wie es so weit kommt. Robinson beschreibt das dann auch sehr detailliert. Mitunter zu detailliert, denn wenn schon auf einen klassischen Spannungsbogen weitestgehend verzichtet wird (dieser nimmt erst zum Schluss hin etwas Fahrt auf), so sollte der Leser zumindest nicht mit überbordenden und für die Geschichte völlig unerheblichen Details wie zum Beispiel eine fast 3/4seitige Auflistung (!) des Inhalts eines Werkzeugschuppens (!!) verzichtet werden. Solche Passagen finden sich öfters und ich muss gestehen, dass ich mehr als einmal versucht war, den Roman auf Grund akuter Langeweile und unsinniger Fülltexte wieder ins Regal zu stellen. Bei der Stange halten dann letztlich nur die sehr nachvollziehbaren geschilderten Entwicklungen auf der Reise zum Mars und nach der Ankunft dort. Dennoch, nach meinem Dafürhalten hätte das Buch doch um einiges gestrafft werden können, um eine kompaktere und weniger aufgeblasene Geschichte zu präsentieren.

Ein Pluspunkt sind die unterschiedlichen Figuren des Buches. „Roter Mars“ lässt geschickt Menschen unterschiedlicher Nationen mit ganz eigenen Wünschen und Zielen aufeinander treffen. Hierbei entsteht eine Gruppendynamik, die man so durchaus auch in einer Studie erwarten würde. Robinson gelingt es hierbei gut, seine Charaktere nicht prinzipiell in gut und böse zu unterteilen, sondern jeder von ihnen ihre eigenen Schattierungen und Graustufen mit auf den Weg zu geben und dem Leser ihre Motivation für die jeweiligen Handlungsweisen nahe zu bringen. Auch das mag zwar manchmal ermüdend wirken, ist letztlich aber die größte Stärke des Romans.

Der Stil Robinsons ist vom Grundsatz her sehr ansprechend und zumeist auch eingängig. Man sollte sich aber immer vor Auge führen, dass man es hier nicht mit einer militärisch angehauchten Zukunftsvision zu tun hat, sondern viel mehr mit einer eher wissenschaftlichen und dementsprechend anspruchsvollen Herangehensweise konfrontiert wird. Hierbei werden viele Details vermittelt, die nicht unbedingt beim ersten Lesen hängen bleiben. Im Gegensatz dazu stehen die sehr anschaulichen Beschreibungen des Mars und die damit verbundenen Naturphänomene, bei denen es tatsächlich so wirkt, als ob Robinson sie live miterlebt hätte.

Fazit:

Roter Mars“ ist sicherlich kein Science Fiction-Roman für jedermann. Der Autor versucht in der Herangehensweise in die Fußstapfen Isaac Asimovs zu treten, verfehlt aber den Anschluss in Sachen Spannungsaufbau. Wo es dem Vorbild gelang, seine philosophischen Sichtweisen unterhaltsam zu vermitteln, hatte Kim Stanley Robinson doch so seine Probleme damit, mich dauerhaft bei der Stange zu halten. Erschwerend kommen die vielen unnötigen Details hinzu, die weder der Geschichte Vortrieb verleihen noch in der jeweils aktuellen Situation unbedingt wissenswert gewesen wären. Dem entgegen steht jedoch eine sehr gelungene Gruppendynamik sowie sehr anschauliche Beschreibungen der Marsoberfläche, welche für eine sehr gute Atmosphäre sorgen. Leider überwiegen, zumindest auf mich bezogen, die negativen Punkte, sodass ich nur eine bedingte Empfehlung für das Buch aussprechen kann.

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.

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