Taschenbuch: 400 Seiten
Verlag: Heyne
Übersetzung: Christine Strüh

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Klappentext:

Seit ihrem zwölften Lebensjahr sind Victoria und Caitlin Freundinnen und Verbündete im Kampf gegen den langweiligen Alltag. Zwar sehen sie sich seit ihrem Schulabschluss nur noch selten, aber an ihren Gefühlen hat sich nichts geändert. Bis Victoria eines Tages einen Anruf erhält. Caitlins Neuigkeiten treffen sie wie ein Schlag und versetzen sie zurück in einen Sommer voller Geheimnisse.

Kritik:

Eigentlich wollte ich von Judy Blume zuerst einen anderen Roman lesen, aber dann sprang mir doch „Sommerschwestern“ ins Auge. Ich mag Geschichten über Freundschaft, vor allem dann, wenn sie schön erzählt sind. Und da ich von Judy Blume noch nie gehört hab, aber immer neugierig auf neue Dinge bin, hab ich zugegriffen. Und ich hab es nicht bereut. Einen besseren Roman hätte ich mir nicht wünschen können, um mich auf die für mich neue Autorin einzulassen.

Kommen wir erst einmal zur Geschichte. Natürlich ist die Idee keineswegs neu. Geschichten über Freundschaften gibt es wie Sand am Meer. In dieser Geschichte geht es um Vix und Caitlin. Die beiden Mädchen könnten unterschiedlicher wirklich nicht sein. Caitlin ist schön und beliebt, wächst in einer schillernden Familie auf und hat augenscheinlich alles, was sich ein Kind nur wünschen kann. Vix ist das genaue Gegenteil: bodenständig und eigentlich vernünftig, ein bisschen unscheinbar, wächst in einer Familie auf, in der es ihr an Aufmerksamkeit, Geld und Geborgenheit ein bisschen fehlt. Aber Caitlin hat Vix auserkoren mit ihr den Sommer zu verbingen, und damit ändert sich für sie alles. Fortan verbringt sie jeden Sommer mit Caitlin auf Martha’s Vineyard. Über etwa 20 Jahre hinweg wird hier die Geschichte einer Freundschaft gesponnen, wie sie entstanden ist, wie sie sich entwickelt, aber auch wie sich die Mädchen selbst entwickeln. Man sieht also, Judy Blume hat hier eigentlich nichts neues geschaffen. Was den Roman aber dennoch so unglaublich sympathisch macht, ist die Melancholie, in die er einen mit leisen Tönen versetzt. Die Geschichte ist so nah an der Realität gesponnen, dass man ganz unwillkürlich an die eigenen Sommer, die man als junges Mädchen verbracht hat, zurück denken muss.

Und genau das ist das große Plus der Autorin. Ihr Stil und ihre Art zu erzählen verzaubert einen regelrecht. Man möchte es überall lesen, ob nun abends eingewickelt in eine Decke auf der Hollywoodschaukel oder in der Sonne am Badesee. Einen furchtbar aufgeprägten Spannungsbogen darf man nicht erwarten, auch wenn schon zu Beginn des Buches schnell klar wird, dass es einen Punkt in der Freundschaft der beiden Mädchen gegeben hat, an dem die Stimmung kippte und sie eben auch mit schlechten Erlebnissen und Erinnerungen gekämpft haben. Und selbstverständlich möchte man als Leser herausfinden, was genau denn passiert ist. Also ja, dieser kleine Spannungsbogen ist tatsächlich gegeben, aber im Großen und Ganzen hat Judy Blume eher einen Stil, der zum Träumen und Versinken anregt. Ich hab vorher schon andere Rezensionen gelesen, und so weiß ich, dass bemängelt wurde, dass einzelne Kapitel aus Sicht der einen oder anderen Nebenfigur geschildert wurden. Ich persönlich mag diesen Stil aber sehr, weil es dem Leser hilft, auch die Nebenfiguren ein bisschen besser kennenzulernen.

Die Charaktere in dieser Geschichte sind allesamt recht realitätsnah gestrickt. Das hat mir extrem gut gefallen. Anfangs fällt es dem Leser ein bisschen schwer, sich auf die Charaktere einzulassen, zumindest erging es mir so. Caitlin und Vix wirkten ein wenig wie ein Klischee, aber recht schnell zeigte sich, dass ihre Handlungs- und Denkweisen einfach menschlich sind und ein Produkt der Art, wie sie aufgewachsen sind. Das macht die beiden für mich sehr realistisch, weil man beide stets nachvollziehen und verstehen kann. Also gibt es auch hier einen erhobenen Daumen für Judy Blume. Ich muss gestehen, meine Sympathien lagen eher bei Vix als bei Caitlin, aber das bedeutet nicht, dass letztere unsympathisch wird, denn trotz allem wirkt sie ein bisschen wie eine verlorene Seele auf der Suche nach sich selbst. Generell kann man die Entwicklungen, die die Charaktere auf dem Weg zum Erwachsenwerden durchmachen, gut herauslesen. Auch die Nebenfiguren wurden wunderbar ausgeleuchtet und blieben nicht auf der Strecke, wie es leider sonst sehr oft der Fall ist. Jeder Charakter wurde individuell ausgearbeitet und hat seine Facetten bekommen. Großartig.

Fazit:

Judy Blume hat mit „Sommerschwestern“ vielleicht kein neues Terrain betreten, aber sie hat dennoch einen wunderbaren Roman über Freundschaft und Liebe geschaffen, bei dem die Seiten wegen ihres flüssigen und wundervoll lesbaren Stils nur so vorbeifliegen. Die Geschichte verzaubert den Leser und versetzt ihn in eine melancholische Stimmung, intensiv aber leise zugleich. Eine absolut gelungene Mischung. Abzug gibt es lediglich für den nur rudimentär vorhandenen Spannungsbogen und dafür, dass die Geschichte eben in anderer Variation schon oft da gewesen ist. Aber am Ende bleibt „Sommerschwestern“ ein Buch, dass einen in die eigene Kindheit zurück versetzt, an die eigenen Freundschaften denken lässt, und das man am Ende wirklich nur schwer aus der Hand legen kann. Es ist definitiv eine Leseempfehlung, und es hat mich neugierig auf mehr gemacht.

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Ela

Ich bin quasi das Gegengewicht zu Sebastian. Ich schreibe über all das, was an ihm vorbei geht. Jugendromane, Frauenromane, auch mal der ein oder andere Thriller, Komödien, Filme, in denen es um Freundschaft und Liebe geht, Comic- und Buchverfilmungen....sowas eben. In meiner Freizeit befasse ich mich vorwiegend mit dem Lesen und Schreiben, mit Filmen und Büchern, mit meiner Familie und Freunden und natürlich mit meinen Tieren. Ich koche und backe gern und bin vermutlich das schlimmste Assassin's Creed Fangirl, dem du je begegnet bist. Und ich liebe Musik! Immer und überall.