OT: Captain Outreagous

Taschenbuch: 275 Seiten
Verlag: Golkonda Verlag
ISBN-13: 978-3944720197

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Klappentext:

Einmal im Leben wollen Hap und Leonard sich einen richtigen Urlaub gönnen, doch schon an der Küste Mexikos wird es kompliziert. Kaum eingetroffen, verstrickt eine schöne Fischerstochter die beiden in ihre dubiosen Machenschaften mit einem gewissen Juan Miguel, seines Zeichens Mafioso und Nudist.

Als Hap sich selbst in seiner miefigen Wohnung in East Texas nicht mehr vor Miguel und seinen Handlangern sicher sein kann, muss etwas geschehen. Ein genialer Plan wird geschmiedet, mit allem, was dazugehört: Waffen, Chloroform und einem Treffpunkt auf einer Kreuzung um Mitternacht.

“Ich sag’s euch, ihr beiden habt echt ein Talent dafür, mit dem Schwanz in den Schraubstock zu geraten, was?”
“Hap schon. Und ich hab drunter zu leiden.”

In ihrem neuen Abenteuer legt das Duo infernale Hap Collins und Leonard Pine noch mal eins drauf: Die beiden Haudegen geraten von einer brenzligen Situation in die nächste. Joe R. Lansdale, selbst mehrfach ausgezeichneter Kampfsportler und texanischer Meistererzähler, zeigt der Krimileserschaft, was eine Harke ist. Wer glaubt, schon alles gelesen zu haben, wird hier eines Besseren belehrt …

Kritik:

Mir scheint es langsam so, als ob es jedes Jahr einen Autoren zu geben scheint, den jeder außer mir bereits kennt und schätzt – und den ich erst viel zu spät für mich entdecke. Im letzten Jahr war es Brian Keene, dieses Jahr hat eindeutig Joe R. Lansdale die Nase vorne. Mit “Machos und Macheten” präsentiert der Golkonda Verlag den mittlerweile 6. Roman der Hap & Leonard-Reihe, dessen Vorgänger allerdings fast ausschließlich antiquarisch oder mit viel Glück zu bekommen sind.

Nun war natürlich auch die große Befürchtung, dass man als Einsteiger in die Serie das eine oder andere Verständnisproblem bekommen könnte, mit bereits vergangenen Geschehnissen konfrontiert wird ohne sie tatsächlich vollends zu verstehen. Man muss eines ganz klar sagen: Ja, besonders in den ersten Kapiteln finden sich viele Bezüge auf Vergangenes, ohne sie allerdings so weit zu vertiefen, dass man die älteren Bücher als zwingende Voraussetzung sehen müsste. Es wird angeschnitten und abgehakt, dann ist es auch gut. Kein echter Hinderungsgrund also. Von dort an stürzt Lansdale in “Machos und Macheten” seine ungleichen Protagonisten in ein actiongeladenes Abenteuer, in dem ein Unglück das andere jagt (fast können sie einem schon leid tun, denn eigentlich wollten sie nur eine Urlaubsreise machen) und welches eine beachtliche Dynamik entwickelt. Dazu kommt ein gut geformter Spannungsbogen, welcher sich auch tatsächlich bis zum Ende des Romans durchzieht und dafür sorgt, dass der Leser gerne bei der Stange bleibt. Dazu kommt die für den Autoren mitunter bezeichnende überdrehte Grundstimmung, die noch einmal mehr dafür sorgt, dass sich der Roman zu einem Heidenspaß entwickelt.

Was die Charaktere angeht, ist überdreht wieder das passende Adjektiv. “Machos und Macheten” präsentiert uns Figuren, die auf der einen Seite so gar nicht zueinander zu passen scheinen, auf der anderen aber die dicksten Kumpel sind. Dieses Spiel zwischen Hap und Leonard sorgt immer wieder spaßige Wortgefechte zwischen den beiden, welche aber immer einen sehr menschlichen Unterton haben und dafür sorgen, dass man für beide vom Start weg sehr große Sympathien empfindet. Natürlich muss man ganz offen sagen, dass der Fokus der Erzählung auch ganz eindeutig auf Hap und Leonard liegt und die Nebenfiguren (mit wenigen Ausnahmen) daher tatsächlich als eine Art Dreingabe bezeichnet werden können. Die wirklich wichtigen, wie zum Beispiel Haps Freundin Brett bekommen, jedoch auch einen passend ausstaffierten Hintergrund spendiert, sodass man in diesen Fällen nicht von Oberflächlichkeit sprechen kann. Vielleicht wäre diese Sichtweise eine andere, wenn man die Serie in ihrer Gänze kennen würde, hier ist mir eine abschließende Beurteilung leider nicht möglich.

Stilistisch ist alles beim alten geblieben. Joe Lansdale verbindet auch in “Machos und Macheten” wieder seine gewohnten Trademarks, den schwarzen und bissigen Humor und die mitunter sehr detailliert ausgearbeiteten Gewaltpassagen mit einer gehörigen Portion Humanität. Zu jeder Zeit flüssig geschrieben, teilweise recht umgangssprachlich ausgefallen wurde auch dieser Roman wieder stimmig von Heide Franck ins Deutsche übertragen, so dass es auch an dieser Front keinen Grund zur Klage gibt.

Fazit:
“Machos und Macheten” ist ein Roman, welches Fans von Joe R. Lansdale definitiv wieder Spaß machen wird. Alle Markenzeichen, die man von ihm kennt und schätzt sind da, wobei in diesem Fall eindeutig der Humor im Vordergrund steht. Wer Lansdale mag, sollte zugreifen. Man sollte sich auch nicht unbedingt davon abschrecken lassen, dass man gegebenenfalls mitten in eine Serie einsteigt – Vorwissen ist vielleicht von Vorteil, aber keinesfalls Pflicht. Spaß macht das Buch definitiv auch ohne. Top!

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.

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