OT: The Thicket

Gebundene Ausgabe: 331 Seiten
Verlag: Klett-Cotta/ Tropen Verlag

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Klappentext:

Jack Parker dachte, er hätte schon einiges durchgemacht. Seine Eltern sind soeben an den Pocken gestorben. Doch auf dem Weg zur Farm seiner Tante ermorden Banditen auch noch seinen Großvater und entführen seine Schwester. Zeit für Jack, die Verfolgung mit Hilfe zweier Kopfgeldjäger selbst in die Hand zu nehmen.

Allein in einer gewalttätigen Welt, muss Jack schnell erwachsen werden, wenn er seine Schwester retten will. Und er braucht dringend Hilfe, die beste, die er kriegen kann. Aber die einzigen Kopfgeldjäger, die zur Verfügung stehen, sind Shorty, der Zwerg, und Eustace, der Sohn eines ehemaligen Sklaven. Zusammen mit Jimmie Sue, einer genauso klugen wie käuflichen Dame, nehmen sie die Verfolgung in eine berüchtigte Gegend auf: das Dickicht. Dort sprudelt aus den ersten windschiefen Bohrtürmen illegal das flüssige Gold, doch Jack ist fest davon überzeugt: Blut ist dicker als Öl.

Kritik:

“Ich will mal wieder was anderes lesen”, so war meine Aussage. Und zu wem greift man, wenn es “was anderes” sein soll? Richtig, Joe R. Lansdale, den im Endeffekt kann man bei dem guten Herren immer sagen, dass es eben das ist: was anderes. Es gibt nur wenige Schriftsteller, die sich als echte Tausendsassa erweisen und die dann auch noch mit so ziemlich allem einen Treffer landen. Oder wie es mal jemand bei Facebook ausdrückte: “Lansdale könnte einen Text über Klopapier verfassen und es würde Spaß machen, ihn zu lesen”. Also, auf ins Dickicht.

Joe R. Lansdale hat ein Faible für den sogenannten Wilden Westen, den er auch für “Das Dickicht” wieder als Schauplatz ausgewählt hat. Der wilde Teil des Westens ist dabei zwar schon am Ausklingen, man bekommt es also durchaus schon mit den ersten Autos und ziemlich ausgerotteten Indianern zu tun, die Atmosphäre dieser Zeit und die Skepsis der Menschen gegenüber diesem direkt bevorstehenden Umbruch fängt der Roman aber ungemein gut ein. Dicht und oftmals recht düster, an anderen Stellen aber auch reichlich bizarr erzählt Lansdale von der ersten Seite an eine unglaublich spannende Geschichte, die den Leser sofort mitreißen kann. Man wird direkt in die (reichlich vorhandene) Action geworfen, quasi als Appetizer, bevor der Autor sich und uns eine kurze Ruhepause gönnt, um die Hauptfiguren etwas besser kennenzulernen. Danach geht es aber wieder rund und zwar mit einem steil ansteigenden Spannungsbogen, der auch bis zum furiosen und bleihaltigen Finale aufrecht erhalten wird. Das Erzähltempo ist konstant hoch, was allerdings auch erfordert, dass man die Zeit hat, dieses Buch zügig und am Stück zu lesen, damit es seine volle Wirkung entfalten kann. Was aber für so ziemlich jeden Roman des Autoren gilt (hast Recht, Flo ? ).

“Das Dickicht” hebt sich vor allem durch seine Figuren vom Großteil der klassischen Western ab. Klar, auch hier gibt es Revolverhelden. Diese sind aber eben ziemlich speziell ausgefallen. Etwas bizarr möchte man fast meinen. Für alle Charaktere gilt, dass sie in vielerlei Hinsicht gnadenlos überzeichnet daher kommen, was dem Buch natürlich auf der einen Seite einiges an Ernsthaftigkeit nimmt, auf der anderen aber auch dafür sorgt, dass sie unverwechselbar sind. Um das zu untermauern muss eigentlich nur gesagt werden, dass die Heldentruppe aus einem Liliputaner, einem nicht sonderlich trinkfesten, dafür aber großen und schlagkräftigen Farbigen, einer Prostituierten und einem – Trommelwirbel – Wildschweineber namens Keiler besteht. Und natürlich Jack. Das mag nun vielleicht fast schon ein bisschen abschreckend wirken, überzeugt aber in der Praxis durchaus, da sie alle auf ihre ganz eigene Art und Weise irgendwie liebenswert und sympathisch sind. Und sich wunderbar in Lansdales Erzählweise einpassen.

Zum Stil muss man nun wohl nicht mehr sonderlich viel sagen. Der Autor hat seine eigene, sehr einprägsame Art zu schreiben. Temporeich, mit einer Menge, oftmals schwarzem, Humor wird “Das Dickicht” zu einer stellenweise comichaft überzeichneten Westernmär, die einfach nur Spaß macht.

Fazit:

“Das Dickicht” reiht sich in die Reihe der Volltreffer ein, die Joe R. Lansdale bereits abgeliefert hat. Eine action- und temporeiche Westernstory mit abgefahrenen Figuren. Geradlinig und auf den Punkt geschrieben sorgt der Roman dank dem reichlich eingesetzten Humor immer wieder für ein breites Grinsen beim Leser, ohne dabei aber zu einer Flachwitzsammlung zu werden. Spannend, unterhaltsam, mit toller Atmosphäre ist das Buch eben eines: typisch Lansdale.

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.

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