dai-oo-okaJeffrey Thomas – Dai-oo-ika
OT: Deadstock

Taschenbuch: 416 Seiten
Verlag: Festa Verlag
Übersetzung: Marc Tannous

Mehr zum Buch auf der Verlagshomepage

Klappentext:

Privatdetektiv Jeremy Stake wird von einem reichen Industrieboss angeheuert, um die künstlich geschaffene, doch nun lebendige Puppe Dai-oo-ika zu finden. Jemand hat sie gestohlen und hält sie nun irgendwo in Punktown gefangen.
Die Suche führt Jeremy durch eine bizarre Megalopolis, bevölkert von unzähligen Aliens, Mutanten, Robotern und Menschen.
Doch Jeremy ist selbst ein Mutant, mit einer Fähigkeit, die er mehr hasst als alles andere: Sein Gesicht nimmt von alleine die Form fremder Gesichter an …

Das Punktown-Universum ist Kult. Ein futuristisches Sodom und Gomorra. Als hätten Philip K. Dick und H. P. Lovecraft es gemeinsam erfunden.

© Festa Verlag

Der Roman ist mir bei meinem Besuch auf der LBM über den Weg gelaufen und ich muss gestehen, dass ich lange überlegt habe, bevor ich schließlich zuschlug. Auch wenn sich der Roman am Ende nicht als der Cyberpunk-Thriller erwies, den ich (aus einem mir mittlerweile nicht mehr nachvollziehbaren Grund) erwartet hatte, bin ich im Nachhinen jedoch froh, dass ich “Dai-oo-ika” eine Chance gegeben habe.

Meine erste Begegnung mit Jeffrey Thomas war das “Tagebuch aus der Hölle”, welches ich auf Grund der bizarren und abgefahrenen Unterwelt, die der Autor kreiert hat, ziemlich abgefeiert habe. Und diese ganz große Stärke findet sich auch in Thomas’ Punktown wieder. Bizarre Mutanten, schräge Kreaturen und eine Atmosphäre, die stellenweise so morbide ist, dass man nicht immer den Eindruck hat, tatsächlich einen Science-Fiction-Roman in den Fingern zu halten. “Dai-oo-ika” hat somit ein Alleinstellungsmerkmal in der Hinterhand, welches die Story auch für Nicht-SciFi-Leser sehr interessant werden lässt. Wer jedoch eine klassische Space Opera erwartet oder wie ich in der Punktown reinrassigen Cyberpunk zu finden hofft, sollte sich lieber andersweitig umsehen. Wer es aber auch gerne mal “ein bisschen anders” mag, der ist hier auf jeden Fall richtig. Da es Thomas zudem gelingt, einen konstant hohen Spannungsbogen zu zeichnen, der die Geschichte nicht langweilig werden lässt, ist auch an dieser Front der Unterhaltungsfaktor auf jeden Fall gegeben.

Die eigentliche Stärke des Buchs sind aber die Figuren. Wie bereits erwähnt hat Jeffrey Thomas ein Händchen fürs Bizarre, was sich nicht nur in seiner Welt, sondern auch in seinen Protagonisten niederschlägt. Stake selbst ist durch seine Fähigkeit schon ein wenig absonderlich (was im Roman als solches auch auf eine sehr interessante Weise thematisiert wird, wodurch der Hauptakteur eine gehörige Portion Tiefgang bekommt), wenn man allerdings erstmal mit zwei Straßengangs auf einem parallelen Handlungsstrang in den mysteriösen Stewart Gardens verschwindet, weiß man, dass Stake tatsächlich nur die Spitze des Eisbergs ist. Darauf muss man sich einlassen können, ich für meinen Teil war jedenfalls von der Kreativität, die aus den Figuren spricht, sehr angetan.

Schriftstellerisch ist Thomas ganz weit vorn mit dabei. Es gelingt ihm hervorragend, ein Bild vor dem geistigen Auge des Lesers entstehen zu lassen und somit von der ersten Seite an in die Welt von “Dai-oo-ika” einzutauchen. Die Sprache ist zwar flott, dabei aber nicht anspruchslos und lässt das Buch damit nicht zu klassischem Pulp werden – auch wenn das hinsichtlich des Titels wohl recht naheliegend wäre. Die Übersetzung von Marc Tannous weiß zu gefallen und trägt die deutsche Ausgabe der Geschichte sehr gut.

Fazit:

8Auch wenn meine Erwartungen an “Dai-oo-ika” eigentlich andere waren, bin ich letzten Endes sehr froh, zugegriffen zu haben. Die schreiberischen Stärken Jeffrey Thomas’ in Kombination mit seinem Händchen für das Bizarre und der die Geschichte tragende Spannungsbogen haben dafür gesorgt, dass ich durchgehend gut unterhalten wurde. Stellt sich jetzt nur die Frage: Wann kommt mehr aus Punktown nach Deutschland?

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.

Letzte Artikel von Sebastian (Alle anzeigen)