OT: Wolf Hunt
Taschenbuch: 324 Seiten
Verlag: Voodoo Press

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Klappentext:

George und Lou erhalten den Auftrag, eine Lieferung nach Florida zu bringen. Doch keine normale. Es handelt sich um einen Mann in einem Käfig. Ihre Anweisung: Bloß nicht den Käfig öffnen und ja nichts hineinwerfen …

Kritik:

An gewisse Autoren geht man mit einer bestimmten Erwartungshaltung heran, zumindest wenn man schon mehrere ihrer Veröffentlichungen kennt. So war Jeff Strand für mich bislang ein Schriftsteller, der mit einem abgefahrenen Mischung aus Humor und Horror zu punkten verstand. Mit „Wolf Hunt“ hat Voodoo Press nun einen weiteren seiner Romane auf Deutsch verlegt. Keine Frage, musste ich lesen.

Schnell durfte ich feststellen, dass vieles durchaus beim Alten geblieben ist. Strand nimmt sich nicht viel Zeit, um seine Figuren einzuführen, sondern lässt sich gleich mit Hochgeschwindigkeit mit dem Leser kollidieren. Es werden keine Gefangenen gemacht, sondern man darf sich direkt ins Geschehen stürzen. Das sorgt schon vom Start weg für ein sehr hohes Tempo, welches „Wolf Hunt“ im weiteren Verlauf noch einmal etwas anzieht. Die Geschwindigkeit ist es dann tatsächlich auch, von welcher der Roman lebt. Strands Story ist geradeheraus erzählt, hat einen moderat verlaufenden Spannungsbogen ohne große Ausbrecher nach oben – glücklicherweise aber auch ohne Einknicker. Man wird also gut unterhalten, was durch die Atmosphäre, die eine schicke Mischung aus Roadmovie und Werwolf-Thriller (was auch sonst) darstellt, nur noch weiter unterstützt wird. Generell verläuft die Story weitestgehend vorhersehbar, mit vielen Überraschungen sollte man als Leser also nicht rechnen. Ausgeglichen wird das durch ein sehr actionreiches Finale, welches den Adrenalinspiegel noch einmal gekonnt nach oben treibt und einen guten Abschluss des Romans bietet.

Die Figuren sind allerdings dabei etwas oberflächlich ausgefallen. Man erfährt nicht viel mehr über George und seinen Kumpel Lou, als man für die Geschichte unbedingt wissen müsste. Daraus hätte man sicherlich noch einmal etwas mehr machen können, aber „Wolf Hunt“ funktioniert auf dieser Ebene trotzdem immer noch gut. Auch der weibliche Sidekick Michele bleibt eher blass und oberflächlich, mitunter scheint es tatsächlich so, als ob sie nur dabei wäre, um die Geschichte irgendwie voran zu treiben. Lykaner Ivan ist ein zweckmäßiger Antagonist geworden, der aber auch mit ein bisschen mehr Profil sicherlich noch überzeugender geworden wäre. Alles in allem würde ich die Charaktere also am ehesten als „zweckmäßig“ beschreiben.

Stilistisch ist „Wolf Hunt“ übrigens nicht ganz der typische Jeff Strand-Roman. Während bei seinen anderen mir bekannten Werken der Humor mitunter doch sehr vordergründig gewesen ist, wird er hier etwas zurückgefahren. Nicht falsch verstehen, besonders die Dialoge zwischen George und Lou sind mitunter herrlich witzig, allerdings verzichtet der Autor in diesem Werk fast vollständig auf Situationskomik und provoziert keine brachialen Lachsalven. Ich hatte durchgehend ein Grinsen im Gesicht, zumindest bis zu dem Punkt, an dem mir das Lachen im Hals steckengeblieben ist. Denn mit dem zurückfahren des Humors kam auch das Nachjustieren der Gewaltschraube. „Wolf Hunt“ ist, soweit mir bekannt, die härteste Veröffentlichung Strands. Ja, seine anderen Romane weisen ebenfalls ihre Gewaltspitzen auf, hier wird die aber streckenweise schon ziemlich wild drauf los gesplattert, gestochen, geschossen, geknüppelt, gemessert, granetet und was sich sonst noch so finden lässt, um dem (ziemlich fiesen und soziopathischen) Werwolf das Leben schwer zu machen. Da der Übersetzer des Buches anonym bleiben möchte, sei mir hier nur die Anmerkung erlaubt, dass er gute Arbeit geleistet hat; die deutsche Version liest sich sehr angenehm und rund.

Fazit:

Wolf Hunt“ ist ein für Jeff Strand eher untypischer Roman. Die Figuren sind leider durch die Bank recht oberflächlich ausgefallen, die Geschichte bietet dafür im Gegenzug aber hohes Tempo garniert mit einer Menge Action. Ein wildes Genre-Crossover aus Horror, Action und Comedy, welches stellenweise angenehm an die filmischen 80er-Jahre erinnert. Es mag kein übermäßig anspruchsvolles Buch sein – dafür aber eines, welches dem Genrefreund eine Menge Spaß machen dürfte. Ich jedenfalls hatte ihn.

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Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.