OT: Bad Games

Taschenbuch: 400 Seiten
Verlag: Heyne Hardcore

Übersetzung: Sven-Eric Wehmeyer

„Das Spiel“-Reihe, Band 1

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Klappentext:

Am idyllischen Crescent Lake im amerikanischen Hinterland ist die Welt noch in Ordnung. Vor der Kulisse des malerischen Sees findet sich in wild-romantischer Umgebung eine Siedlung von Ferienhütten. Hier will die Familie Lambert ihr Wochenende verbringen: Mit Fischen, Barbecue und Freizeitspielen. Auch die beiden Farelli-Brüder haben sich zum See aufgemacht. Auch sie möchten das Wochenende genießen. Auf ihre Art. Mit Spielen. Bösen Spielen. Und ihre Mitspieler haben sie schon auserkoren …

Kritik:

Na, welcher filmaffine Leser hat bei diesem Klappentext direkt „Funny Games“ im Hinterkopf? Bei mir war das der Fall und da ich den Film (sowohl im Original als auch das US-Remake) als sehr gelungen empfinde, war Menapaces Roman natürlich auch einen Blick wert. Und damit begann die Erwartungshaltung…

Was, wie wir alle wissen, nicht zwangsläufig gut ist. Leider tappt „Das Spiel – Opfer“ dann auch ganz schnell in die Klischeefalle und präsentiert eines nach dem anderen. Ich hatte den Eindruck, dass in der Story so ziemlich alles verwurstet wurde, was es von „Saw“ bis hin zu „Freitag, der 13.“ in der Geschichte des Horrorfilms zu sehen gibt. Leider allerdings nicht auf einem Niveau, von dem man behaupten könnte, dass es als Verneigung vor den Patenonkeln durchgehen würde. So verläuft zum Beispiel der Spannungsbogen allenfalls moderat und knickt an etlichen Stellen wieder ein. Menapace nimmt sich viel zu viel Zeit dafür, zu beschreiben, was für eine schrecklich nette Familie die Lamberts doch sind (immer und immer und immer wieder), wiederholt dabei dauernd den selben Inhalt und lässt die Thrillerzutaten an vielen Ecken vermissen. Tempo kommt im Roman tatsächlich erst ab Seite 300 (!) auf, alles bis dahin ist ein Schwanken zwischen dem oben genannten Happy Family-Krempel und den sich selbst beweihräuchernden Psychopathen. Zwischendurch mal die eine oder andere Spannungsspitze (die viele Autorenkollegen aber auch wesentlich besser hinbekommen) und das war es dann auch schon. Und dabei immer alles schön vorhersehbar und gänzlich überraschungsfrei. Nach 50 Seiten ist dann schon wieder Schluss mit lustig, den nachfolgenden Text habe ich aus akuter Langeweile nur noch quergelesen. Das Ende selbst ist übrigens, wie auch der Rest, vorhersehbar und aufgesetzt. Schlicht: zum gähnen. Eine bedrohliche Atmosphäre lässt das Buch auch weitestgehend missen, also kann ich dafür nicht mal ein paar Mitleidspünktchen verteilen.

Der negative Gesamteindruck macht auch vor den Figuren nicht halt. Die Lamberts nerven. Schlicht und einfach. Über 300 Seiten zu wiederholen, wie toll doch ihre Ehe ist, wie dicke sie nach 12 Jahren immer noch miteinander sind und so weiter und so fort sorgte in meinem Fall absolut nicht dafür, dass ich das scharfe Baby (das wohl am meisten gelesene Wort im ganzen Buch) Amy und ihren dauergeilen Gatten Patrick in irgendeiner Form sympathisch fand, sondern einfach nur dafür, dass sie mir gehörig auf den Sack gingen. Zudem verhalten sie sich permanent unglaubwürdig und drehen sich mit ihren Ansichten und Aussagen wie die Fähnchen im Wind. Irgendwann habe ich mir nur noch gewünscht, dass unsere beiden Psychos Joe und Artie sie möglichst langsam und grausam aus dem Leben befördern. Aber Fehlanzeige. Auch die beiden sind nämlich eine Sammlung von Klischees, denen krampfhaft Profil eingepresst werden soll, ohne dass dabei allerdings viel passieren würde. „Das Spiel – Opfer“ wandelt auf absolut ausgetretenen Pfaden, bietet nichts neues oder auch nur eine frische Interpretation von bekannten Figuren, sondern ist an dieser Front vor allem eines: langweilig und altbekannt.

Die Qualität des Textes selbst ist dabei sehr schwankend. In den erzählenden Passagen wird eine sehr saloppe, umgangssprachliche Schreibweise an den Tag gelegt, während die Dialoge mit unter sehr altbacken und gestelzt formuliert sind. An manchen Stellen könnte man zwar meinen, das sei so als Ironie des jeweiligen Sprechers gewollt, an anderen lässt sich das aber selbst mit allen zugedrückten Hühneraugen nicht in den den Kontext interpretieren. „Das Spiel – Opfer“ ist also entweder tatsächlich so wechselhaft geschrieben, oder die Übersetzung ist alles andere als optimal. Egal was der Grund ist, der Text wirkt  auf mich unter dem Strich absolut nicht wie aus einem Guss.

Fazit:

Um es ganz offen auszudrücken: ich weiß bis jetzt noch nicht, warum ich „Das Spiel – Opfer“ überhaupt beendet habe. In diesem Buch stimmte einfach nichts. Platte, oberflächliche und uninteressante Figuren, die den Boulevard des wandelnden Klischees entlanglaufen, ein Spannungsbogen, dem permanent die Sehne reißt und eine Geschichte, die weitestgehend uninteressant bleibt sind das, was mir auch nach zwei Tagen nachgrübeln in den Kopf kommt. Von den „Funny Games„, mit denen über dem Klappentext geworben wird, habe ich nicht viel bemerken können. Und woher Menapace Zutaten für zwei weitere Bände („Das Spiel“ wird uns als Trilogie angedroht) nehmen will, weiß ich auch nicht. Ist auch egal, für mich ist nämlich nach dieser Pleite Schluss.

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Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.

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