J. Patrick Black – Die Neunte Stadt

OT: Ninth City Burning
Taschenbuch: 800 Seiten
Verlag: Heyne
Übersetzung: Markus Mäurer

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Klappentext:

Fünfhundert Jahre nach der Invasion

Die Erde in der Zukunft: Ausgerechnet am Valentinstag wurde die Menschheit von einer unbekannten, mächtigen Alien-Spezies angegriffen. Innerhalb kürzester Zeit wurden Länder zerstört und Städte dem Erdboden gleichgemacht. Und doch waren die Menschen nicht völlig wehrlos, denn der Angriff der Aliens stattete sie mit einer Macht aus, die sie bisher ins Reich der Magie verbannt hatten. Nun, fünfhundert Jahre später, tobt der Kampf um die Erde noch immer, und das Schicksal der gesamten Menschheit ruht auf den Schultern von acht ungleichen Helden. Dies ist ihre Geschichte…

© Heyne Verlag

Kritik:

Auf manche Bücher muss man erstmal mit der Nase gestoßen werden. So ein Fall ist für mich J. Patrick Blacks’ »Die Neunte Stadt« gewesen. Ich wäre auf den Titel vermutlich nicht aufmerksam geworden. Da er öfters in meiner Facebook-Timeline auftauchte, habe ich schließlich doch zugeschlagen.

Schon zu Beginn wird klar, dass es sich um einen Roman handelt, der sich auch und vielleicht sogar vorwiegend an junge Leser richtet. Sämtliche Protagonisten befinden sich im Kinder- oder Jugendalter.Viel mehr erfährt der Leser anfangs nicht. »Die Neunte Stadt« hält sich mit Hintergründen zunächst zurück. Stattdessen wird man in eine sehr dystopisch anmutende Welt entlassen, die von Überlebenskampf und fast schon westernartigen Elementen dominiert wird. Das sorgt für eine interessante und frische Atmosphäre. Allerdings lassen sich auch schnell erste Parallelen zu »Die Tribute von Panem« entdecken. Die Story springt dabei immer wieder von Handlungsstrang zu Handlungsstrang, was eingangs etwas gewöhnungsbedürftig ist. Die einzelnen Episoden scheinen zu Beginn nicht viel miteinander zu tun zu haben. Nach und nach werden sie jedoch miteinander verwoben, wodurch nach einiger Anlaufzeit eine dynamische und interessant erzählte Geschichte entsteht. Die Atmosphäre kippt im Lauf dieser Episoden leider jedoch immer mehr. Aus der schicken dystopischen Welt wird nach und nach eine typische militärisch dominierte SciFi-Geschichten. Genrekenner werden dabei immer wieder auf kleine Hommagen an andere Science-Fiction-Werke (zum Beispiel in Form von Star-Wars-Zitaten) stoßen, aber auch feststellen, dass J. Patrick Black nicht sonderlich innovativ an seinen Roman herangegangen ist. Die Panem-Anleihen vermischen sich mit Starship-Troopers-Feeling oder BattleTech-Versatzstücken. Einige Fähigkeiten der Akteure erinnern an die Macht. Es bleibt also nicht bei Star-Wars-Zitaten.Die Qualität der Originale wird dabei nicht erreicht. Ein bisschen mehr Eigenständigkeit wäre wünschenswert gewesen.

Mit knapp 800 Seiten ist »Die Neunte Stadt« ein ziemlicher Klopper. Über ein so langes Buch ein konstantes Spannungslevel zu halten ist schwierig. Leider gelingt es Black nicht auf ganzer Linie. Nachdem der düstere Auftakt sehr spannend ausgefallen ist (was viel auf die Frage nach dem ominösen ›Romeo‹ zurückzuführen ist) werden nach rund 250 Seiten die Hintergründe aufgedröselt. Und dort beginnt es zu haken. Durch viele technische Details und eine umfangreiche Geschichte des Romeo-Krieges kommt es immer wieder zu Längen im Buch. Hier hätte gerne gestrafft werden dürfen, denn so verliert die Geschichte doch einiges an Drive und ich musste mich mitunter zwingen, weiterzulesen. Das letzte Drittel steht dann, wie bereits erwähnt, eher unter einem militärischen Stern. Hier drückt Black noch einmal aufs Gas und der Roman nimmt wieder an Tempo auf, um dann in ein sehr actionreiches Finale zu münden. Zwar bleiben große Überraschungen aus und das Ende wirkt ziemlich offen, abschließend kann man dennoch sagen, dass das Buch über weite Strecken unterhaltsam gewesen ist.

Nachtrag: Die Fortsetzung „Under Seven Skies“ ist im Original für den Februar 2018 angekündigt. Eine Ankündigung für einen deutschen Releasetermin gibt es derzeit noch nicht.

Die größte Stärke des Romans sind die Figuren. Zwar wirken einige von ihnen auf den ersten Blick relativ klischeehaft (als Beispiel sei Rae genannt), allerdings versteht sich der Autor gut darauf, seine Charaktere aus dem genreüblichen Brei herauszuheben. Sei es durch kleine Macken oder menschliche Wesenszüge, die sie jederzeit bodenständig und echt wirken lassen. »Die Neunte Stadt« hat keine überzeichneten Helden, sondern präsentiert echte (junge) Menschen mit Zweifeln, Ängsten und Träumen. Die Entwicklungen, die sie im Lauf der Story durchleben, wirken glaubhaft und überzeugend. Es hat Spaß gemacht, den Protagonisten auf diesem Weg zu folgen. Allerdings wird einigen Figuren zwischendurch so viel Platz eingeräumt, dass man andere fast schon wieder vergessen hat. Torro taucht zum Beispiel über weite Strecken nicht auf. Wenn er dann wieder da ist, fällt es mitunter schwer, sich wieder in seine Geschichte hineinzufinden. Insbesondere, da sie nicht so eng mit den anderen verwoben ist. Aber alles in allem ist das in Hinsicht auf das ›Personal‹ des Romans meckern auf hohem Niveau.

Auch stilistisch weiß J. Patrick Black zu gefallen. »Die Neunte Stadt« bedient sich einer modernen und leicht zugänglichen Sprache. Das mag zwar auch auf die (vermutete) Zielgruppe der jungen Leser zurückzuführen sein, störte mich aber nicht im Geringsten. Die Beschreibungen sind bildhaft ausgefallen und sorgen für ein gesundes Maß an Kopfkino. Die Übersetzung von Markus Mäurer überträgt das stimmig ins Deutsche, auch wenn, besonders im letzten Drittel des Buches, immer mal wieder kleine Tippfehler oder Wortdreher durchs Korrektorat gerutscht sind. Keine wirklichen Stolperfallen und auch nicht massiv genug, um den Lesefluss zu stören, aber ausreichend um doch ins Auge zu springen.

Fazit:

»Die Neunte Stadt« ist ein unterhaltsamer Science-Fiction-Roman, der das Genre einem jüngeren Publikum zugänglich macht. Getragen von starken und überzeugenden Figuren sorgt die gelungene Atmosphäre dafür, dass man sich die meiste Zeit in Geschichte hineingezogen fühlt. Ich hätte mir jedoch etwas mehr Eigenständigkeit und weniger offensichtliche Inspiration aus anderen bekannten SciFi-Universen gewünscht. Dazu noch einen gestrafften Mittelteil und ich wäre rundum zufrieden gewesen. So ist das Buch aber ›nur‹ unterhaltsam. Für eine eventuelle Fortsetzung ist also Luft nach oben.

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.

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