Gebundene Ausgabe: 553 Seiten
Verlag: Arena
ISBN-13: 978-3401062037

Inhaltszusammenfassung:

Immer wieder taucht er in Rebeccas Umgebung auf, der geheimnisvolle Lucian, der keine Vergangenheit hat und keine Erinnerungen. Sein einziger Halt ist Rebecca, von der er jede Nacht träumt. Und auch Rebecca spürt vom ersten Moment an eine Anziehung, die sie sich nicht erklären kann. Aber noch bevor sie erfahren können, welches Geheimnis sie teilen, werden sie getrennt. Mit Folgen, die für beide grausam sind. Denn das, was sie verbindet, ist weit mehr als Liebe.

Kritik:

Lange Zeit habe ich um Lucian einen Bogen gemacht. Nicht etwa, weil mich das Buch nicht gereizt hätte, sondern einfach weil ich immer skeptisch bin, wenn so ein Hype um ein Buch gemacht wird und es mit Lob und guten Kritiken nur so überhäuft wird. Was bei anderen den Drang zum Lesen fördert, wirkt bei mir in der Regel leicht abschreckend. Nun empfahl mir eine Freundin Lucian, also hab ich den Schritt endlich gewagt. Ich konnte die überschwengiche Begeisterung nicht teilen, aber eine richtige Enttäuschung war Lucian auch nicht. Aber von vorne…

Die Geschichte ist in erster Linie wirklich innovativ und für mich in der Form noch nicht da gewesen. Rebecca lebt mit ihrer Mutter und deren Freundin in Hamburg. Regelmäßig veranstalten sie Frauenabende, und bei einem dieser Abende verspürt sie einen feinen Riss in ihrem Inneren, ein undefinierbares Ziepen, das nicht wirklich von Bedeutung zu sein scheint, sie aber dennoch mit einem Gefühl der Leere zurücklässt. Fortan begegnet sie Lucian immer wieder, überall dort, wo Rebecca zu sein scheint, taucht auch er auf. Er hat keine Erinnerungen, ja, nicht einmal einen Namen. Im Laufe der Geschichte stellt sich heraus, dass er Träume von Rebecca hat, gegenwärtige, zukünftige, aber auch vergangene Träume. Unterdessen träumt Rebecca immer wieder von ihrem eigenen Tod. Als sich Lucian zufällig Janne, Rebeccas Mutter, die Therapeutin ist, anvertraut, erkennt diese ihre Tochter in den Träumen wieder und will sie beschützen. Sie untersagt ihr den Kontakt zu Lucian, und schließlich bringt sie sie fort, nach Los Angeles, wo Rebeccas Vater mit seiner neuen Freundin lebt. Doch dort gipfeln die Geschehnisse in einer Katastrophe. Bis hierhin klingt die Story nicht so spannend, wie sie tatsächlich war, was aber auch daran liegt, dass ich nicht zu viel vorweg nehmen möchte, um die Spannung zu erhalten. Denn eines muss man Isabell Abedi lassen: sie hat einen Spannungsbogen geschaffen, der die Nerven bis aufs Äußerste spannt, und in diesem Fall trifft es nicht zu, dass alle Wege nach Rom führen. Denn jeder Weg, den meine Gedanken schlugen bei dem Rätselraten, was es denn nur mit Lucian auf sich hat, endete in einer Sackgasse. Auf den Ausgang der Geschichte bin ich in dieser Art jedenfalls nicht gekommen. Keine Engel, keine Vampire, keine Werwölfe, Hexen, Sirenen oder sonstwas, das war auf jeden Fall mal was neues. Aber dennoch, die Geschichte war gut und neu, doch irgendetwas fehlte, ohne dass ich es genau benennen kann. Die Story war spannend, aber vom Hocker gerissen hat sie mich jetzt doch nicht.

Der Schreibstil von Isabell Abedi ist so gut, dass ich mir gleich noch zwei Bücher der Autorin zugelegt habe. Er liest sich flüssig und schnell, sie versorgt den Leser mit den nötigen Informationen, geht dabei auch ins Detail, ohne sich darin zu verlieren. Sie treibt die Handung voran und nutzt dazu auch einmal unkonventionelle Methoden, wie etwa die Email-Passage der ersten drei Monate in Los Angeles unserer Protagonistin. Auch das hat mir ausgesprochen gut gefallen. Alles in allem war es bis hierhin wirklich ein gutes Buch. Aber es gab ein großes Manko: die Charaktere. Weder mit Rebecca noch mit Lucian bin ich so richtig warm geworden. Rebecca ist einem zwar mit ihrer frechen Klappe und ihrer Nüchternheit irgendwie symapthisch, aber so richtig funken wollte es leider nicht. Lucian war ein geheimnisvoller Kerl, ja, aber leider fehlte der Faktor, den andere männliche Protagonisten haben, um sie anzuschmachten. Entsprechend lauwarm kam einem die ganze Geschichte zwischen den beiden vor. Der Exfreund von Rebecca, Sebastian, ist anfangs noch sehr sympathisch, aber irgendwann fängt er an, einen zu nerven, auch wenn man ihn auf der anderen Seite dafür bewundert, wie sehr er Becca immer noch wie ein Schoßßhund hinterher dackelt, obwohl sie ihn ständig mit Füßen tritt. Suse beibt leider seltsam farblos. Lediglich Faye und Morton Tyger wurden mir nahe gebracht, einfach weil diese beiden durch die ausgestaltete Hintergrundgeschichte, schön ausgearbeitet waren. Aber leider lebt so ein Buch nicht nur von Nebenfiguren, die nicht ständig präsent sind. Und so gibt dieser Umstand einfach Abzüge in der B-Note. Weitere Abzüge verbucht der Roman für sein Ende. Es ist kein richtig offenes Ende, aber abgeschlossen ist die Geschichte irgendwie auch nicht. !ACHTUNG SPOILER! Ich kann mir einfach schlecht vorstellen, dass Rebecca je wieder ein ruhiges Leben führen wird in dem Wissen, ständig von Lucian beobachtet zu werden. In dem Wissen, dass er sieht, was sie sieht. Was passiert, wenn sie sich zum Beispiel wieder einmal verliebt? Und weiß, dass Lucian gezwungen ist, das zu beobachten? !SPOILER ENDE!

Fazit:

Lucian war wirklich ein guter Roman, den ich bedingungslos weiter empfehlen kann, doch leider hat er mich nicht so überzeugt wie viele andere Rezensenten. Spannend: ja. Gut geschrieben: ja. Innovativ: ja. So unendlich traurig, dass er zu Tränen rührt: nein. Großartige Liebesgeschichte: nein. Die Geschichte war spannend und neu, aber irgendwie fehlte ihr das gewisse Etwas. Außerdem blieben mir die Charaktere ein wenig zu fremd. Das Ende wirkt…okay, aber ein wenig undurchdacht und lieblos. Und so reicht es bei mir leider nicht für eine Höchstnote, aber immerhin noch gute 7 Punkte.

Ela

Ich bin quasi das Gegengewicht zu Sebastian. Ich schreibe über all das, was an ihm vorbei geht. Jugendromane, Frauenromane, auch mal der ein oder andere Thriller, Komödien, Filme, in denen es um Freundschaft und Liebe geht, Comic- und Buchverfilmungen....sowas eben. In meiner Freizeit befasse ich mich vorwiegend mit dem Lesen und Schreiben, mit Filmen und Büchern, mit meiner Familie und Freunden und natürlich mit meinen Tieren. Ich koche und backe gern und bin vermutlich das schlimmste Assassin's Creed Fangirl, dem du je begegnet bist. Und ich liebe Musik! Immer und überall.