Einleitung
Bibliografie
Interview (for the English version please click here)

© Marjan Murat, Stuttgart

Nachdem wir uns bei unseren letzten Interviews auf deutschsprachige Autoren konzentriert haben, werden wir heute wieder international. Tad Williams, oft auch als „Tolkien des 21. Jahrhunderts“ betitelt, ist ein Superstar des Fantasygenres, dem er seit seinen Anfängen als Autor treu geblieben ist. Ich freue mich sehr, dass er sich bereit erklärt hat, sich mit unseren Fragen löchern zu lassen.

Williams wurde 1957 als Robert Paul Williams in San José geboren. Aufgewachsen ist er in der Stadt Palo Alto, die im Umfeld der berühmten Standford University entstanden ist. Obwohl es naheliegend gewesen wäre, entschied Williams sich nach der Highschool gegen ein Studium, da er sein Leben in die eigenen Hände nehmen wollte. Er hat in dieser Zeit viele Jobs gehabt, unter anderem als Schuhverkäufer, Versicherungsmakler, Schuldeneintreiber oder als Koch in einem Taco Restaurant. Zudem spielte er in einer Rockband namens „Idiot“, war Moderator einer Radio Talk Show und schauspielerte. Er stellte fest, dass er einen Hang zur Kreativität hatte, was sich nach und nach in ersten geschriebenen Werken zeigte.

Seine erste Veröffentlichung war der Roman „Traumjäger und Goldpfote„, welcher den Grundstein zu seinem bis heute anhaltenden Erfolg legte. Ein Großteil seiner deutschen Veröffentlichungen sind in der Hobbit Presse des Klett-Cotta Verlags erschienen.

Tad Williams‘ Homepage + Tad Williams auf Facebook + Homepage der Hobbit Presse

Bibliografie:

Osten Ard

Die Osten-Ard-Reihe ist das wohl bekannteste und eines der wichtigsten Hauptwerke Williams‘. Der ursprüngliche Zyklus, „Das Geheimnis der Hohen Schwerter“ besteht aus vier Bänden, der Nachfolgezyklus, „Der letzte König von Osten Ard„, startet in Deutschland im September 2017 mit „Die Hexenholzkrone“ und ist ebenfalls auf vier Bände ausgelegt. Dazu erschien eine Novelle sowie der eigenständige Roman „Das Herz der Verlorenen Dinge“. Die Osten-Ard-Bücher werden von Klett-Cotta (Hobbit Presse) veröffentlicht. Die englischsprachigen Originale erschienen zwischen 1988 und 1998, als Übersetzerin war Verena C. Harksen tätig, die Novelle „Der brennende Mann“ wurde von Joachim Körber übersetzt. Für die Neuerscheinungen ab 2017 zeichnet Cornelia Holfelder-von der Tann verantwortlich.

  • Bd. 1: Der Drachenbeinthron (2010)
  • Bd. 2: Der Abschiedsstein (2010)
  • Bd. 3: Die Nornenkönigin (2010)
  • Bd. 4: Der Engelsturm (2011)
  • Novelle: Der brennende Mann (2004).
  • Roman: Das Herz der verlorenen Dinge (2017)

Otherland

Mit der Otherland-Reihe hat Tad Williams sich dem Genre der Science Fiction zugewandt. Die Bücher sind als Hardcover ebenfalls bei Klett-Cotta erschienen, die Taschenbuchausgabe hat der Heyne Verlag veröffentlicht. Die Übersetzung stammt von Hans-Ulrich Möhring. Die Originalversionen erschienen zwischen 1996 und 2001. Auf den Otherland-Romanen basiert zudem ein MMORPG (Multiplayer-Onlinerollenspiel)

  • Bd. 1: Stadt der goldenen Schatten (2005)
  • Bd. 2: Fluß aus blauem Feuer (2006)
  • Bd. 3: Berg aus schwarzem Glas (2007)
  • Bd. 4: Meer des silbernen Lichts (2007)

Shadowmarch

Die Shadowmarch-Reihe ist am ehesten der Dark Fantasy zuzuordnen. Wie viele der deutschen Erstveröffentlichungen erschienen die Bücher bei Klett-Cotta und wurden von Cornelia Holfelder-von der Tann übersetzt. Williams schrieb die Romane zwischen 2004 und 2010

  • Bd. 1: Shadowmarch. Die Grenze (2005)
  • Bd. 2: Shadowmarch. Das Spiel (2007)
  • Bd. 3: Shadowmarch. Die Dämmerung (2010)
  • Bd. 4: Shadowmarch. Das Herz (2011)

Tinkerfarm

Die Tinkerfarm-Romane war ursprünglich auf 5 Bände ausgelegt, wobei derzeit nur zwei fertiggestellt sind. Zu den fehlenden drei Büchern gibt es derzeit keine Informationen. Tad Williams schrieb die Bücher gemeinsam mit seiner Frau Deborah Beale. Wieder sind die deutschen Ausgaben bei Klett-Cotta erschienen, als Übersetzer kam Hans-Ulrich Möhring zum Zug.

  • Bd. 1: Die Drachen der Tinkerfarm (2009)
  • Bd 2: Die Geheimnisse der Tinkerfarm (2011)

Bobby Dollar

Die Bobby-Dollar-Trilogie ist in der Urban Fantasy beheimatet. Williams hat in diese Bücher vergleichsweise viel Humor einfließen lassen, wodurch sie sich noch einmal etwas mehr von seinen anderen Veröffentlichungen unterscheiden. Auch diese Romane erschienen bei Klett-Cotta in der Übersetzung von Cornelia Holfelder-von der Tann.

  • Bd. 1: Die dunklen Gassen des Himmels (2014)
  • Bd. 2: Happy Hour in der Hölle (2014)
  • Bd. 3: Spät dran am Jüngsten Tag (2015)

Einzelromane

Neben seinen Hauptwerken hat Tad Williams zudem einige Einzelromane veröffentlicht. Es existieren teilweise Ausgaben unterschiedlicher Verlagshäuser, jedoch sind mit Ausnahme von „Die Insel des Magiers“ auch hier Hardcover-Ausgaben bei Klett-Cotta erschienen.

  • Traumjäger und Goldpfote
  • Die Insel des Magiers
  • Die Stimme der Finsternis (mit Nina Kiriki)
  • Der Blumenkrieg

Das war nun schon eine Menge Text, also will ich euch nicht weiter auf die Folter spannen (falls ihr nicht ohnehin schon direkt zum Hauptteil gesprungen seid) und entlasse euch hiermit in das Interview mit Tad Williams. Viel Spaß!

Hallo Tad,

als Erstes möchte ich dir dafür danken, dass du Teil unserer Interview-Rubrik geworden bist.

Starten wir doch gleich mit unserer klassischen ersten Frage: Wer ist dieser Typ namens Tad Williams?

Hauptsächlich bin ich ein Geschichtenerzähler. Und, an diesem Punkt meines Lebens, definitiv ein Vater, was auch sehr wichtig für mich ist. Ich bin schon seit meiner Kindheit ein Geschichtenerzähler, nachdem ich entdeckt habe, dass jede Erklärung besser wird, wenn man ein bisschen Humor einbringt und Details der Dramaturgie neu arrangiert. Ich bin außerdem Kalifornier. Das ist ein großer Teil meines kulturellen Erbes, sowohl in Hinsicht auf die Aufgeschlossenheit, mit der ich erzogen wurde, als auch auf die Liebe für den schönen Platz, an dem ich lebe. Und ich denke, dass ich eine nette Person bin. Zumindest versuche ich das immer zu sein.

Viele Menschen haben darauf gehofft, andere sagten, dass es nie passieren würde, aber schließlich bist du nach 20 Jahren nach Osten Ard zurückgekehrt. Deine Leser waren mehr als aufgeregt, als »Das Herz der Verlorenen Dinge« veröffentlicht wurde. Wie kam es dazu? Sind die neuen Romane Fanservice oder hattest du das Gefühl, dass da noch etwas zu erzählen ist?

Es sind sogar eher 30 Jahre: Ich habe Mitte der 80er angefangen, die Osten-Ard-Bücher zu schreiben, nachdem ich mein erstes Buch, »Traumjäger und Goldpfote«, verkauft hatte.

Ich wurde über die Jahre immer wieder gefragt, ob ich jemals Fortsetzungen zu meinen Hauptwerken schreiben würde, und habe immer geantwortet »Nicht, bevor ich eine Geschichte zu erzählen habe«. Irgendwann, während ich meiner geschäftlich versierten Frau zu erklären versuchte, warum NICHT einfach mit einer Geschichte aus Osten Ard anfangen könnte, habe ich bemerkt, wie lange es her ist, dass ich die Originale geschrieben und wie ich mich verändert habe. Das hat mich dazu gebracht darüber nachzudenken, was eine ähnlich lange Zeitspanne und geänderte Umstände mit den Charakteren gemacht hätte, die ich für die »Das Geheimnis der Großen Schwerter« kreiert habe. Damit fing die Geschichte an, sich selbst zu schreiben.

»Die Hexenholzkrone« ist der erste Teil einer neuen Trilogie. Müssen die Leser die anderen Osten-Ard-Romane kennen oder können sie auch ohne »Das Geheimnis der Großen Schwerter« zu kennen anfangen?

Ich glaube, dass es den Leuten mehr Spaß machen wird, wenn sie die Originale gelesen haben, aber es ist sicher nicht notwendig. Ich habe versucht, neuen Lesern das Geschehen der früheren Bücher als Teil der neuen Geschichte näher zu bringen und ich glaube, dass die neue Reihe auf jeden Fall eigenständig gelesen werden kann. Manche werden vielleicht sogar zu den Originalen finden, NACHDEM sie die neuen Bücher gelesen haben und das ist natürlich auch schön.

Du hast bislang 26 Romane und Novellen geschrieben. Die meisten gehören ins Fantasy-Genre. Was ist für dich so besonders an Fantasy?

Zu Beginn schrieb ich Fantasy, weil es etwas war was ich liebte und gut kannte. Ich dachte, ich könnte so einfacher erkennen, ob ich überhaupt gut genug schreibe oder nicht. Außerdem hatte ich einiges an post-tolkienesker Fantasy gelesen, die ich etwas einfach oder auch nur langweilig fand. Wie viele Künstler dachte ich »Das kann ich mindestens genauso gut wie einige der Leute, die damit ihren Lebensunterhalt verdienen« und tat dann mein Bestes, um zu beweisen, dass ich richtig lag.

Kannst du dir vorstellen, etwas ganz anderes zu schreiben? Einen Krimi oder Thriller vielleicht?

Oh, absolut. Ich kann mir sogar vorstellen, etwas ganz anderes als ein Schriftsteller zu sein. Ich möchte einfach etwas für die Menschen machen. Geschichten erzählen, Figuren und Welten erfinden und sie dann teilen. Ich könnte auch ein Filmregisseur sein, ein Animationskünstler, ein Dramatiker, ein Musiker und eine ganze Menge mehr und ich wäre glücklich. Wie sich herausstellte, war Schreiben vielleicht die beste (und glücklichste) Wahl, denn ich mag es, allein und in meinem eigenen Tempo zu arbeiten, ohne mir Gedanken darum machen zu müssen, was andere Leute tun.

Es gibt ein MMORPG, welches auf deiner »Otherland«-Reihe basiert. Warst du in das Projekt involviert?

In den ersten Jahren war ich sehr stark darin eingebunden, aber dann gerieten wir in eine geschäftliche Schieflage (die aber nichts mit dem Spiel zu tun hat) und die letzte Finanzierungsphase fiel aus. Danach wurde das Spiel, mit mehreren Jahren Verspätung, an ein neues Studio verkauft und seitdem habe ich nicht mehr viel damit zu tun. Es war große Enttäuschung für mich, da ich anfangs sehr eingebunden und stolz auf das gewesen bin, was getan wurde. Ich glaube, wenn es uns möglich gewesen wäre, es richtig zu beenden, wäre ein wirklich großartiges MMORPG daraus geworden.

Du wirst oft als »J. R. R. Tolkien des 21 Jahrhunderts« betitelt und großartige Autoren wie George R. R. Martin sagen, dass deine Bücher sie für ihre eigene Arbeit inspiriert haben. Ich kann mir vorstellen, dass dieser Ruf mitunter schwer zu tragen ist, besonders in Hinsicht auf die Erwartungen, welche die Leser haben. Wie gehst du damit um?

Erwartungen, wie auch Rezensionen (gute oder schlechte), sind etwas, was ich zu ignorieren pflege. Nicht, weil es mich nicht interessieren würde, sondern weil ich mich schnell zu sehr mit etwas beschäftige. Je mehr ich darüber nachdenke, was die Leute von mir oder meiner Arbeit halten, desto weniger denke ich über die Arbeit selbst nach und umso mehr werden meine Ideen von fremden Ideen und Meinungen beeinflusst. Ich bin sehr dankbar, dass es Menschen gibt, die meine Arbeit für wichtig halten und ich glaube, dass ich ziemlich gut in dem bin was ich tue. Das ist aber wirklich schon alles, was ich an mich heranlasse. Lange, komplizierte Bücher zu schreiben und eine Familie zu ernähren und das ganze andere normale Zeug nimmt schon eine Menge Zeit und Energie in Anspruch.

Wenn ich mir deinen Facebook-Account ansehe, scheinst du eine sehr politische Person zu sein. Ist es dir wichtig, deine Meinung mit deinen Fans zu teilen? Und entstehen dadurch nicht manchmal Probleme wie »Du hast eine andere Meinung als ich, deine Bücher kaufe ich nicht mehr«?

Ich denke, dass jeder, der meine Bücher liest, bereits einen sehr guten Eindruck meiner politischen Ansichten gewinnt. Ich bin ein Humanist und glaube an Freundlichkeit und Geduld. Ich hasse Tyrannen. Gier gefällt mir nicht. Aber selbst in meinen politischsten Moment versuche ich, zwischen politischen Gruppen, die ich ablehne, und den Menschen in diesen Gruppen, mit denen ich in den meisten Situationen gut klarkommen würde, zu unterscheiden. Meine Social-Media-Präsenz wäre eine Lüge, wenn ich nie auf Dinge reagieren würde, die mich aufregen oder mir nahegehen. Ich lüge niemanden an, wenn ich es vermeiden kann – nicht einmal in Interviews!

Lass uns etwas persönlicher werden. Wie können wir uns einen normalen Tag in deinem Leben vorstellen?

Ich stehe meistens zwischen Neun und Zehn auf und krieche eine Stunde oder so wie ein Reptil auf der Suche nach Sonnenlicht durch das Haus, darauf wartend, dass mein Blut in Wallung kommt. Ich helfe mit Kaffee nach. Ich schaue in die sozialen Netzwerke und lese online Nachrichten, dann gehe ich gewöhnlich irgendwohin und denke darüber nach, was ich schreiben will. (Mir fällt das Arbeiten am leichtesten, wenn ich nachdenke, bevor ich mich hinsetze, um tatsächlich zu schreiben). Wenn ich dann das Gefühl habe, bereit zu sein, setze ich mich wieder an den Computer – meistens nachmittags – und rase durch 6 bis 10 Seiten. Das geht recht schnell, denn ich habe ja schon Entscheidungen getroffen und meine Gedankenexperimente um die wichtigsten Dinge abgeschlossen. Ich mache dann und wann eine Pause, um ein bisschen Spaß mit unseren Katzen und Hunden und den Kindern zu haben, dann gehe ich wieder an die Arbeit. Die Abende sind für gewöhnlich Familienzeit. Während der Rest schon im Bett liegt, bleibe ich lange wach und denke nach. Oft über die Arbeit und normalerweise schlafe ich dann auch nicht vor drei Uhr morgens.

Wie arbeitest du? Tinte und Feder in deinem persönlichen Dungeon mit Drachenköpfen an den Wänden oder doch eher der Computer im Büro?

Mein Büro ist im Erdgeschoss unseres Hauses. Ein schöner großer Raum mit vielen Fenstern, die den Blick auf unseren großen und ziemlich wilden Garten und das Grundstück erlauben. Wir haben etliche Bäume und es gibt viele wilde Tiere. Hasen, Truthähne, Eichhörnchen, alle möglichen Arten von Vögeln, Insekten, Schmetterlingen und Eidechsen. Je älter ich werde, desto mehr genieße ich das alles.

Was inspiriert dich zu deinen Geschichten?

Alles, um ehrlich zu sein, oder zumindest kann ich überall potenzielle Geschichten entdecken. Ideen entstanden aus Träumen, aus zufälligen Kommentaren von Anderen, aus obskuren Dingen, die ich in Büchern gelesen habe und sogar aus meinen eigenen Reaktionen auf Musikstücke. Manchmal, wie bei der neuen Osten-Ard-Geschichte, kommt die Inspiration aus Streitgesprächen, die ich mit mir selbst führe. »Also, warum kannst du das NICHT tun? Wie wäre es, wenn du das ganze Ding auf den Kopf stellst, Tad, und dann noch einmal darüber nachdenkst?«

Hast du Idole?

Viele, die meisten aus Schriftstellerei, Musik und Kunst, aber wahrscheinlich zu viele, um sie aufzuzählen. Meine Idole sind nicht immer perfekte Menschen und ich strebe nicht danach, wie sie zu sein. Aber ich bewundere es, wenn sie Kreativität mit Freundlichkeit vereinen und dabei ein Auge für andere lebende Dinge behalten. Am nächsten an die klassischen Idole kommen wohl die großen Einflüsse, mit denen ich aufgewachsen bin, wie die Beatles, die Schöpfer der Marvel-Comics und J.R.R. Tolkien. Manches davon ist allerdings pure Nostalgie, die Erinnerung daran, wie es war, Dinge zu entdecken die mir zu dieser Zeit perfekt erschienen und die meine Ansicht davon geformt haben, was Kreativität bedeutet.

Die berühmte Einsame-Insel-Frage: Wenn du nur drei Bücher auf eine einsame Insel mitnehmen dürftest, welche wären es?

Ehrlich gesagt kommt es darauf an, ob ich jemals zurückkommen würde. Falls ich es würde, würde ich etwas wie die christliche Bibel mitnehmen, nur damit ich sie besser kennenlernen kann. Ich wurde nicht sonderlich religiös erzogen, aber wollte die Bibel immer besser kennenlernen, da sie ein großer kultureller Stützpfeiler ist. Wenn ich nur zur Unterhaltung packen würde, würde ich die kompletten Shakespeare-Stücke mitnehmen wollen (falls sie als ein Buch zählen). Außerdem den »Herrn der Ringe« und vielleicht Gibbons »Verfall und Niedergang des Römischen Imperiums«. Stattdessen könnte ich aber auch Thomas Pychons »Die Enden der Parabel« einpacken, schon lange eines meiner Lieblingsbücher und ein wunderbar dichtes Gedankenspiel.

Wie lange brauchst du, um einen neuen Roman fertigzustellen?

Kommt darauf an, wie lang er ist. Einen kurzen wie die Bobby-Dollar-Bücher kann ich in etwa 6 Monaten schreiben. Lange, wie die neue Osten-Ard-Reihe, brauchen zwischen einem und eineinhalb Jahren. Nach den Genrestandards bin ich ziemlich schnell.

Was wäre dein erster Rat an Menschen, die darüber nachdenken, Schriftsteller zu werden?

Macht es nicht, um Geld zu verdienen. Denkt nicht über den »Markt« nach – schreibt eine Geschichte, die ihr selbst lesen würdet und lasst sie ihr Publikum von ähnlich denkenden Leuten finden. Wenn ihr Genrefiction schreiben wollt, lest hauptsächlich außerhalb dieses Genres. Tatsächlich solltet ihr eine Menge Non-Fiction, Geschichte und Wissenschaftsbücher lesen, egal was ihr selbst schreiben wollt. Und dann SCHREIBT. Es ist unglaublich, wie viele Leute sagen, dass sie schreiben wollen und es dann nie tun. Es ist wie trainieren zu wollen, aber nie von der Couch hochzukommen. Schreiben ist eine Fähigkeit, aber es geht auch um Ausdauer. Es ist wie Muskelaufbau, man muss schreiben, um diese Nervenwege zu stimulieren, damit der Prozess einfacher wird, man sich nicht mehr selbst im Weg steht und mit Ideen statt mit Techniken arbeiten kann. Technik allein macht keine gute Geschichte.

Was können wir in der Zukunft von Tad Williams erwarten? Gibt es neue Projekte, über die du bereits sprechen kannst?

Um ehrlich zu sein, ist das einer der wenigen Momente, in denen ich buchstäblich keine Idee habe, was ich als nächstes tun werde, denn ich habe noch das Ende des zweiten Bands zu schreiben, dann den dritten und auch noch einen weiteren kurzen Osten-Ard-Roman. Ich weiß noch nicht, was ich nach Osten Ard machen werde, sicher ist nur, dass ich IRGENDETWAS schreiben werde. Denn ich muss Geschichten erzählen. Dagegen kann ich nichts tun.

Das wäre es dann schon. Noch einmal vielen Dank, dass du dir die Zeit für das Interview genommen hast. Möchtest du deinen deutschen Lesern noch etwas sagen?

Ich werde diesen Oktober durch Deutschland (und andere Länder) touren und ich freue mich darauf, meine Leser und Freunde wieder zu treffen. Auf wiedersehen! (O-Ton)

The interview is also available in English language. Please click here.

Einleitung
Bibliografie
Interview

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.

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