Hier ist er also, der angekündigte Start unserer neuen Rubrik. Ich freue mich ganz besonders, dass sie ein Autor eröffnet, dessen Buch “Red Sky” für mich definitiv zu meinen Lesehighlights dieses Jahres gehört – und auf dessen zweite deutsche Veröffentlichung “Down” ich im Moment wie ein Junkie mit zitternden Händen warte. In diesem Sinne also: Bühne frei für Nate Southard.

Southard lebt in Austin, Texas. Noch gehört er zu den Schriftstellern, die sich in ihrer Freizeit ihren Geschichten widmen, während er tagsüber einem “normalen” Job nachgeht. Seine Karriere begann er im Jahr 2003, anders als viele seiner Kollegen jedoch nicht mit Kurzgeschichten, sondern mit Comics. Seine erste Kurzgeschichte “Digging” erschien im Jahr 2004. Mit “Just Like Hell” veröffentlichte Southard im Jahr 2008 seine erste Novelle. Sein Debutroman “Red Sky” wurde 2011 in den USA und 2012 in Deutschland veröffentlicht. Es erfreute sich besonders hier einiger Beliebtheit bei Fans und Kritikern, wurde unter anderem vom Virus Magazin zum Buch des Jahres 2012 gekürt.

Deutsche Veröffentlichungen:

Red Sky

Down

Eine Nacht in der Hölle

(alle erschienen im FESTA-Verlag)

In den USA veröffentlichte Southard bislang 5 Romane, 8 Novellen, 4 Comics sowie beachtliche 41 Kurzgeschichten.

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Und nun wünsche ich viel Spaß mit dem Interview, welches wir per eMail geführt haben.


Wie hat deine Karriere begonnen? Wann hast du angefangen zu schreiben?

Ich hatte schon als Kind Spaß an Horrorgeschichten. Geistergeschichten, die Romane von Stephen King und Clive Barker… damit bin ich aufgewachsen. Vermutlich habe ich einfach angefangen, die Art von Story zu schreiben, die ich selbst gerne gelesen habe. Während der High School-Zeit habe ich ich zum Spaß geschrieben, später bin ich dann auf die Hochschule für Screen-Writing gegangen. Als ich dann meinen Abschluss machte, hatte ich allerdings einen Teil meines Interesses an Filmen verloren, dafür nahm das klassische Schreiben einen größeren Platz ein. 2003 habe ich dann meine Karriere als Autor begonnen.

Woher nimmst du deine Inspiration?

Inspiration kann von überall kommen – und das zu jeder Zeit. Sie kann aus einem Bild, einem Nachrichtenbeitrag oder einer Erfahrung entstehen, die ich persönlich gemacht habe. Mein persönlicher Schlüssel ist dabei, mir so viele Dinge wie möglich zu merken, sie aufzuschreiben und dann zu sehen, welche Ideen daraus entstehen.

Warum fasziniert dich das Schreiben? Und was daran ganz besonders?

Auf der einen Seite liebe ich es einfach, Geschichten zu erzählen. Es macht mir Spaß, Welten und Menschen zu kreieren und selbst zu entdecken, in welchen Schwierigkeiten sie stecken. Ich investiere viel Zeit in meine Gedanken, manchmal ist es ein bisschen, als ob ich in meinem eigenen Kopf leben würde. Schreiben ist für mich der Weg, das zum Ausdruck zu bringen.

Wie lange dauert es, bis du ein Buch vollendet hast?

Ich schreibe nicht mehr so schnell wie noch vor 10 Jahren. Ich würde sagen im Duchschnitt braucht ein Roman etwa ein Jahr von Anfang bis Ende. Ich springe dabei allerdings auch von Buch zu Buch. Wo ich insgesamt vielleicht nur ein Jahr brauchen würde, kann sich der komplette Prozess so über mehrere ziehen.

Wo schreibst du? Zu Hause oder auf einer Parkbank? Schreibst du am Laptop oder auf der guten, alten Schreibmaschine. Oder machst du dir eher Notizen auf Papier?

Ich schreibe zu Hause. Ich habe einen normalen Job, also versuche ich, eine oder zwei Stunden früher aufzustehen und noch vor der Arbeit etwas zu schreiben. Meistens sitze ich morgens mit müden Augen vor meinem Laptop und warte darauf, dass der Kaffee fertig ist.

Hast du Idole, ganz egal ob Autoren, Regisseure oder vielleicht auch jemand aus deiner Familie?

Mein älterer Bruder Mark war mein erstes Idol. Als ich noch ein Kind war, hat er mehrere Romane verfasst, die aber nie veröffentlicht wurde. Er war die erste Person die ich kannte, die man Autor nennen könnte und er hat mich bei meinen ersten eigenen Versuchen sehr unterstützt. Im Lauf der Jahre haben mich verschiedene Autoren in unterschiedlichem Maß inspiriert, ich würde aber sagen, dass meine Top 5 Peter Straub, Jack Ketchum, Warren Ellis, Lee Thomas und Laird Barron sind.

“Red Sky” war dein erster Roman, der in Deutschland veröffentlicht wude. Hast du mit so einem Erfolg gerechnet?

Kein bisschen! Als der Festa Verlag “Red Sky” veröffentlicht hat, war es in den USA nur in kleiner Auflage erschienen. Ich war ein bemühter Autor, der darum kämpfte, dass die Leute meiner Arbeit ein bisschen Aufmerksamkeit schenkten. Der Erfolg von “Red Sky” in Deutschland war unglaublich und dafür bin ich sehr dankbar.

Kommen wir kurz auf deinen neuen Roman “Down” zu sprechen, der am 26. Juli in Deutschland erschienen ist. Gib uns doch einen kleinen Überblick über die Geschichte und das, was den Leser darin erwartet.

“Down” ist die Geschichte einer Rockband, deren Flugzeug in einem mysteriösen Wald abstürzt. Während sie nach dem Crash um ihr Überleben kämpfen, greift sie eine seltsame Kreatur an. Die Dinge entwickeln sich von schlecht zu miserabel. Der Wald um sie herum ist die Heimat von etwas uraltem und schrecklichem – und es ist sehr hungrig. Den Leser erwartet also Blutvergießen, Chaos, ein kleines bisschen Kannibalismus und ein paar noch abgefahrenere Dinge.

Ist es schwierig, wenn man versucht an einen Erfolg wie den von “Red Sky” anzuknüpfen?

Ich versuche, mir darüber keine Gedanken zu machen. Wenn ich mich in solche Fragen verrennen würde, würde ich durchdrehen. Auf der einen Seite ist das einzige, was ich tun kann, die Geschichte so gut es geht zu erzählen. Auf der anderen Seite hoffe ich natürlich, dass die Leute “Down” mögen werden und es zu einem Erfolg machen, denn ich bin sehr stolz auf das Buch. Ich versuche aber dennoch, nicht zu sehr darüber nachzudenken.

Arbeitest du bereits an einem neuen Roman?

Ja, gerade jetzt springe ich zwischen zwei Geschichten hin und her. Es ist noch zu früh, um über sie zu sprechen, aber ich verbringe im Moment viel Zeit vor dem Computer und schreibe jeden Tag ein bisschen mehr.

Auf deiner Homepage haben wir gesehen, dass du auch Comics schreibst. Kannst du eine Empfehlung aussprechen?

Ich wünschte, ich könnte euch einen Comic, den ich geschrieben habe empfehlen, aber leider geht das nicht. Die Comics waren meine ersten veröffentlichten Arbeiten und es gab eine Menge Probleme damit. Ich habe damals gerade erst angefangen zu lernen, wie man Geschichten erzählt. Wenn es um wirklich gute Comics geht, würde ich “Transmetropolitan” von Warren Ellis und “DMZ” von Brian Woods empfehlen. Beides sind großartige Arbeiten.

Schreibst du “nur” die Geschichte oder bist du auch der Künstler, der für die Zeichnungen zuständig ist?

Ich habe nur die Geschichten geschrieben. Mir fehlt das künstlerische Talent, was für die Zeichnungen notwendig wäre. Ich könnte sie zeichnen – aber sie würden absolut schrecklich aussehen!

Was gefällt dir persönlich besser, Comics oder Romane?

Auf jeden Fall Romane! Ich kann die Geschichte dort weitaus besser steuern, weil ich nicht mit einem Künstler zusammenarbeiten muss. Nicht falsch verstehen, ich habe kein Problem mit Kooperationen, aber ich kann schon ein ziemlicher Kontroll-Freak sein. Bei Romanen bin ich der Mann am Steuer.

Auf deiner Homepage haben wir auch einen Hinweis auf deine Katze gefunden. Was ist mit ihr, wie ist ihr Name? Und hast du jemals einen deiner Charaktere auf ihr basieren lassen?

Meine Katze ist ein kleiner Kerl namen Simon. Nun ja… vielleicht ist “klein” das falsche Wort. Er arbeitet hart daran, fett zu werden. Ich habe Simon für keinen meiner Charaktere als Grundlage genommen, dafür jedoch Greta, den deutschen Schäferhund meiner Ex-Freundin.

Gibt es Traum-Projekte, die du gerne realisieren würdest?

Oh, davon gibt es einige. Ich würde gerne bei einem der großen US-Verlage einen Vertrag abschließen. Zur Zeit arbeite ich an einem Buch, welches der Anfang einer Reihe sein könnte und es wäre toll, eine Buch-Serie geschaffen zu haben, welche die Leute mögen. Mein Hauptziel ist es jedoch, mich als Schriftsteller weiter zu verbessern und daran arbeite ich jeden Tag. Manchmal frustriert mich der langsame Fortschritt, aber ich weigere mich einfach, aufzugeben.

Bekommst du viel Fanpost? Und beantwortest du sie grundsätzlich selbst? Welche Rolle spielen die Fans in deinem Leben und deiner Karriere?

Nein, nicht viel. Was reinkommt, beantworte ich selbst. Die Fans spielen natürlich eine große Rolle in meiner Karriere. Ich hätte keine Karriere ohne sie. Ich versuche immer, meinen Fans gegenüber freundlich und dankbar zu sein. Ich schulde ihnen eine Menge.

Wie sieht es mit Kritiken aus? Gab es negative Stimmen? Und wie gehst du damit um?

Ich habe natürlich meinen Anteil an negativen Reviews bekommen. Man versucht einfach, sie gelassen hinzunehmen. Ich habe einige gelesen, bei denen ich dachte “OK, das ist fair”. Es gab auch welche, bei denen ich mir ein Kichern nicht verkneifen konnte. Wie schon gesagt, ich versuche einfach, die beste Geschichte zu erzählen, die mir möglich ist. Jeden zufriedenstellen zu wollen würde nur in Stress ausarten.

Ist Horror dein Lieblings-Genre? Oder gibt es noch andere, die dich interessieren?

Horror ist mit weitem Abstand mein Favorit. Es gibt so viele unterschiedliche Dinge, die du im Bereich des Horrors machen kannst, so viele unterschiedliche Geschichten, die man erzählen kann. Es ärgert mich immer, wenn die Leute das Thema Horror nur auf ein paar kleine Punkte einschränken wollen. Es gibt bei diesem Platz so viel Spielraum für die unterschiedlichsten Ideen.

So, das musste mal raus. Ich interessiere mich auch für Krimis, die meiner Meinung nach wie eine Art seltsamer Bruder des Horrors sind. In den Staaten kommt bald mein Kriminalroman “Pale Horse” raus. Mein erstes Buch, in dem es nicht um Horror geht.

Was sind deine Lieblingsautoren und -bücher?

Laird Barron, Sarah Langan, Peter Straub und Gillian Flynn. Laird Barrons Kurzgeschichten sind das beste, was man heute im Horror-Genre finden kann. Langan ist immer für qualitativ hochwertige Romane mit fesselnden Charakteren gut. “Koko” von Peter Straub hat die Art, wie ich das Genre und meinen eigenen Stil sehe, verändert. Flynns Geschichte “Sharp Objects” wird zwar als Krimi vermarktet, aber ich denke, dass es die beste Horrorstory der letzten 10 Jahre ist.

Was außer Büchern und Schreiben interessiert dich noch?

Kochen. Ich bin zwar kein großartiger Koch, aber ich lerne gerne dazu. Ich habe gerade für sechs Wochen in einem örtlichen Thai-Restaurant gearbeitet und das war eine der besten Erfahrungen meines Lebens. Leider haben sie seit letztem Wochenende geschlossen, aber ich will gerne wieder etwas in der Art machen und weiter lernen.

Wie sieht der Alltag für einen Autoren wie dich aus?

Ich stehe um 5 Uhr morgens auf und werfe die Kaffeemaschine an, dann fange ich an zu schreiben. Um 6.30 Uhr mache ich mich dann für den Job fertig. Um 16 Uhr habe ich Feierabend, gehe nach Hause und schreibe entweder noch weiter oder entspanne mich einfach mal den Abend über. Mein Ziel ist es, jeden Tag drei Seiten zu Papier zu bringen.

Last but not least: Kannst du dir vorstellen, Deutschland mal für eine Convention oder eine ähnliche Veranstaltung zu besuchen?

Ich würde Deutschland unglaublich gerne einmal besuchen! Die Fans dort waren mir gegenüber echt großartig und ich würde diesen Gefallen gerne erwidern. Wenn ich eine Möglichkeit finde, es zu finanzierenn werde ich eines Tages auf jeden Fall einmal da sein.

Gibt es noch irgendwas, was du den deutschen Fans sagen möchtest?

Ich danke euch allen für die Unterstützung. Das bedeutet mir unglaublich viel und ich bin froh, dass euch meine Bücher gefallen.

Ich widerrum bedanke mich nun natürlich zunächst einmal bei Nate, der sich die Zeit für dieses Interview genommen hat. Außerdem natürlich auch bei Ela, die das Interview mit mir zusammen ausgearbeitet und übersetzt hat. “Down” ist nun heute, nachdem ich die Einleitung geschrieben habe, bei mir angekommen und ich bin recht sicher, dass es nicht lange dauern wird, bis ihr die Rezension hier findet.

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.