Auf in eine neue Runde “All eyes on…”. Ursprünglich war es ja einmal die Intention dieser Rubrik, jungen und unbekannteren Autoren eine kleine Plattform zu geben. Ein Ziel, an dem ich mit Michael Robotham und Stan Nicholls vermutlich schon etwas vorbei geschossen bin. Darum geht es heute also zurück zu den Wurzeln und ich freue mich, mit Lutz C. Frey einen Autoren präsentieren zu können, der im letzten Jahr nicht nur sein Debüt abgeliefert, sondern gleich noch zwei volle Romane nachgelegt hat.

Auf eine Biografie verzichte ich heute einmal, da Frey ganz offen dazu steht, unter einem Pseudonym zu schreiben und ich diese Entscheidung respektiere und deswegen auch nicht weiter nachgehakt habe. Es sei nur so viel gesagt, dass er im “persönlichen” Gespräch einen sehr sympathischen Eindruck macht und dieser sich im Zuge des Interviews noch verstärkt hat.

Lutz C. Frey hat mittlerweile 4 Werke veröffentlicht (alle 2013 im Eigenverlag erschienen):

  • Das Nest
  • Der Pakt
  • Draakk – Etwas ist erwacht
  • Psycho Girl Story

Ihr findet Lutz C. Frey bei Facebook, Twitter und natürlich auch auf seiner Homepage. Und nun wünsche ich euch viel Spaß mit Lutz’ lesenswerten Antworten auf meine Fragen – und einem kleinen Ausblick auf sein Schaffen im Jahr 2014.

Hallo Lutz,

erstmal vielen Dank, dass du dich zu dem Interview bereit erklärt hast. Der typische Einstieg ist eine kleine Selbstvorstellung des jeweiligen Autors. In diesem Sinne: shoot!

Hi Sebastian, gern doch. Ok, dann selbstvorstelle ich mich mal, ist ja fix erledigt. Im letzten Jahr habe ich unter dem Pseudonym L.C. Frey meine ersten drei Bücher und eine Kurzgeschichte veröffentlicht, die alle mehr oder weniger dem Horror/Thriller-Genre zuzuordnen sind. Ich hoffe, dass es in diesem und den nächsten Jahren noch ein paar mehr werden.

Du warst im letzten Jahr ja ziemlich aktiv. Mit “Nest”, “BLUE” und “Draakk” hast du gleich drei “größere” Veröffentlichungen raus gebracht. Hand auf’s Herz: wie viel von diesen Werken ist tatsächlich innerhalb dieses Jahres entstanden?

Ja, im letzten Jahr war ich recht busy, nicht nur, was das Schreiben betrifft, ich habe mich ja auch erstmals um Sachen wie Cover, Satz und Marketing kümmern müssen, das ist dann nochmal ein ziemlicher Rattenschwanz. »Nest« und »Blue« habe ich 2013 geschrieben. An »Draakk« habe ich dagegen insgesamt fast drei Jahre gearbeitet, wobei sich der Großteil der Arbeit auf 2012 und 2013 verteilt hat.

Deine Veröffentlichungen hast du bislang komplett selbst in der Hand gehabt. Hast du dich bewusst für’s Selfpublishing entschieden oder war das eher eine Entscheidung, die sich aus der Not ergeben hat?

Nö, aus der Not heraus sicher nicht. Wenn einer aus Geldsorgen anfängt, Horrorthriller zu schreiben, muss er schon ziemlich bekloppt sein. Da gibt es weit einträglichere Genres und Berufe. Ich habe ja auch nicht alles selbst gemacht. Lektorat, Artwork, Satz und einen Teil des Marketings habe ich den Leuten überlassen, die davon mehr verstehen als ich, in meinem Fall sind das vor allem Wolma Krefting (www.bueropia.de) für’s Lektorat und das Ideekarree Leipzig (www.ideekarree.de) für den ganzen Rest. Einen Verlag hatte ich für die Bücher nicht, ich habe auch weiter keinen angefragt. Ich wollte zunächst ein Gefühl dafür bekommen, wie meine Bücher bei den Lesern ankommen.

Ich könnte jetzt auch ganz generell fragen: ist Selfpublishing ein Fluch oder ein Segen? Aus Autoren- wie auch aus Lesersicht?

Fakt: Seit es SP gibt, greifen Leute in die Tasten, die das vorher wohl nie getan hätten, und werden produktiv tätig mit etwas, das ihnen Spaß macht. Das ist wirklich Klasse, und tausend Mal besser als Fernsehen, Lesen, Saufen oder jede andere Art des mehr oder weniger gedankenlosen Konsums. Mehr Leute reflektieren sich und ihre Umgebung durch das Medium Buch und dafür können wir als Gesellschaft nur dankbar sein – es bereichert uns alle.

Im großen und Ganzen denke ich, hier beginnen gerade zwei Welten aufeinander zuzugehen und man wird sich auf lange Sicht wohl irgendwo in der Mitte treffen. Beide können sicher eine Menge voneinander lernen.

Ich selbst lese übrigens beides gern, Verlags- und Selbstpubliziertes.

Deine Geschichten sind im Allgemeinen ja sehr gut aufgenommen worden. Hast du damit gerechnet, dass sich Jake Sloburn so rasant fast schon zu einem Publikumsliebling entwickelt? Und hast du von Anfang an einer Reihe gearbeitet oder war es eher so ein “mal schauen, was passiert”?

Nö, überhaupt nicht, ich bin da völlig ohne Erwartungen rangegangen, und freue mir gerade ein Loch in den Bauch. Ehrlichgesagt hatte ich anfangs einige Bedenken, ob überhaupt jemand etwas mit dieser seltsamen Figur anfangen kann, Jake ist ja schon ein recht spezieller Charakter. Große Teile von »Blue« habe ich fertiggeschrieben, während ich auf das Lektorat von »Draakk« gewartet habe, es war einfach ein Riesenspaß, das vergammelte Küstenstädtchen Port durch die Augen von Ricky, Sam, Jake und den anderen zu sehen. Das es eine Reihe werden könnte, hat mir von Anfang an so vorgeschwebt, da ich gleich zu Beginn einige Ideen hatte, die alle in die Welt und zu der Figur von Jake Sloburn passen. Ich hoffe, ich bin der Herausforderung eines Serienhelden gewachsen, es ist nämlich mein erster.

Welchen Stellenwert hat das Schreiben in deinem Leben? Ich denke mal, dass du noch nicht zu den Vollzeit-Autoren gezählt werden kannst?

Nein, genaugenommen bin ich ein Halbzeit-Autor, ich schreibe oder überarbeite bis zum Mittag, und dann abends, nach meiner regulären Arbeit, kümmere ich mich um die anderen Aspekte des Self Publishings, meine Website, meine Leserpost und so weiter, wenn nichts Privates ansteht. Ich bin in meinen beiden Jobs selbständig und mittlerweile recht gut darin, mir meine Arbeitszeit effektiv einzuteilen.

Denkst du, dass es qualitativ einen Unterschied macht, ob man das Schreiben professionell oder eher (und damit möchte ich nun keineswegs die Werke der Betroffenen schlecht machen!) hobbymäßig betreibt?

Keine Ahnung, da müsste man wohl eher eine Umfrage unter den Lesern machen, und ich bin ja nur einer. Ich kann nur sagen, dass ich versuche, mein Schreiben so professionell zu gestalten, wie es in meiner Kraft steht. Und das heißt für mich vor allem, ständig an mir zu arbeiten, nur so wird man besser, denke ich. Außerdem »spendiere« ich jedem meiner Bücher ein professionelles Lektorat und Cover. Das ist das Mindeste, das ich meinen Lesern schulde.

Wie bist du zum Schreiben gekommen? Du wirst ja kaum aufgestanden sein und dir gedacht haben “Mist, heute ist Scheißwetter, also schreibe ich mal eine Geschichte”.

Nein, natürlich nicht. Das passierte während einer längeren Zugfahrt, da hat man viel Zeit, um die Gedanken fliegen zu lassen. Irgendwann hatte ich ein ganz bestimmtes Bild im Kopf, und zwar ein ziemlich unspektakuläres: Eine kleine Gruppe von Menschen, die erschöpft am Straßenrand eines Stoppelfeldes sitzt und vor irgend etwas Widerwärtigem auf der Flucht ist. Und aus dem Bild folgte eine bestimmte Stimmung, daraus ein Szenario und ein schließlich tauchten ein paar Charaktere auf, die ich gemeinerweise durch dieses Szenario zu jagen gedachte. Das war die Idee für das Manuskript, aus dem schließlich »Draakk« geworden ist. Und es war wirklich kein Scheißwetter, das war nämlich mitten im Sommer. So mit Sonne, falls du dich noch daran erinnern kannst? Ich nehme an, ich habe damals recht viel auf dem Balkon geschrieben.

Wenn du die Wahl zwischen dem Debüt eines dir völlig unbekannten Autoren oder dem neuen Stephen King hättest, wofür würdest du dich entscheiden?

Böse Frage. Ehrlich? Stephen King. Was das betrifft, bin ich ein furchtbarer Langweiler und King besorgt es mir halt einfach immer gut, da weiß man, dass man Qualität erwarten kann. Das Gruseligste an dem Mann ist wohl, dass er immer noch besser wird, obwohl er seit 60 Jahren schreibt. Sechzig Jahre, Mann! Hättest du mich mal lieber nach einer Eissorte gefragt, da hätte ich definitiv das neue, völlig Unbekannte gewählt.

Auf Facebook hast du angekündigt, es nun erstmal ein bisschen ruhiger angehen zu lassen. Dürfen wir uns in diesem Jahr trotzdem noch auf neue Outputs einstellen?

Oh, habe ich? Naja, ich wollte da wohl keine übermäßigen Erwartungshaltungen schüren, drei Bücher pro Jahr sind auch für mich harte Arbeit, es ist ja mit dem Schreiben des Manuskripts lange nicht getan. Aber ich arbeite natürlich an neuem Material. Ich weiß schon, das sagen sie alle, haha … daher will ich mal ein bisschen konkreter werden, exklusiv hier auf Review-Corner, sozusagen. Ta-daa!

Ich glaube, ich kann schon verraten, dass es in einer dystopischen Story, an der ich gerade sitze, noch mal etwas düsterer zugehen wird als schon in »Draakk« und ich den Leser in einen recht komplexen Plot zu verstricken gedenke. Ich hoffe sehr, das gelingt mir. Wie auch immer, zum Lachen wird in dieser Story vorraussichtlich recht wenig sein, obwohl sie durchaus auch einen gewissen Reiz für Jake-Sloburn-Fans haben dürfte.

Ich arbeite außerdem gerade noch an einem Projekt zusammen mit einem anderen Autor, das eher in Richtung »Globaler Verschwörungsthriller« geht, diesmal ganz ohne Horror, aber mich hat die Story sofort in ihren Bann gezogen, denn sie hat einen Bezug zu Themen, die mich (und ich glaube, eine Menge anderer Leute, die das aktuelle Zeitgeschehen mit offenen Augen betrachten) gerade sehr interessieren. Wie zum Beispiel die Frage »Was zur Hölle treibt dieser durchgeknallte Big Brother da eigentlich gerade?«.

Darüber hinaus gibt es ein paar fette Ordner voller Plotideen und vielleicht lasse ich den guten Jake auch in 2014 mal wieder von der Leine, wer weiß? Das Jahr ist ja noch recht jung.

Das alles vorbehaltlich einer Menge Glück, Kaffee und ganz viel Arbeit, die noch zu tun ist. Einer Riesenmenge Arbeit, puh!

Keine Ahnung, was von dem oben genannten dann tatsächlich in 2014 herauskommen wird, das hängt auch davon ab, ob ich mal bei ein paar Verlagen anfrage, ob sie Lust auf eins der Projekte haben. Es wäre sicher spannend, einmal beide Arten der Veröffentlichung eines Autors im selben Genre miteinander zu vergleichen.

Ach ja, und dann gibt es dieses Jahr vielleicht noch Neuigkeiten zu »Draakk«. Aber keine Angst, zunächst ist kein zweiter Teil oder sowas in Planung, ich meine damit etwas gänzlich Anderes. (… sagte er mit einem vieldeutigen Lächeln und sank zurück in den Schatten seines Ohrensessels, haha …)

Deine Geschichten sind ja eigentlich grundsätzlich im Horrorgenre beheimatet. Was fasziniert dich daran so?

Stimmt. Ich bin schon seit meiner Kindheit ein großer Horrorfan, das hat mich auch in der Musik und in Filmen fasziniert, wobei ich Psychothriller und hirnlose Gewalt- und Splatterorgien nicht so mag, ich bin eher ein Freund atmosphärisch dichter, düsterer Stories mit übersinnlichen Elementen. Also lieber »Die neun Pforten« als »Saw«, definitiv. Das hat eine Menge mit Realitätsflucht zu tun, für mich ein wichtiger Aspekt sowohl des Lesens als auch des Schreibens. Andere umkreisen die Welt in einem Heliumballon oder fahren sich gegenseitig auf der Autobahn tot, ich schreibe halt Geschichten.

Könntest du dir vorstellen, auch mal was abseits dieser Schiene zu schreiben? (Psycho Girl lasse ich jetzt mal bewusst außen vor, da ich die Story nicht kenne)

Natürlich erweitert man über die Jahre seinen Horizont, muss man auch, sonst setzt man Rost und Langeweile an. Solange es eine Story ist, die sich aufzuschreiben lohnt, bin ich dabei und tu mein Bestes.

Und ja, tatsächlich warten in besagten Ordnern ein paar Plots, die überhaupt nichts mit Horror zu tun haben, es gibt durchaus andere Genres, die mich reizen. Romance zum Beispiel. Jojo Moyes hat mir eindrucksvoll gezeigt, dass auch das sehr gut funktionieren kann, sie schreibt einfach Klasse und mit unglaublich viel charmantem Witz. Und vor allem braucht sie dazu weder glitzernde Vampire noch seichte Sadomaso-Kinderein.

Alan Bradleys »Flavia de Luce« ist auch so eine außer-horror-mäßige Entdeckung, da ist fast jeder Satz ein Goldnugget und der Plot ist quasi ein Krimi, was ich sonst auch eher selten lese. Ähnlich geht es mir mit dem Briten Nick Stephensons »Leopold Blake«, das ist jetzt mal ein waschechter Self-Publisher aus dem Crimethriller-Bereich.

Und ich bin seit letztem Jahr ein großer Fan von J.K. Rowling. Wahrscheinlich bin ich damit der letzte Mensch auf dem Planeten, der Harry Potter zum ersten Mal gelesen hat. Ich lese mit der Geschwindigkeit einer Schnecke. Dafür besitze ich jetzt einen kleinen Harry aus Plastik, der mir beim Schreiben hilft. Nein, eigentlich steht er nur herum und zaubert den ewig gleichen Expecto Patronum, der olle Langweiler! Ich mag ihn trotzdem.

Und es gibt noch etwas, das ich wahnsinnig gern einmal machen würde: Einen Comic. Das wäre ein Kindheitstraum. Falls also ein talentierter Zeichner gerade mitliest, kann er oder sie sich gern bei mir melden (www.LCFrey.de).

Wenn man “BLUE” und “Draakk” direkt miteinander vergleicht, fällt schnell auf, dass es stilistisch einige große Unterschiede zwischen diesen Werken gibt. Was ist dir selbst lieber, der doch sehr ernsthafte Ton von “Draakk” oder diese augenzwinkernde, selbstironische Art, die für die Jake Sloburn-Bücher steht?

Ich denke, da haben die Story und die Charaktere wohl ganz viel Einfluss auf die Schreibe gehabt. Bei Jake Sloburn habe ich immer einen dieser düsteren Comics vor Augen, etwa Neil Gaimans Sandman, die Watchmen, Peter Milligans Enigma oder einige der späteren Batmans. Klar geht es da reichlich hart und düster zur Sache, aber letztlich ist es doch alles etwas überzeichnet, und man darf nicht vergessen, welche Unmengen an Gras in »Blue« verbraten werden.

»Draakk« ist durchaus etwas ernster und bodenständiger gemeint, daher ist der Ton dementsprechend. Ich kann wirklich nicht sagen, dass mir eins der Bücher besser gefällt als das andere. Ein jegliches hat seine Zeit, stimmt’s? Und davon abgesehen gibt es durchaus auch ein paar Bezüge zwischen »Draakk« und »Blue« für den aufmerksamen Leser.

Und wenn wir schon bei den Vorlieben sind, was ist für dich persönlich interessanter – Kurzgeschichten und Novellen oder das klassische Roman-Format?

Ich habe wahnsinnigen Respekt vor Menschen, die gute Kurzgeschichten schreiben können, ehrlich! Nach dem Gedicht ist es die komprimierteste literarische Textform, die es gibt und man muss so etwas wirklich drauf haben, weil man nicht viel Zeit hat, den Leser für die Charaktere oder die Handlung zu begeistern, da muss jeder Schuss sitzen, da zeigen sich wahre Meister der Sprache, wie eben auch in Gedichten oder guten Songtexten. Diese Typen sitzen verdammt nah an der Quelle.

Novellen haben, glaube ich, gerade auf dem digitalen Sektor heute wieder Hochkonjunktur, und gerade klassische Fortsetzungsgeschichten von mittlerer Länge so um die 100 Seiten lese ich sehr gern, zuletzt übrigens die Odd Thomas-Reihe von Dean Koontz. Cooler Stoff.

Für einen Roman braucht man halt viel Zeit. Dafür bietet er aber die besten Möglichkeiten zur Realitätsflucht, was mir, wie gesagt, viel bedeutet. Zack, verschwindest du für ein paar Stunden in eine andere Welt, verdrückst dich wie Bastian Bux nach Phantàsien. Das ist doch großartig!

Das Thema eBook-Piraterie ist derzeit aktuell wie schon lange nicht mehr. Wie stehst du zu diesem Thema? Siehst du solche Plattformen, die ja teilweise unglaubliche Mengen an geklauten Büchern zum Download anbieten auch für dich persönlich als Gefahr? Besonders da du ja gerade auf dem digitalen Weg sicherlich mindestens genau so viel verkaufen dürftest wie im klassischen Papierformat.

Eine Gefahr wofür? Für mein milliardenschweres Autorenimperium? Eher nicht. Aber es ist schon ein komplexes Thema. Einerseits verdienen da Leute mit etwas Geld, zu dessen Entstehung sie nicht das Geringste beigetragen haben und als »Marketing für den Autor« würde ich den Upload auf eine solche Plattform auch nicht gerade bezeichnen, zumal besagter Autor von den Verkäufen dort keinen Cent sieht und nicht anzunehmen ist, das »Piratenleser« plötzlich anfangen, dessen Bücher käuflich zu erwerben, wenn sie sie woanders auch kostenlos bekommen können. Von dem Geld, das Verlagen bei so etwas durch die Lappen geht, mal ganz zu schweigen.

Andererseits basiert das uns umgebende Wirtschaftssystem zu einem gewissen Teil tatsächlich auf dem Prinzip der oftmals künstlich herbeigeführten Güterverknappung, und ein digitales Gut wird nun mal nicht knapper, wenn man es verkauft. Das trifft ja auf jede Art von Software zu, auch Filme, Musik und Anwendungssoftware. Jede Art von Software kann raubkopiert werden, und wird es auch. Da hilft es auch nicht besonders, sich die Zeit vor dem Internet zurückzuwünschen oder entrüstet irgend etwas von Sammelklagen zu brüllen, als ob das etwas ändern würde. Man sollte stattdessen den Fakten ins Auge sehen und mal endlich irgendwie damit klarkommen. Und vielleicht über alternative Verkaufsmethoden und Angebote nachdenken, jetzt wo man ein neues Medium hat. Zwei Stichworte, die mir dazu spontan einfallen, wären Spotify und Crowdfunding.

A propos »Neues Medium«. Es ist schon irgendwie witzig: Im Grunde passiert hier doch exakt das Gleiche wie mit Labels, als damals das MP3 aufkam. Deshalb verstehe ich nicht, warum einige Verlage exakt die selben Fehler machen wie viele der Labels damals. Zu enger Horizont vielleicht? Die spannende Frage aus meiner Sicht ist doch aber nicht die nach dem Geld, sondern: »Hat das MP3 die Musik gekillt?« Nö. »Wird das E-Book die Literatur töten?«Vermutlich nicht. Es geht um die Story, und wenn die gut ist, lese ich sie auch auf Klopapier. (Im Gegensatz zu Musik allerdings, da bevorzuge ich wie jeder zivilisierte Mensch Vinyl. Ein bisschen Snob sein darf man.)

Insgesamt ist die Piraterie eine Diskussion, die man wohl bis in alle Ewigkeit ohne vernünftiges Ergebnis führen könnte. Ich interpretiere es daher so: Jeder, der eins meiner Bücher bewusst kauft, tut dies, um mich als Autor zu unterstützen, damit ich weiter Bücher schreiben kann. Das ist für mich eine Geste großer Wertschätzung, und dafür bin ich jeder Leserin und jedem Leser unendlich dankbar, jedem einzelnen! Ich tue daher alles, um meinen Lesern viele gute Gründe zu bieten, die paar Euro in mich zu investieren. Ich leiste die beste Arbeit, die ich kann.

Und anstatt mich über Dinge aufzuregen, die ich eh nicht ändern kann, setzte ich mich lieber auf meinen Hintern und mache mich an den nächsten Roman. Sobald ich mit deinen Fragen durch bin, natürlich

So, das soll es dann von mir auch “schon” gewesen sein – vielen Dank noch einmal, dass du dir die Zeit nimmst, an dieser Rubrik teilzunehmen. Die letzten Worte überlasse ich damit dann natürlich dir.

Es war mir ein Vergnügen. Vielen Dank, Sebastian, für deine interessanten Fragen und die Möglichkeit, mich dazu zu äußern. Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg mit Review-Corner, und nicht vergessen: Wachsam bleiben, denn die Nacht hat tausend Augen!

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.