(c) James Braund/ Suhrkamp Verlag

Es wird wieder einmal Zeit für ein kleines Interview. Unser heutiger Gesprächspartner ist der gebürtige Nordire Adrian McKinty, der in Deutschland vor allem für seine Sean-Duffy-Romane bekannt ist. Die Bücher spielen in seinem Geburtsort Carrickfergus, wo er bis zu seinem Studium in Coventry und Oxford lebte. Später verschlug es McKinty in die USA, seit 2008 lebt er mit Frau und zwei Kindern in Melbourne.

Bibliografie (Auszug, es sind nur deutsche Veröffentlichungen aufgelistet)

Michael Forsythe-Trilogie

Dead I May Well Be. Serpents Tail Publ., London 2003
deutsch: Der sichere Tod. Suhrkamp, Berlin 2010

The Dead Yard. Serpents Tail Publ., London 2006
deutsch: Der schnelle Tod. Suhrkamp, Berlin 2011

The Bloomsday Dead. Serpents Tail Publ., London 2007
deutsch: Todestag. Suhrkamp, Berlin 2011

Falling Glass. Profile Books, London 2011
deutsch: Ein letzter Job. Suhrkamp, Berlin 2012 (Spin-Off zur Reihe)

Sean Duffy-Reihe
The Cold Cold Ground. Profile Books, London 2012
deutsch: Der katholische Bulle. Suhrkamp, Berlin 2013
I Hear The Sirens In The Street. Serpents Tail Publ., London 2013
deutsch: Die Sirenen von Belfast. Suhrkamp, Berlin 2014
In The Morning I’ll Be Gone. Seventh Street Books, Amherst 2014
deutsch: Die verlorenen Schwestern. Suhrkamp, Berlin 2015
Gun Street Girl. Seventh Street Books, New York 2015
deutsch: Gun Street Girl. Suhrkamp, Berlin 2015
Rain Dogs. Seventh Street Books, New York 2016
deutsch: Rain Dogs. Suhrkamp, Berlin 2017

Nun aber direkt weiter mit dem Interview.

For the English version of the interview please click here.

Hi Adrian,

als Erstes möchte ich dir dafür danken, dass du dir die Zeit nimmst, unsere Fragen zu beantworten. Die erste ist ein Klassiker in unserer Interview-Reihe. Wer ist der Typ hinter der Sean-Duffy-Serie?

Ich weiß nicht. Ich treffe ihn in einer schwach beleuchteten Tiefgarage. Er ist immer verkleidet. Ich drücke ihm Geld in die Hand. Er schickt mir dann das Manuskript in einem braunen Umschlag. Ich glaube, dass er auch für andere „Autoren“ arbeitet, da der letzte Duffy-Roman, den er für mich gemacht hat, Sean zu einem jungen Zauberer an einer Magieschule in England werden lässt.

Der fünfte Duffy-Roman „Rain Dogs“ wurde gerade hier in Deutschland veröffentlicht. Wie fühlst du dich damit, dass deine Bücher in verschiedenen Ländern und Sprachen erscheinen?

Es macht mich stockwütend. Ich habe jahrelang versucht, mein Publikum auf ein paar denkende Individuen zu kürzen, die alle meine Witze und Anspielungen auf Musik verstehen. Und jetzt muss ich über irgendwelche Leute in Deutschland, Schweden oder Frankreich nachdenken, die versuchen, eine Stiff Little Fingers-Referenz zu verstehen? Nein, danke!

Der sechste Roman „Police at the Station and They Don’t Look Friendly“ wurde ebenfalls schon veröffentlicht. Gibt es Pläne für eine Übersetzung ins Deutsche?

Es könnte Pläne geben. Ideen, Blaupausen. Mehr darf ich dazu nicht sagen.

Du nutzt hauptsächlich tatsächliche Ereignisse für deine Plots (die Jimmy-Savile-Affäre kennt man zum Beispiel auch hier in Deutschland). Dann kreierst du eine fiktive Geschichte darum herum. Dadurch wirken deine Bücher sehr authentisch auf mich. Wie viel Recherche musst du in die Romane investieren?

Ja, da habe ich mir selbst ein Loch gegraben. Die Leute erwarten jetzt ein bisschen geschichtliche Genauigkeit in allen Büchern. Darum muss ich Monate lang recherchieren, wohingegen ich vom Startschuss an eigentlich nur Gas geben sollte. Es beschwert sich ja auch niemand bei Isaac Asimov, dass sein Neutronenantrieb nicht im Jahr 2008 erfunden wurde, wie er es sagte. Nur, weil er einfach drauflosgeschrieben hat. Und natürlich auch, weil er tot ist.

Deine Preise haben verschiedene Preise wie den Ned Kelly Award oder den Barry Award gewonnen. „Die verlorenen Schwestern“ wurde von der American Library Association zu einem der 10 besten Kriminalromane des Jahres 2014 gewählt. „Der katholische Bulle“ wurde von der Times als einer der besten Krimis ausgesucht. Wie wichtig sind dir diese Preise?

Sehr wichtig. Manchmal mache ich mir ein Bad mit allen meinen Preisen und schwimme lachend darin herum.

Nachdem wir in den vorangegangenen Fragen einige deiner Buchtitel gesehen haben: Bist du ein großer Fan von Tom Waits oder warum hast du seine Titel für deine Bücher ausgesucht? (Anm.: Die englischen Originaltitel der Sean-Duffy-Romane stammen alle aus Texten des US-Musikers Tom Waits).

Tom Waits ist echt prozesssüchtig und ich habe gehofft, er würde mich verklagen. Aber ach, hat leider nicht funktioniert.

Bekommst du viele Rezensionen? Wie gehst du mit ihnen um, speziell mit den negativen?

Ich bekomme viele Rezensionen. Ich habe nie eine negative gehabt. Wie könnte das auch passieren, wenn die Bücher alles Meisterstücke sind? Nun, ich glaube, dass eine verrückte Person sie nicht mögen könnte. Aber es würde mich nicht kümmern, wenn eine verrückte Person unfreundliche Sachen sagt, denn mir wurde früh beigebracht Mitleid zu haben mit a) den Verrückten, b) Hunden mit drei Beinen, c) glatzköpfigen Männern mit orangfarbener Überkämmfrisur, die denken, dass sie Präsident sind und d) Menschen, die Coldplay mögen.

Soweit ich weiß, sind alle deine Bücher Krimis. Kannst du dir vorstellen, etwas gänzlich anderes zu schreiben?

Ich glaube nicht, dass ich mir das vorstellen kann. Ich habe eine sehr schwache Vorstellungskraft. Darum war „Romancier“ als Berufswahl ein katastrophaler Fehler.

Duffy ist ein katholischer Polizist im weitestgehend protestantischen RUC. Wie bist du auf die Idee für diese spezielle Kombination gekommen?

Nochmal, es war der Typ in der Tiefgarage, nicht ich. Ich werde ihn fragen, wenn ich ihn das nächste Mal sehe.

Du wurdest im Norden von Irland geboren und bist dort aufgewachsen. Nach meinem Interview mit Sam Millar habe ich den Eindruck, dass es dort noch immer nicht übermäßig freundlich ist. Was denkst du über die aktuelle Situation?

Hast du Sams Autorenbild gesehen? Kein Wunder, dass er denkt, dass die Menschen nicht sonderlich freundlich zu ihm sind. Er ist angsteinflößend. Wohingegen sie mich lieben.

Lass uns etwas von den Büchern wegkommen und den Fokus für eine Weile auf dich selbst legen. Wie sieht ein normaler Tag in deinem Leben aus?

Ich wache normalerweise schreiend auf, weil ich denke, dass ich mich in eine gigantische Kakerlake verwandelt habe. Meine Familie schafft es aber, mich zu beruhigen. Manchmal vom Dach aus. Wenn sie dann weg sind, mache ich mir einen kleinen doppelten Scotch und esse Cornflakes. Dann kann das ernsthafte Trinken beginnen.

Wie arbeitest du? Hast du einen speziellen Schreibplatz?

Ich schreibe in der Dusche. Es ist kein sonderlich produktiver Arbeitsplatz und ich habe viele Laptops ruiniert, aber zumindest bin ich anschließend sauber.

Liest du gerne? Gibt es Autoren oder Romane, die deine Arbeit beeinflusst haben?

Ich lese nicht gerne. Lesen ist was für Schwächlinge.

Wenn jemand zu dir kommen und sagen würde „Adrian, ich will auch ein Autor werden. Kannst du mir helfen?“, was würdest du sagen? Irgendwelche Tipps für den armen Kerl?

Ich würde ihm die Adresse und die Telefonnummer eines wirklich guten Psychiaters geben, der ihm das hoffentlich ausreden kann.

Gibt es Traumprojekte, die du gerne realisieren würdest?

Ich würde einen auf Nero und Finn McCool machen. Ich würde eine Brücke aus Booten von Carrickfergus über die Irische See nach Schottland bauen.

Wie lange brauchst du, um einen Roman zu beenden?

Oh, ich bin schnell. Sehr schnell. Und gut. Schnell und gut. Gut und schnell. Entschuldigung, was war noch gleich die Frage?

Was können wir in der Zukunft erwarten? Arbeitest du gerade an einem neuen Buch?

Wir können steigende Meerespegel, eine globale chinesische Hegemonie, Hungersnöte und vielleicht einen gnadenvollen frühen Tod unserer Zivilisation durch einen Kometeneinschlag erwarten.

Nun, das wäre es. Noch einmal vielen Dank, dass du dir die Zeit zur Beantwortung der Fragen genommen hast. Gibt es abschließend noch etwas, was du deinen deutschen Lesern sagen möchtest?

Ich weiß nicht was soll es bedeuten/Daß ich so traurig bin.

 

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.

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