Hendrik Goen – Tanztee
Das neue geheime Tagebuch des Hendrik Groen, 85 Jahre

OT: Zolang er leven is
Hardcover: 480 Seiten
Verlag: Piper Verlag
Übersetzung: Wibke Kuhn

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Klappentext:

Alt aber nicht tot – die »Eierlikörtage« gehen weiter

Nach dem großen Erfolg von »Eierlikörtage« folgt mit »Tanztee« nun der zweite Streich des liebenswürdigsten und humorvollsten Rentners der westlichen Hemisphäre: Der Alt-aber-nicht-tot-Club von Hendrik Groen und seinen Freunden ist zwar noch ein bisschen älter geworden, aber auch im neuen Jahr sind sie voller Energie – und gewillt, sich die Zeit im Altersheim Amsterdam-Nord so angenehm wie möglich zu machen. Hendrik nimmt den Rentneralltag zwischen Arztbesuchen und Bingoabenden aufs Korn, beschwört die Kraft der Liebe und Freundschaft und findet immer wieder die passenden Worte für unsere verrückte und manchmal schreckliche Welt, der ein bisschen mehr Altersweisheit, Humor und Selbstironie verdammt gut tun würde.

© Piper Verlag

Kritik:

Der erste Band, „Eierlikörtage“ war seinerzeit ein ganz großes Highlight für mich. Die Welt aus der Sicht eines 83jährigen, der in einem Altersheim lebt, zu erleben hatte vieles für sich. Humor, nachdenkliches und auch traurige Passagen waren an der Tagesordnung. Mit „Tanztee“ legt der Piper Verlag nun nach und bringt das zweite Buch von Hendrik Groen, dessen realer Name noch immer nicht final gelüftet ist, auch nach Deutschland. Also auf nach Amsterdam!

Und auf den ersten Blick bleibt dann auch alles beim Alten. Das zweite Tagebuch des Hendrik Groen weist einen zum ersten Band identischen Aufbau auf – ein Tagebuch eben. Groen hält seine Gedanken zu mal mehr, mal weniger großen und wichtigen Ereignissen fest und kommentiert diese auf eine mitunter ziemlich bissige und sarkastische Art. Als Leser sollte man aus diesem Grund natürlich auch keine durchgehende Geschichte erwarten, denn ähnlich wie im ersten Teil des Tagebuchs beschäftigt sich auch „Tanztee“ mehr mit den kleinen Dingen des Lebens, immer wieder durchzogen von großen Ereignissen. Als Beispiel seien hier die Anschläge von Paris genannt. Aber auch hier liegt der Fokus immer mehr auf der Sicht eines alten Mannes auf die Geschehnisse. Die Rahmenhandlung des Buchs ist also kurz gesagt das Leben als solches. Das es im stolzen Alter von 85 Jahren nicht immer einfach und vielfach auch mit zum Teil persönlichen Verlusten durchzogen ist, wird nicht verschwiegen oder schöngeredet – allerdings vermittelt das Buch einen sehr lebensbejahenden Weg, auch mit Schicksalschlägen umzugehen. Fast möchte man sagen, dass man von den Alten, speziell in „Tanztee“ eine Menge lernen könnte. Einen Kritikpunkt birgt diese Erzählweise jedoch auch in sich: Wo „Eierlikörtage“ absolut frisch und kreativ gewesen ist, rechnet man beim Nachfolger schon irgendwie mit den Ereignissen, die da kommen mögen. Persönliche Verluste, tragische Todesfälle (die durch ihre Vorhersehbarkeit dann gar nicht mehr so tragisch scheinen), kleinere altersbedingte Katastrophen… es fehlt im direkten Vergleich also ein bisschen der Reiz des Neuen. Aber das ist um ganz ehrlich zu sein gar nicht so schlimm, denn unterhaltsam ist das neue geheime Tagebuch des Hendrik Groen trotzdem.

Bei den meisten Figuren handelt es sich um alte Bekannte. Der vom Protagonisten und seinen nicht minder alten Freunden gegründete „Alt aber nicht tot“-Club wurde bereits im Vorgänger um zwei Mitglieder dezimiert, die nun natürlich mit Nachfolgern ersetzt werden mussten. Leider bleiben die meisten dieser Nebenfiguren sehr im Hintergrund, denn der Fokus der Tagebucheinträge liegt bei „Tanztee“ sehr deutlich auf Hendrik und seinem besten Freund Evert. Das ist etwas schade, denn speziell in Hinsicht auf die Clubmitglieder hätte ich mir doch etwas mehr Interaktion miteinander gewünscht, die der Story zusätzliches Leben eingehaucht hätten.

Erzählerisch hingegen ist alles im grünen Bereich. Hendrik Groen (beziehungsweise der Mensch, der hinter dem Pseudonym steckt) bringt die Erlebnisse des Senioren-Clubs sehr glaubwürdig und authentisch rüber. Man hat also tatsächlich den Eindruck, dass man es mit dem Tagebuch eines Mannes in sehr gehobenem Alter zu tun hat. Das hat mir schon im ersten Band unglaublich gut gefallen und verleiht auch „Tanztee“ eine ähnlich gelungene Wirkung. Die Übersetzung von Wibke Kuhn zollt dem Tribut und lässt die deutsche Version des Buches bodenständig und „echt“ wirken.

Fazit:

Auch wenn „Tanztee“ der Reiz des besonderen fehlt, den der Vorgänger „Eierlikörtage“ hatte, ist das neue geheime Tagebuch des Hendrik Groen ein rundum gelungenes Buch. Der Leser wird durch die Hochs und Tiefs gezogen, die das Seniorendasein mit sich bringt und hat zu jeder Zeit tatsächlich den Eindruck, es mit einem echten Tagebuch zu tun zu haben. Damit einher geht ein Einblick in eine völlig andere Sicht auf viele Dinge des alltäglichen Lebens, aber auch auf große, globale Ereignisse. Das Buch als solches kann man eigentlich nur als lebensbejahend und wunderbar authentisch bezeichnen, trotz kleiner Detailschwächen was die Vorhersehbarkeit und die Figuren angeht.

 

Habt ihr das Buch gelesen und hat es euch ebenso gut gefallen wie mir? Lasst doch einfach einen Kommentar da.

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.

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