Taschenbuch: 352 Seiten
Verlag: Heyne Verlag

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Klappentext:

Henry wollte natürlich schon immer seiner Traumfrau begegnen, aber ausgerechnet jetzt? Frühmorgens nach einer durchzechten Nacht, auf dem Campingplatz eines Metalfestivals? Ehe er begreift, was gerade passiert, ist die schöne Unbekannte wieder im Gewimmel verschwunden. Henrys Freunde Gabriel, Felix und Evil Enrico erkennen den Ernst der Lage und stellen umgehend eine Suchmannschaft auf die Beine. Was sie nicht ahnen: Das Wochenende hält noch einiges mehr bereit, das nicht auf dem Plan stand, und wird das Leben der Freunde mächtig durcheinanderbringen. Glück, Liebe und Tod sind im Leben eben auch nur Zeltnachbarn.

Kritik:

Ela hat ausgesucht. Man konnte also schon aus diesem Grund mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass „Jogginghosen-Henry“ mir gefallen würde. Wenn es dann auch noch um Festivals, Heavy Metal und eine Hauptfigur aus Bad Harzburg, schlappe 20 Kilometer von mir entfernt und Rentnerhochburg wie sie im Buche steht, geht, ist die Vorfreude natürlich direkt noch mal größer.

Und was soll man sagen… ratz-fatz hatte mich die Geschichte gefangen genommen, die irgendwo zwischen Coming-of-Age und Spaßgranate hin und her pendelt. Finkbeiner gelingt es wunderbar, von der ersten Seite an eine Atmosphäre zu schaffen, die mich direkt gefangen genommen hat und die viele Klischees rund um das Thema Metal und Festivals auf liebenswürdige Art durch den Kakao zieht. Nein, eigentlich ist das falsch gesagt, denn wer tatsächlich schon mal so ein mehrtägiges Event mitgemacht hat, weiß genau, dass das, was im Buch beschrieben wird keine Überspitzung bis zum letzten ist, sondern im Gegenteil sehr dicht an der Realität entlang gleitet. Wie sagt man so schön? „In Wacken ist alles möglich“. Okay, okay, das sagt nicht „man“, das sage ich. Fakt ist jedenfalls, dass mich das Buch an vielen Stellen an Geschehnisse auf Konzerten erinnerte, die ich in ähnlicher Form selbst erlebt habe, ein kleiner Throwback irgendwo in die vergangenen 15 Jahre. Und gerade deswegen funktioniert „Jogginghosen-Henry“ für mich auch so gut. Nicht falsch verstehen, sicherlich hat der Roman einen gewissen subkulturellen Hintergrund, ist aber auf keinen Fall als Geschichte speziell für eine Subkultur zu sehen. Denn die in den Metalirrsinn verpackte Coming-of-Age-Geschichte ist auf der anderen Seite auch für sich genommen nicht uninteressant und dürfte – sofern der geneigte Leser für den Humor, mit dem sie erzählt wird, empfänglich ist – sicherlich auch anderen Genrefreunden gefallen.

Dafür dürften vor allem die Figuren sorgen, Hannes Finkbeiner hat mit G(r)abriel, Schalter-Felix, Evil Enrico und natürlich Jogginghosen-Henry Charaktere geschaffen, die zwar auf den ersten Blick von einem Klischee zum nächsten tappsen, auf den zweiten aber im Lauf der Story eine wahnsinnige Vielschichtigkeit entwickeln. Sich selbst weiter entwickeln und dabei, trotz allem Humor, zu jeder Zeit bodenständig und nachvollziehbar bleiben. Mitunter ist das zwar etwas sprunghaft (die gesamte Story zieht sich über mehrere Jahre, komprimiert auf knackige 350 Seiten), aber letztlich doch immer wieder schlüssig. Großartig.

Hannes Finkbeiners Stil lässt sich eigentlich mit nur wenigen Worten beschreiben. Eingängig. Bildlich. Spaßig. Ein Großteil von „Jogginghosen-Henry“ steht tatsächlich im Zeichen des Humors, der mit seiner Kombination aus Situationskomik und Wortwitz wunderbar funktioniert. Dementgegen steht dann ein Abschluss, der zunächst zwar wie ein Schlag in den Magen wirkt, auf der anderen Seite aber auch notwendig ist, damit die Story als Ganzes so gut und rund wirkt. Das Erzähltempo ist angemessen, es fällt leicht, den Roman in ein paar Tagen aufzusaugen, in denen man sich meistens tatsächlich so fühlt, als ob man mit den Jungs im Schlamm neben den Dixie-Klos hockt. Abgesehen vom Geruch, Gott sei Dank. Vor allem kam die Lust auf, beim Lesen die entsprechende Hintergrundbeschallung laufen zu lassen (auf Grund der Kinder allerdings in gemäßigter Lautstärke und mit Kopfhörern, was ist man doch lahm geworden). Ein prima Soundtrack selbstgemacht, das konnte nicht mal Jean Pütz mit der Hobbythek!

Fazit:

Jogginghosen-Henry“ war für mich wieder einmal ein echtes Highlight. Eine Menge Humor, eine gewisse und unvermeidliche Dramatik, dazu tolle Figuren und dann noch dieses „Mittendrin statt nur dabei“-Gefühl… eine von vorne bis hinten runde… ähm, räudige und rotzige Sache. Aber so muss Metal halt sein! Eine Empfehlung für jeden, der gute, außergewöhnliche Coming-of-Age-Geschichten mag. Und für jeden lesenden Headbanger sowieso. Ach, und nur so am Rande: Elend bei Sorge gibt’s wirklich. Und bei der letzten Durchfahrt war der Name auch Programm.

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.

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