Taschenbuch: 264 Seiten
Verlag: Selbstverlag

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Klappentext:

Rumänien 1944. Zwischen den Höhen der Karpaten und den Sümpfen des Flusses Pruth treiben Stalins rote Horden tausende deutsche Soldaten dem Tod entgegen. Mit dieser Überzeugung sucht Hauptmann Kramz mit acht Kameraden sein Heil in der Flucht und stößt dabei auf Grausamkeiten, die eine bösartige Magie ausstrahlen. Durch Zufall entdeckt er mit seinen Begleitern eine gewaltige Wunderwaffe der Nazis, doch das Ungetüm ist die Brutstätte von höllischen Kreaturen …

Deutschland 2014. Robby zockt mit acht Freunden begeistert einen Kriegs-Shooter. Per E-Mail erhalten die neun Gamer ein verlockendes Angebot: Gegen Zahlung von 1000 oder 10 000 Euro können sie an dem Geländespiel LANDSER OR GENERAL teilnehmen. Ein Outdoor-Game der Extraklasse wartet auf dieTeilnehmer: Kost und Logies in einem Bunker nahe Bukarest, eine originale Uniform der Wehrmacht, Waffen samt Munition und eine Erkennungsmarke. Fröhlich reisen die Teenager dem Game entgegen. Was keiner von ihnen ahnt – ihre Gegenspieler sind Killer in Generalsuniform und nur diese besitzen scharfe Munition. Ein mörderisches Spiel beginnt und fordert viele Opfer. Doch dann findet Robby mit einigen Freunden Schutz – Schutz bei Kriegern aus dem Reich des Todes. Gemeinsam mit ihren unheimlichen Verbündeten treten die Jugendlichen erneut gegen die Generäle an und entfesseln eine Apokalypse des Grauens …

Kritik:

Wieder einmal galt es zu beweisen, dass gute Romane nicht zwangsläufig aus Übersee kommen oder in einem großen Verlag veröffentlicht werden müssen. Frank Argos war mir zwar bislang kein Begriff, sein Roman „Blutige Marken“ klang jedoch interessant und getreu dem Motto „Selfpublisher are welcome“ habe ich es dann auch auf einen Versuch ankommen lassen.

Mut zur Lücke also. Na ja, mehr oder weniger zumindest. Den beweist Argos dann ebenfalls, wenn er für seinen Prolog eine Gruppe SS-Soldaten zu den Hauptakteuren macht. Eine mutige Entscheidung wie ich finde, denn gerade ein deutscher Autor mag hierfür als „nicht politisch korrekt“ abgestraft werden. Ungerechtfertigterweise wie ich anmerken möchte, denn Argos glorifiziert nichts und verzichtet auch ganz bewusst auf für die Zeit typische Grüße und Symboliken. Nach dem Prolog finden wir uns im Hier und Jetzt wieder und begleiten den Shooter-Freak Robby nebst seinen Clankameraden durch ihre ganz eigene Interpretation des Films „Surviving The Game„. Ja, Anleihen kann Argos tatsächlich nicht verleugnen, allerdings muss man auch hier sagen, dass er diese Inspirationsquelle auch ganz offen selbst benennt. Nach einer kurzen Einführung der Figuren beginnt sich dann auch schnell ein guter Spannungsbogen aufzubauen, der zwar hin und wieder von kleinen Einknickern unterbrochen wird, alles in allem aber doch ein konstanter Begleiter auf dem Survivaltrip ist. Gefällig ist vor allem die beklemmende und bedrohliche Atmosphäre, nachdem die Freunde dann in Rumänien angekommen sind. Hier ist es Argos gut gelungen, eine sehr bildliche Vorstellung im Kopf des Lesers zu verankern. Allerdings muss er sich an manchen Stellen auch den Vorwurf von kleineren Logiklücken gefallen lassen. Computer-Kriegern ohne große Erfahrung einen nahezu perfekten Umgang mit schweren Waffen anzudichten scheint mir jedenfalls auf Grund eigener Erfahrungen auf dem Schießstand nicht realistisch. Auch das (temporeiche und blutige) Ende lässt die eine oder andere Frage in Hinsicht auf die Logik der Geschichte offen, die allerdings nicht hier gestellt werden sollte, da sie einen wesentlichen Teil der Story spoilern würde.

Die Figuren wirken, abgesehen von dem oben genannten Kritikpunkt, durchaus realistisch. „Blutige Marken“ setzt bei den Protagonisten im Grunde genommen auf Durchschnittstypen, mit denen eine Identifikation recht leicht fällt. Die Entwicklung, die sie hierbei im Lauf der Geschichte machen ist nachvollziehbar, die Reaktionen und Emotionen gut eingefangen. Einen besonders schönen Kniff präsentiert Argos mit der Wahl eines seiner Antagonisten, die zwar schon frühzeitig angekündigt, jedoch erst spät (und dennoch wirkungsvoll) tatsächlich bestätigt wird. Insgesamt eine gute Mischung, die gefallen hat.

Stilistisch merkt man schon, dass Frank Argos kein Berufsautor ist, hier und da gibt es noch Ecken und Kanten in der Schreibweise. Dennoch kann ich ruhigen Gewissens sagen, dass er im Schnitt einen temporeichen und ansprechenden Stil aufweist, dank dem es leicht fällt, diese kleinen Schwächen zu verzeihen. Sehr gut gefallen hat mir die Hintergrundrecherche des Romans, die (ja, ich gestehe: ich google Dinge, die mich interessieren – WW2 gehört dazu) absolut bodenständig und – soweit möglich – wahrheitsgetreu ist. Das ist immer viel Wert. Einen starken Magen sollte man allerdings mitbringen, denn „Blutige Marken“ weist schon einige ziemlich harte Passagen auf, welche zudem auch detailliert beschrieben werden. Mir gefällt das, aber es ist sicherlich nicht jedermanns Sache.

Fazit:

Blutige Marken“ von Frank Argos wusste im Gesamtbild durchaus zu gefallen. Zwar gibt es noch Luft nach oben, was die Schreibweise des Autoren betrifft, hier und da gibt es auch kleine Schwächen in der Logik der Geschichte, diese Mängel fallen jedoch unter dem Strich nicht übermäßig ins Gewicht. Auf der Habenseite kann der Horrorthriller aber mit einer gelungenen Atmosphäre, einem weitestgehend konstanten Spannungsbogen und bodenständigen Figuren punkten. Der hohe Gewaltgrad wird zwar dafür sorgen, dass das Buch nicht jedermanns Sache ist, mir gefiel das Buch aber alles in allem.

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.

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