die brut sie kommenEzekiel Boone – Die Brut. Sie sind da

OT: The Hatching
Taschenbuch: 400 Seiten
Verlag: Fischer Taschenbuch
Übersetzung: Rainer Schmidt

Die Brut, Band 1

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Klappentext:

Etwas lebt. Und es vermehrt sich rasend schnell.

Am Amazonas stirbt eine Wandergruppe. Kurz zuvor war ein merkwürdiges Summgeräusch zu hören.
In Indien schnellen die Seismographen in die Höhe, doch es folgt kein Erdbeben.
In China wird eine Atombombe gezündet. Angeblich versehentlich.
In Minneapolis stürzt ein Flugzeug vom Himmel. Im Wrack findet Agent Mike Rich eine verbrannte Leiche aus der etwas Schwarzes kriecht.
Biologin Melanie Guyer erhält in Washington eine FedEx-Sendung. Ein mysteriöser Fund von den Nazca-Linien.

© Fischer Verlage

Kritik:

Der Name Ezekiel Boone war mir bislang kein Begriff. Nicht weiter verwunderlich, denn »Die Brut – Sie sind da« ist die erste Veröffentlichung im deutschsprachigen Raum. Der Klappentext war allerdings sehr interessant und versprach einen interessanten Mix aus Horror (was Spinnen ja prinzipiell schon sind) und Thriller. Also ab dafür.

Als Erstes fällt auf, dass Boone die Geschichte um die mörderische Brut aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Was zu Beginn noch etwas fragmentiert und schwer nachvollziehbar wirkt, entwickelt sich mit steigender Seitenzahl zu einem umfassenden Gesamtbild. Das Ausmaß der Katastrophe wird durch diese Art zu erzählen nach und nach gut überschaubar und greifbarer. Die einzelnen Episoden folgen dabei einer zunächst autarken Handlung und weisen ihre eigenen, hohen Spannungsbögen auf. Erst spät werden einige dieser Stränge miteinander verbunden – und ab diesem Punkt wird dann auch deutlich, dass man es mit einem Mehrteiler zu tun hat. Insgesamt weiß »Die Brut – Sie sind da« mit einer gelungenen Atmosphäre zu überzeugen. Sie wird zusehends bedrohlicher und düsterer, besonders wenn zum Finale des ersten Teils hin die Katastrophe ihren Lauf nimmt und der Leser Zeuge einer regelrechten Spinnenapokalypse wird. Aber eines bleibt dabei immer absehbar: Der Cliffhanger, mit dem die Geschichte (vorerst) endet.

Die Erzählweise bedingt auch eines: ein sehr hohes Figurenaufkommen. »Die Brut – Sie sind da« haut dem Leser eine ganze Latte an Charakteren um die Ohren. Glücklicherweise bleibt das Buch aber jederzeit übersichtlich. Auch das resultiert aus den unterschiedlichen Handlungssträngen, die sich nur selten und nur da, wo es auch logisch ist, überschneiden. Deutlich werden dabei die unterschiedlichen Motivationen der Charaktere, welche mitunter persönlich sind, an anderen Stellen aber viel allumfassender daherkommen. Insgesamt haben sie eines gemein: Sie sind nachvollziehbar. Das lässt auch die Protagonisten bodenständig und real wirken und trägt einiges zur Glaubwürdigkeit der Geschichte bei.

Ezekiel Boone erzählt »Die Brut – Sie sind da« auf eine moderne und frische Weise. Er macht sich nicht viel aus literarischen Konventionen, sondern präsentiert eine tempo- und actionorientierte Schreibe, die stellenweise sehr umgangssprachlich ist. Das passt gut zu den Figuren und der Geschichte als solches. Hier und da würzt er seinen Roman mit blutigen Einlagen, die sicherlich nicht jedermanns Sache sind. Allerdings sollte man sich von vornherein bewusst machen, dass sowas zu einem modernen Horrorthriller dazugehört. Insgesamt wird die deutsche Ausgabe von Rainer Schmidt gut und überzeugend vorangetrieben. Allerdings hat die Übersetzung auch so manche Schwachstelle. Beispiele gefällig? Von Manny hört man an einer Stelle den Ausspruch »Etwas Böses kommt des Wegs«. Ein Zitat, wahlweise nach Shakespeare oder nach Ray Bradbury. Heißen müsste es aber entweder »Etwas Böses kommt daher« oder, wenn es auf Bradburys Roman bezogen ist, »Das Böse kommt auf leisen Sohlen«. Daneben gibt es falsche Eindeutschungen von Fernsehserien (»Buffy – Vampire Slayer« wird einfach zu »Buffy die Vampirjägerin« statt zu »Buffy – Im Bann der Dämonen«). Besonders negativ sind mir die »Sprechenden Köpfe« aufgefallen, die unfreiwillig komisch wirken. Das amerikanische »Talking Heads« als Synonym für Nachrichtensprecher wurde einfach wörtlich übersetzt, obwohl dieser Begriff in Deutschland nicht gebräuchlich ist.

Fazit:

9»Die Brut – Sie sind da« ist ein sehr actionreicher Auftakt zu einer Buchreihe, die jeden Spinnenphobiker auf den nächsten Baum treiben dürfte. Ezekiel Boone macht keine Gefangenen und treibt seine Geschichte in spannenden und bedrohlich wirkenden Episoden voran, die er hier und da mit deftigen Gewaltspitzen würzt. Der größte Schwachpunkt ist die nicht immer stimmige Übersetzung, was aber im Lesefluss nur bedingt auffällt. Insgesamt ein Pageturner, auf dessen Fortsetzung ich mich jetzt schon freue.

Sebastian

Ich bin hier auf dem Blog zuständig für alles, bei dem es ordentlich knallt und bei dem eine Menge Blut fließt. Soll heißen, mein Fokus bei Filmen und Büchern liegt auf Action, Thrillern und Horror. Davon ab bin ich aber auch anderen Genres nicht abgeneigt, SciFi und Fantasy findet sich ebenso wie eher ruhige Titel unter meinen Favoriten.

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